HB-IOF - Nach 31 Jahren in den Ruhestand

28.10.2026             

Am 21. Juni 1995 startete der Airbus A321-111 D-AVZE mit der Werksnummer 541 am Airbus-Werk in Hamburg Finkenwerder zu seinem Erstflug. 31 Jahre und gut drei Monate später führt der letzte Flug des mittlerweile als HB-IOF eingetragenen Airbus am 28. Oktober 2026 von Zürich zur Verwertung nach Enschede in den Niederlanden.

Die HB-IOF ist eines von zuletzt noch acht Flugzeugen der Airbus A320-Familie im Dienst der Swiss, deren Karriere einst bei Swissair begonnen und mit dem «Grounding» vom 2. Oktober 2001 ein unerwartetes Ende gefunden hat. Zugleich ist sie mit ihren mittlerweile über 31 Jahren eines der langlebigsten Exemplare der A320-Familie, jedoch «nur» das zweitälteste Mitglied der Swiss-Flotte. Ihre baugleiche Schwester HB-IOD, die aktuell immer noch im Plandienst steht, ist nochmals gut drei Monate älter - sie hatte ihren Erstflug bereits Mitte März 1995. Daneben stehen aktuell noch sechs zwischen Mai 1996 und Mai 1997 für Swissair gebaute Airbus A320-214 bei Swiss im Dienst, nämlich die HB-IJL, IJN, IJO, IJP, IJQ und IJR. Ihre Ablösung durch neu ausgelieferte Airbus A320neo ist jedoch nur noch eine Frage der Zeit (und der verfügbaren Liefertermine).

oben: Der Airbus A321-111 HB-IOF stand bei Swissair zunächst in der regulären Bemalung mit grauem Bauch im Einsatz und trug Namen und Wappen der Stadt Winterthur. Sein erstes Tätigkeitsgebiet waren nachfragestarke Destinationen im europäischen Netz der Swissair, zudem kamen die A321 auch regelmässig auf der von starkem Zubringerverkehr geprägten Flügen zwischen Genf und dem Hub Zürich zum Einsatz (Lukas Lusser, Genf, 9.3.96).

unten: Einen besonderen Auftritt erhielt der Airbus A321-111 HB-IOF im Rahmen der von Swissair lancierten Airline-Allianz Qualiflyer, der die verschiedenen Beteiligungen und strategischen Partner angehörten, die Swissair im Rahmen der berüchtigten «Hunter-Strategie» um sich scharte. Zu Beginn der 2000-er Jahre erhielt er, zusammen mit seiner baugleichen Schwester HB-IOE, eine Qualiflyer-Sonderbemalung, bei der Qualiflyer-Logo und -Schriftzug auf der dunkelblau gestalteten Rumpfunterseite angebracht wurden (Lukas Lusser, Zürich, 28.1.01).

Als Besonderheit im Lebenslauf zu erwähnen ist die Tatsache, dass die zunächst in den regulären Swissair-Farben auf innereuropäischen Strecken fliegende HB-IOF im Laufe des Jahres 2000 zur Markenbotschafterin der von Swissair geformten Airline-Allianz «Qualiflyer» wurde. Unter dieser Marke versuchte Swissair, sowohl ihre damaligen Partnerairlines wie Austrian Airlines oder TAP Air Portugal wie auch die von Swissair im Rahmen der «Hunter-Strategie» aufgekauften, oftmals bereits in finanzieller Schieflage operierenden Töchter wie Air Littoral, AOM Air Outre Mer oder Sabena zusammenzufassen. 

Nachdem zunächst grosse Qualiflyer-Logos und Aufschriften auf die bestehenden Bemalungen einzelner Flugzeuge von Partner-Airlines angebracht wurden - was optisch alles andere als gelungen aussah - entwickelte Swissair mit der Qualiflyer-Bemalung, bei der Logo und Allianznamen in der blauen Rumpfunterseite angebracht wurden, eine wesentlich elegantere, wenn auch nicht revolutionäre Werbebemalung. Zu den ersten Flugzeugen, die derart gestaltet wurden, gehörten die beiden Swissair A321-111 HB-IOE und HB-IOF.

Mit dem Grounding der Swissair vor gut 25 Jahren, am 2. Oktober 2001, endete die «Hunter-Strategie» im Desaster, und ebenso zerbrach die Qualiflyer-Allianz. Mit ihrem blauen Bauch flog die HB-IOF bis zum Frühjahr 2002 weiter, während die Nachfolgegesellschaft Swiss International Air Lines auf dem Fundament der Crossair gebildet und eine Übernahme von 26 Kurzstrecken- und 26 Langstreckenjets aus Beständen der Swissair durch die Nachfolgerin ausgehandelt wurde. Die HB-IOF gehörte nicht zu den Auserwählten der sogenannten 26/26-Lösung, und sie wurde ab April 2002 zunächst in Zürich auf den Whiskey-Standplätzen bei der Glatt geparkt. Im September 2004 konnte sie schliesslich an Turkish Airlines vermietet werden, wo sie als TC-JMB in den Dienst ging.

oben: Nach seiner Rückkehr aus der Türkei erhielt der ehemalige Swissair Airbus A321-111 nicht nur seine angestammte Immatrukulation HB-IOF zurück, sondern auch das vom Designer Tyler Brulée gestaltete Erscheinungsbild der Swiss International Air Lines mit den viersprachigen «Schweiz»-Aufschriften (Lukas Lusser, Zürich, 6.1.17).

unten: Seit dem Sommerhalbjahr 2017 trägt der Swiss Airbus A321-111 HB-IOF das aktuelle Erscheinungsbild mit den grossflächigen Aufschriften. Nach seinem letzten kommerziellen Flug als LX2150/LX2151 auf der Strecke Zürich - Palma de Mallorca - Zürich zum Herbstferienende am 25. Oktober 2026 geht das inzwischen über 31 Jahre alte Flugzeug zur Zerlegung an den Enschede Twente Airport in den Niederlanden (Lukas Lusser, 25.9.17).

Bereits Ende März 2007 gelangte der Airbus Baunummer 541 wieder «nach Hause», als er durch den Vermieter Castlelake an Swiss International Air Lines verleased wurde. Bei dieser Gelegenheit erhielt er - wie das für den gennanten Fall die Norm darstellt - sein ursprüngliches Schweizer Kennzeichen zurück, so dass die HB-IOF per Beginn Sommerflugplan 2007 wieder abhob, nun im neuen Kleid des Designers Tyler Brulée. 

Für fast zwanzig weitere Jahre leistete der Airbus anschliessend seine Dienste im Swiss-Kleid, einmal noch «angepasst» auf das neue Design mit den grossflächigen Aufschriften. Am Sonntag, 25. Oktober 2026, dem ersten Tag des aktuellen Winterflugplans, führte die HB-IOF ihre letzten planmässigen Einsätze durch: Ihr Tag begann morgens um 07:35 mit dem Flug LX 963 vom Berlin Brandenburg Airport, wo sie ihren letzten Nightstop verbracht hatte, zurück an die Basis Zürich, wo sie um 08:45 landete. Zur Mittagszeit wurde sie noch einmal auf der einzigen Inlandstrecke der Swiss eingesetzt, als sie als LX2824 nach Genf-Cointrin und als LX2813 wieder zurück nach Zürich verkehrte. Nach einer einstündigen Pause ging es dann ein letztes Mal auf Linie: Als LX2150 hob sie um 15:52 nach Palma de Mallorca ab. Ihr Rückflug LX2151 erreichte Zürich mit einer nicht der Nennung werten dreiminütigen Verspätung um 20:18. 

Am Mittwoch, 28.10.26 verspürt die HB-IOF noch einmal für eine knappe Stunde «Luft unter den Flügeln», wenn sie als LX 5202 nach Enschede in den Niederlanden fliegt, wo sie - wie schon mancher andere Airliner - am Twente Airport fachgerecht zerlegt wird.