Neu erschienen: Der Fuchtelclub – The One and Only
17.10.2026 Quelle: Werner Solterman, bsl-mlh-planes.net
Auf dem Vorfeld der Jet Aviation parken (von vorne nach hinten) mit der D-ACIP, D-ACIS und D-ACIT drei von fünf Boeing 720-025, mit welchen Calair den Charterbetrieb ab Deutschland aufnehmen wollte. Die aus Eastern Air Lines-Beständen erworbenen Jets der ersten Generation waren am EuroAirport grundüberholt worden, doch da Calair die beantragte Betriebsbewilligung nicht rechtzeitig zur Sommer-Reisesaison 1971 erhalten hatte, verlor das Unternehmen noch vor dem Start die meisten seiner vertraglich vereinbarten Charteraufträge der Reisebüros, so dass die Jets untätig am Boden blieben und das Unternehmen im Frühjahr 1972 Konkurs anmelden musste. Die fünf Boeing 720 gingen zu Air Rhodesia, später Air Zimbabwe, wobei sie die Calair-Grundbemalung behielten und sie zum Standard-Design der Air Rhodesia machten (Christoph Hartmann/bsl-mlh-planes.net, Basel, 25.3.72).
«Die Geburt der Fuchtler»
Schon Mitte der 1950er-Jahre stehen regelmässig ein paar flugzeugbegeisterte Männer am Holzzaun des Flugplatzes Basel-Mulhouse in «Blotze» und verfolgen, oft wild gestikulierend, den damals bescheidenen Flugbetrieb. Sie treffen sich in ihrer Freizeit unter Gleichgesinnten, so wie es gerade passt, und nicht etwa organisiert zu Anlässen und festen Terminen wie die Bezeichnung eines Clubs zunächst vielleicht vermuten lässt.
oben: Nachtschicht für den «Fuchtelclub»: Auf einem ad-hoc Fracht-Charter von Barcelona nach Oslo ist die Convair 240-12 LN-KAP der PAT Polaris Air Transport zum Auftanken bei klirrender Kälte am Flughafen Basel/Mulhouse gelandet. Man beachte das Warnschild, das rauchenden Besuchern eine weitere Annäherung an die Flugzeuge untersagt! (Sammlung Ruedi Gass/bsl-mlh-planes.net, Basel, 7.1.67)
unten: Vor dem legendären «Lucky Strike»-Hangar beim alten Flughafen Basel/Mulhouse posiert die Swissair DC-3D HB-IRC für die Kamera eines luftfahrtbegeisterten Besuchers (Sammlung Nikki Scherrer/bsl-mlh-planes.net, Basel, März 1962).
Den seltsamen Namen hat sich der «Fuchtelclub» nicht selbst gegeben. Dafür sind es die Angestellten des Flugplatzes, die sich über die Gruppe amüsieren, die beinahe zu jeder Tages- und Nachtzeit am Diskutieren, und somit lebhaft am Fuchteln ist, beobachtend, begeistert, unumstösslich in der Meinung, alles wissen zu müssen und manchmal auch die wildesten Gerüchte verbreitend oder die seltsamsten Fragen stellend. Neben vielen anderen gehört damals auch ein gewisser Moritz Suter zu dieser Gruppe, die, wie zu dieser Zeit üblich, mindestens am Sonntag, in Kittel und Krawatte am Zaun anzutreffen ist.
Eines Tages war der Name einfach da, der «Fuchtelclub» geboren. In diesem Jahr ist es 70 Jahre her, seit alles begann, und der Flughafen Basel-Mulhouse feiert zugleich seinen 80. Geburtstag. Zu diesen beiden Jubiläen erscheint nun eine Publikation, die spannende und lustige Anekdoten enthält, darunter auch manche Geschichten, die in der heutigen Zeit so gar nicht mehr passieren könnte.
oben: Wenn die Mitglieder des «Fuchtelclub» die drei Buchstaben «QGO» hörten, gab es kein Halten mehr: Die Abkürzung steht für eine wetterbedingte Schliessung eines Flughafens, und im Falle des Flughafens Basel/Mulhouse bedeutete dies in der Regel den Auftakt zu einer Reihe von Ausweichlandungen aus dem nebel verhangenen Zürich. So haben sich hier an einem Wintertag nicht bloss die «Fuchtler», sondern gleich auch vier aus Zürich umgeleitete DC-8 der schweizer Ferienflieger Balair (DC-8-63 HB-IDZ auf Parkposition D1 hinten rechts, DC-8-62H HB-IDK auf Parkposition D3 hinten links, eine der beiden SATA DC-8-63 auf Position D4 vorne links und eine zweite SATA DC-8, eventuell die «kurze» DC-8-53 HB-IDB auf Position D2 hinten am rechten Bildrand) am Flughafen Basel/Mulhouse eingefunden (Sammlung bsl-mlh-planes.net, 1977).
unten: Ein weiteres Stimmungsbild aus den Tagen häufiger wetterbedingter Umleitungen: Am Flughafen Basel-Mulhouse warten auch kurz vor dem winterlichen Sonnenuntergang noch diverse aus Zürich umgeleitete Jets auf besseres Wetter für den Weiterflug oder auf ihre gelegentlich per Bus und Sammeltaxi anreisenden Passagiere. Auf den B-Standplätzen erkennbar sind die DC-9-32 HB-IFZ der Swissair, die DC-9-32 I-DIKO der Alitalia, die Tupolev 134 HA-LBE oder LBF der Malev sowie je eine Sud Aviation SE-210 Caravelle 6R der Austrian Airlines und eine Caravelle 10B3 der Finnair, wahrscheinlich die OH-LSB «Tampere». Am rechten Bildrand ist auf Parkposition A3 zudem die Nase der Swissair DC-8-62 HB-IDG «Neuchâtel» anhand ihres Wappens identifizierbar (Christoph Hartmann/bsl-mlh-planes.net, Basel, 18.12.71).
Soeben erschienen: Der Fuchtelclub – The One and Only von Werner Soltermann und Marcel Tschudin (Reinhardt Verlag, Oktober 2026).
Erschienen ist das Buch, verfasst von Werner Soltermann und Marcel Tschudin zu Ehren des «Fuchtelclub», im Reinhardt-Verlag zum Preis von CHF 24.80. Bestellungen unter www.reinhardt.ch, ISBN 978-3-7245-2888-3