Spirit Airlines beantragt Gläubigerschutz und kündigt Restrukturierung an

19.11.2024    Quelle: Spirit Airlines         

Spirit Airlines hat in New York vor dem Konkursrichter Gläubigerschutz nach Chapter 11 des US-Konkursrechts beantragt. Unter dieser Bestimmung kann der Betrieb fortgeführt werden, während das Unternehmen unter Aufsicht des Gerichts einen Restrukturierungsplan ausarbeiten und mit den Gläubigern verhandeln kann.

Bereits seit einiger Zeit wurden Mutmassungen zur angespannten finanziellen Lage bei der Low-Cost-Airline laut, die in den vergangenen Jahren zweimal Gegenstand gescheiterter Übernahmen war. Anfangs 2022 schloss das Unternehmen zunächst eine Vereinbarung mit der in Denver beheimateten Frontier Airlines, um die beiden Low-Cost-Carrier zu fusionieren. Später im selben Jahr kündigte sie die Vereinbarung an, um auf ein Fusions-Angebot des Konkurrenten JetBlue einzugehen. Der ausgehandelte Deal wurde von den Wettbewerbsbehörden aber kritisch gesehen und von einem Gericht im Januar 2024 vorläufig gestoppt, weshalb die beiden Unternehmen angesichts drohender Auflagen die Verhandlungen über einen Zusammenschluss im März 2024 abbrachen. Spätestens seit diesem Zeitpunkt galt Spirit als schwer angeschlagen.

Mit dem eingereichten Antrag auf Gläubigerschutz gab Spirit bekannt, dass bereits eine Einigung mit einer Grossmehrheit der Obligationäre und weiterenInvestoren ausgehandelt werden konnte, die es der Fluggesellschaft ermöglichen soll, ihre Schulden zu reduzieren, frisches Kapital aufzunehmen und den Betrieb zu restrukturieren. Dank der Einigung sollen Obligationäre und Anteilseigner zusammengerechnet Weitere 650 Millionen Dollar in das Unternehmen einschiessen, während Spirit den Betrieb durch gezielte Investitionen wirtschaftlicher und kundenfreundlicher machen will.

Da diese Abmachungen bereits vor der Einreichung des Antrags auf Gläubigerschutz arrangiert wurden, hofft Spirit, den Restrukturierungsprozess unter Chapter 11 rasch und reibungslos durchzuziehen, ohne dass bereits gebuchten oder neuen Kunden Nachteile entstehen. Auch die Löhne der Angestellten sowie Zahlungen an Lieferanten und Vertriebspartner sind laut dem Unternehmen dadurch abgesichert.

Spirit wird die Vereinbarungen zur Beschaffung neuer Mittel ebenso wie den Restrukturierungsplan beim Konkursrichter zur Genehmigung einreichen und hofft, den Gläubigerschutz unter Chapter 11 nach erfolgter Restrukturierung bereits im ersten Quartal 2025 verlassen zu können.

In der ersten Phase ihres Bestehens nutzte Spirit Airline insgesamt 18 ältere DC-9 verschiedener Serien. Neben 13 DC-9-32 befanden sich darunter auch Jets zweier seltener Versionen, so drei ehemalige SAS DC-9-21 und zwei DC-9-41, einem gegenüber der weitverbreiteten Serie 30 um 2 Meter gestreckten Variante mit zehn zusätzlichen Sitzplätzen, die exklusiv für SAS und TDA Toa Domestic Airlines in Japan gebaut wurde. Zu diesen gehört auch die DC-9-41 N130NK, die Spirit aus Beständen der Finnair erwarb, wo sie von 1981 bis 1995 als OH-LNB flog. Zuvor hatte sie sieben Jahre lang bei TDA als JA8424 gedient (Lukas Lusser, Fort Lauderdale, 4.3.99).

Insgesamt 155 Stück umfasst mittlerweile die Flotte von Airbus A320ceo und A320neo der Spirit Airlines. Als erste Einheit wurde die A320-232 N601NK im Februar 2010 werksneu an Spirit ausgeliefert. Sie erhielt dabei noch deren zweites Erscheinungsbild, das wie das ursprüngliche Design noch hautpsächlich auf die Farben blau und rot setzte (Lukas Lusser, Fort Lauderdale, 17.1.2015).

Spirit Airlines wurde im Mai 1992 gegründet, als das Unternehmen aus der Fluggesellschaft Charter One hervorging, die mit einer Convair 580 ad-hoc Zubringerflüge für Casino-Besucher angeboten hatte. Mit einer Flotte gebrauchter DC-9 begann Spirit, Low-Cost-Linienflüge entlang der US-Ostküste aufzubauen, wobei Detroit in Michigan und die Casino-Stadt Atlantic City in New Jersey als Basen dienten. Zunächst wurden vorab Ziele in Florida angesteuert, sukzessive wurde aber das Netz auch Richtung Westen ausgebaut und beispielsweise Flüge nach Las Vegas, San Diego und San Francisco aufgenommen, wozu total 37 MD-80 unter anderem aus Beständen der von American Airlines übernommenen Reno Air zur Flotte stiessen.

Im Juli 2006 stieg das Investment-Unternehmen Indigo Partners als Haupteigentümer ein und hielt seine Anteile bis nach dem Börsengang der Spirit Airlines im Herbst 2011. Unter dem neuen Eigner bestellt Spirit zunächst dreissig Flugzeuge der A320-Familie als Ersatz der DC-9 und MD-80.

Ebenfalls unter Indigo Partners, konkret ab 2007, wandelte sich Spirit zum «Ultra-Low-Cost Carrier» und baute ein Streckennetz auf, das heute neben Destinationen in den gesamten USA auch Ziele in der Karibik und Mittelamerika umfasst. Als Hubs dienen Spirit heute weiterhin Detroit sowie Fort Lauderdale in Florida. Gegenwärtig besteht die Flotte aus noch zwei A319, 131 aktiven und 24 geparkten A320 sowie 56 A321.

Oben: Geht für Spirit Airlines wegen des Antrags auf Gläubigerschutz bald die Sonne unter? Für die zur Ausmusterung anstehenden A319 des Ultra-Low-Costers gilt dies bereits als gesichert. Im letzten Abendlicht befindet sich die A319-132 N530NK im Anflug auf Las Vegas. Sie wurde kürzlich, am 27.10.24, ausser Dienst gestellt und am Coolidge Municipal Airport in Arizona geparkt (Lukas Lusser, Las Vegas, 13.5.2014).

Unten: Im für Las Vegas bekannten und sehr fotogenen Ostanflug setzt die A321-231 N669NK zur Landung auf der Piste 26L des Reid-Airports an. 30 mit Sharklets ausgerüstete A321 hat Spirit von Juni 2015 bis März 2018 übernommen (Francesco Frasa, 18.10.18).