Deutsche Aircraft fliegt Do328 Testbed mit rein synthetischem Treibstoff
16.10.2024 Quelle: Deutsche Aircraft
Der deutsche Flugzeughersteller Deutsche Aircraft hat den ersten Testflug mit 100 Prozent synthetischem, aromatenfreiem Kraftstoff erfolgreich absolviert. Bei dem Flug wurden beide Triebwerke des DLR-Flugzeugs D328 «Uplift Flying Testbed» mit dem innovativen Treibstoff betrieben. Dieser Testflug war gleichzeitig die Premiere für den ausschliesslichen Betrieb eines CS-25-Flugzeugs mit einem Kraftstoff, der chemisch identisch mit Power-to-Liquid-Kraftstoffen (PtL) ist.
Der Flug fand am 9. Oktober in Oberpfaffenhofen statt und ist der Auftakt der CLIM0ART-Messkampagne. Dieses Projekt soll Emissionen während des Fluges messen, um das Potenzial der Verwendung von 100 Prozent aromatenfreiem PtL zur Reduktion der Klimawirkung des Luftverkehrs zu beurteilen. Zukünftig kann PtL unter Verwendung von nachhaltigem CO2, erneuerbarer Energie und Wasser hergestellt werden. Damit hat der Treibstoff das Potenzial, die CO2-Bilanz um bis zu 95 Prozent zu reduzieren und auch nicht-CO2 Effekte zu verringern.
Die CLIM0ART-Messkampagne mit der D328 «Uplift»-Plattform wird vom Luftfahrtforschungsprogramm (LuFo-Klima) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) gefördert. Bei der technischen Umsetzung kooperiert das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit Deutsche Aircraft sowie dem Kraftstoffhersteller Sasol. Während der Messkampagne fliegt das D328 «Uplift»-Flugzeug in Formation mit dem DLR-Forschungsflugzeug Falcon 20E. Dieses ist mit Sonden zur Messung der Flugzeugemissionen und zur Untersuchung der Eigenschaften von Eiskristallen in Kondensstreifen ausgestattet. Die Messkampagne misst erstmalig die Emissionen eines CS-25 Turboprop-Flugzeugs mit vollsynthetischen Kraftstoffen im Flugbetrieb. Den Untersuchungen in der Luft gingen umfangreiche Bodenmessungen des Turbopropflugzeugs D328 «Uplift Flying Testbed» mit synthetischem, aromatenfreiem Kraftstoff voraus.
Die Do328-110 «Uplift Flying Testbed» D-CUPL dient dem Hersteller Deutsche Aircraft als Versuchsflugzeug bei der Weiterentwicklung der Do328-100 zur D328eco. Bei ihr handelt es sich übrigens um die ehemalige HB-AEO der Berner Fluggesellschaft Skywork (Deutsche Aircraft, Oberpfaffenhofen, 15.10.24).
Der synthetische Kraftstoff wird von Sasol, einem führenden südafrikanischen Chemieunternehmen, geliefert, das den Fischer-Tropsch-Prozess im industriellen Massstab beherrscht. Der derzeit verwendete Kraftstoff wird noch nicht aus nachhaltigen Rohstoffen hergestellt und wird daher als «PtL-Proxy» bezeichnet. In Zukunft haben PtL oder E-Kerosin das Potenzial, einen wesentlichen Beitrag zum Übergang der Luftfahrt zur Klimaneutralität zu leisten, da ihre Produktion nicht durch Rohstoffknappheit begrenzt wird. Die Verwendung dieser neuen Kraftstoffe kann den CO2-Fussabdruck um bis zu 95% verringern. Gleichzeitig kann der Verzicht auf Aromaten die negative Auswirkung von Kondensstreifen auf das Klima erheblich verringern und trägt zu einer besseren Luftqualität an Flughäfen bei.
«Für die klimaverträgliche Luftfahrt werden nachhaltige Brennstoffe zukünftig eine wichtige Rolle spielen und hier insbesondere strombasierte Kraftstoffe für die breite Produktion», erklärt Dr. Markus Fischer, DLR-Bereichsvorstand Luftfahrt. «Deshalb freue ich mich besonders, dass unser neues Forschungsflugzeug D328 Uplift weltweit erstmals auf seiner Forschungskampagnen-Premiere mit solch einem synthetischen aromatenfreiem Brennstoff in seinen Turboprop-Triebwerken fliegt. Mit unserem «Fliegenden Labor» Falcon 20E bringen wir die herausragenden Kompetenzen des DLR ein, die Emissionen sowie die resultierenden Kondensstreifen direkt im Flug zu vermessen.»
Es wird prognostiziert, dass die PtL-Produktionsmengen erhöht werden müssen, um die Vorgaben der ReFuelEU-Verordnung für den Luftverkehr zu erfüllen, die die Fluggesellschaften verpflichtet, bis 2030 einen Mindestanteil an E-Kerosin zu verwenden. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Kampagne werden auch zu den politischen Bestrebungen zum Ausbau der Herstellungskapazitäten von Power-to-Liquids-Kraftstoffen beitragen, um den Forderungen an einen höheren Anteil nachhaltiger Flugkraftstoffe gerecht zu werden.
Die Dassault Falcon 20E D-CMET der DLR Deutsche Forschungsanstalt für Luft- und Raumfahrt begleitet als Messflugzeug die Do328-110 D-CUPL «Uplift Flying Testbed» regelmässig auf ihren Erprobungsflügen (Deutsche Aircraft/DLR, Oberpfaffenhofen, 15.10.24).