Deutsche Aircraft eröffnet Endmontagelinie für D328eco in Leipzig
29.09.2026 Quelle: Deutsche Aircraft
Deutsche Aircraft hat am 29. September 2026 im Beisein von Christian Hirte, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr, und Dirk Panter, Sächsischer Staatsminister für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz, ihre neue Endmontagelinie (Final Assembly Line, FAL) am Flughafen Leipzig/Halle offiziell eröffnet.
Beginn der Industrialisierungs- und Produktionsphase der D328eco
Die Inbetriebnahme markiert mit dem Übergang von der Entwicklungs- in die Produktionsphase einen entscheidenden Meilenstein für das D328eco-Programm und macht Leipzig zum künftigen Produktionsstandort der nächsten Generation deutscher Regionalflugzeuge. Gleichzeitig kehrt erstmals seit mehr als sechs Jahrzehnten die vollständige Flugzeugfertigung nach Sachsen zurück und stärkt die Region als ein Zentrum für fortschrittlichen Flugzeugbau und Innovation. Die neue Anlage verkörpert die Vision des Programms: «Entwickelt in Deutschland. Gebaut in Sachsen. Verbindet weltweit.» Sie vereint deutsche Ingenieurskunst, die industrielle Kompetenz Sachsens und die internationale Anbindung Leipzigs in einem hochmodernen Produktionszentrum.
Über das D328eco-Programm hinaus stärkt die Neueröffnung Deutschlands Fähigkeit, komplette Flugzeuge zu entwickeln, zu zertifizieren, zu testen, herzustellen und zu betreuen. Gleichzeitig sichert es entscheidendes Luftfahrt-Know-how für zukünftige Generationen. Gemeinsam bilden die Standorte Oberpfaffenhofen und Leipzig eine integrierte Entwicklungs- und Produktionslandschaft in Deutschland, die Entwicklung, Zertifizierung, Flugerprobung, Industrialisierung, Endmontage und die Auslieferung von Flugzeugen an Kunden weltweit umfasst.
Zur Eröffnungsfeier kamen Vertreterinnen und Vertreter der Bundesregierung, des Freistaates Sachsen, Industriepartner, Zulieferer, Kunden sowie Persönlichkeiten der Luftfahrtbranche zusammen, um die Fertigstellung eines der bedeutendsten Luftfahrt-Investitionsprojekte Deutschlands der vergangenen Jahre zu begehen. Michael Kretschmer, Ministerpräsident des Freistaates Sachsen, richtete anlässlich der Eröffnung eine Videobotschaft an die Gäste.
Investition in die Zukunft der deutschen Luftfahrt
Mehr als 100 Millionen Euro wurden in den neuen Produktionsstandort Leipzig investiert, der auf eine Kapazität von bis zu 48 Flugzeugen pro Jahr ausgelegt ist. Auf einer Fläche von 60.500 Quadratmetern, entsprechend etwa acht Fussballfeldern, beherbergt Leipzig künftig die Endmontagelinie (FAL), einen Flight Readiness Hangar, ein Logistikzentrum sowie ein Verwaltungsgebäude.
Der Freistaat Sachsen unterstützt die Investition mit rund 3,2 Millionen Euro aus dem Bund-Länder-Programm GRW (Gemeinschaftsaufgabe «Verbesserung der Regionalen Wirtschaftsstruktur»). Die Förderung unterstreicht die Bedeutung des Projekts für die wirtschaftliche Entwicklung der Region und die nachhaltige Stärkung des Luftfahrt- und Technologiestandorts Sachsen.
Die Anlage wurde als moderne, digitale und nachhaltige Produktionsumgebung konzipiert. Fortschrittliche Fertigungstechnologien, automatisierte Logistiksysteme und papierlose Produktionsprozesse steigern Effizienz, Qualität und Transparenz entlang des gesamten Montageablaufs. Ergänzt wird dies durch eine energieeffiziente Infrastruktur mit Photovoltaikanlagen und Wärmepumpentechnologie, die das Engagement von Deutsche Aircraft für nachhaltiges industrielles Wachstum unterstreicht.
Stärkung des Wirtschafts- und Technologiestandorts Sachsen
Die neue Endmontagelinie zählt zu den bedeutendsten Luftfahrt-Investitionsprojekten Deutschlands der vergangenen Jahre. Sie stärkt nicht nur die industrielle Basis Sachsens, sondern leistet auch einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Luftfahrtsektors. Durch die Bündelung wesentlicher Kompetenzen entlang der gesamten Wertschöpfungskette wird die industrielle Resilienz des Standorts Deutschland gestärkt und die Grundlage für künftige Innovationen im regionalen Flugzeugbau geschaffen.
Mit dem Hochlauf der Produktion werden in den kommenden Jahren voraussichtlich rund 250 neue direkte Arbeitsplätze entstehen. Darüber hinaus unterstützt das Programm qualifizierte Beschäftigung entlang der gesamten Wertschöpfungskette und stärkt das wachsende Luftfahrt-Ökosystem Sachsens.
Das Projekt eröffnet Perspektiven für Auszubildende, Technikerinnen und Techniker, Ingenieurinnen und Ingenieure, Fertigungsspezialistinnen und Fertigungsspezialisten und trägt dazu bei, die nächste Generation von Luftfahrttalenten in Sachsen auszubilden. Die Endmontagelinie leistet zudem einen wichtigen Beitrag wirtschaftlichen Dynamik Mitteldeutschlands. Neben hochqualifizierten Arbeitsplätzen schafft sie langfristig industrielle Wertschöpfung und stärkt die Rolle Sachsens innerhalb der deutschen Luftfahrtindustrie.
Die D328eco kann ihre Abstammung als Weiterentwicklung der Dornier 328-100 nicht verleugnen. Gegenüber dem Vorgängermodell verfügt sie über einen um 2.4 Meter verlängerten und für eine komfortable Stehhöhe erhöhten Rumpf, neue sparsame Triebwerke des Typs Pratt & Whitney PW127XT, die für den Betrieb mit SAF Sustainable Aviation Fuel ausgelegt sind, und eine komplett überarbeitete Avionik und Cockpit-Gestaltung, die später auch einen Einsatz mit nur einem einzelnen Piloten erlauben soll. Gegenüber Regionaljets vergleichbar Grösse soll die D328eco zudm rund 40% weniger Kraftstoff verbrauchen (Visualisierung Deutsche Aircraft, 2025).
Die nächste Phase des D328eco-Programms
Mit der Eröffnung der Endmontagelinie hat Deutsche Aircraft die industrielle Grundlage für die Serienfertigung der D328eco geschaffen. Leipzig wird künftig das Zentrum für Flugzeugmontage, Flight-Readiness-Aktivitäten und die Auslieferung an internationale Kunden sein, während Oberpfaffenhofen bei Deutsche Aircraft weiterhin die Heimat von Entwicklung, Flugerprobung und Zertifizierung bleibt. Gemeinsam stehen beide Standorte für das nächste Kapitel des deutschen Flugzeugbaus. Sie bilden eine integrierte Wertschöpfungskette, die alle wesentlichen Phasen eines modernen Flugzeugprogramms umfasst: von der Entwicklung und Zertifizierung über Industrialisierung und Endmontage bis hin zu Auslieferung und Kundenbetreuung weltweit.
Obwohl sie bereits gegen Ende 2027 in den Dienst gehen soll, liegen für die D328eco, einer um gut zwei Meter gestreckten, 43-plätzigen Weiterentwicklung auf Basis der 1994 erstmals ausgelieferten 32-plätzigen Dornier 328, aktuell allerdings noch keine namhaften Festbestellungen vor. Die auf Ad-hoc- und Firmencharter spezialisierte Privat Wings Aviation hat eine Absichtserklärung zum Erwerb von fünf D328eco unterzeichnet, zudem hat ein nicht genannter zweiter Kunde eine Absichtserklärung (LoI, Letter of Intent) für weitere vier Flugzeuge gezeichnet. Ein namhafter Launch Customer, etwa eine Regionalairline, die eine grössere Flotte des Musters betreiben und damit die Fertigungskapazität auslasten wird, fehlt dem Projekt derzeit noch.
Deutsche Aircraft gibt sich dennoch zuversichtlich, dass eine Nachfrage nach leistungsstarken und umweltfreundlichen Regionalflugzeugen besteht. Sie hofft, den einzigen Konkurrenten, die ATR 42-600 ablösen zu können sowie von der Ausserdienststellung alternder Konkurrenzmuster wie der Dash 8-100 bis -300, Saab 340/Saab 2000 oder Embraer 120 zu profitieren. Dabei hofft sie auch auf Wachstumsmärkte wie Asien und Afrika: Da die D328eco für den Betrieb auf unbefestigten Pisten zugelassen werden soll, würden sie sich bestens für den Betrieb in schlecht erschlossenen Regionen eignen. Zudem soll auch eine sogenannte Multi-Role-Variante mit im Flug zu öffnender Tür den Einsatz als Such- und Rettungsflugzeug, als Feuerbomber, als Plattform für das Absetzen von Fallschirmspringern sowie als Ambulanzflugzeug ermöglichen.