United Airlines schichtet Dreamliner-Bestellung auf B787-10 um

17.01.2026    Quelle: Simple Flying         

United Airlines hat bereits eine grosse Flotte von 71 Boeing 787 Dreamliner aller drei Versionen in Betrieb - 12 Boeing 787-8, 48 Boeing 787-9 und 21 Boeing 787-10 - und hat bei Boeing eine feste Bestellung über 140 weitere Einheiten des Zweistrahlers platziert. Diese lauteten bisher alle auf die Version -9, derzeit mit Abstand die am weitesten verbreitete Variante. Nun hat die Airline aber bekannt gegeben, dass sie kürzlich 56 dieser 140 Bestellungen auf das grössere Muster Boeing 787-10 abgewandelt hat, während die restlichen 84 Einheiten weiterhin in der Version -9 bestellt bleiben.

Damit hat die bisher eher stiefmütterlich am Markt aufgenommene Boeing 787-10 innerhalb der letzten zwölf Monate rund 180 neue Bestellungen von sechs Airlines auf sich vereinigen können: Air New Zealand (2 zusätzlich), Delta Air Lines (30 fest plus 30 Optionen), IAG (32 fest, für British Airways), Korean Air (45 fest), Qatar Airways (75 fest) und nun eben auch United. Damit hat die -10 in 2025 mehr Neubestellungen erhalten als Einheiten seit dem Programmstart gebaut wurden - bisher sind in den acht Jahren seit der Erstauslieferung an Singapore Airlines im Jahr 2018 erst 134 Jets dieser Version an Kunden übergeben worden.

Während die Boeing 787-9 mit 7'565 nautischen Meilen (13'530 Kilometer) zwar die grösste Reichweite der drei Versionen aufweist, während die Boeing 787-10 «nur» bis zu 6'330 nautische Meilen (11'730 Kilometer) entfernte Ziele non-stopp erreichen kann, sind die genannten Airlines dennoch bereit, sich im Tausch für weniger Reichweite ein Flugzeug mit grösserer Kapazität zu beschaffen: Die Boeing 787-10 bietet bei United mit total 318 Sitzen immerhin 61 Plätze mehr als die mittlere Boeing 787-9 (257 Sitze) und 70 Plätze mehr als die kleinste Boeing 787-8 (243 Sitze).

Während der Covid-19-Pandemie setzte United Airlines zeitweise die Boeing 787-10 auch nach Zürich ein, um so der gestiegenen Nachfrage nach Luftfracht nachkommen zu können. Mit wenigen Reisenden aber vollen Unterflur-Frachträumen startet die N12003 bei Bise von der Piste 10 zum Rückflug nach Newark (Lukas Lusser, Zürich, 29.5.20).

Die Entscheidung für die Boeing 787-10 hat im Fall von United zwei klar kommunizierte Gründe: Einerseits stellt die US-Airline fest, dass sich Passagiere zunehmend für Premium-Angebote entscheiden, auch und besonders im Segment der Erholungsreisen. Diese Entwicklung überrascht insofern, als vor wenigen Jahren, gerade während der Pandemie, alle Auguren vorhergesagt hatten, dass sich nach Ende der Reiseeinschränkungen der Luftverkehr nur zögerlich erholen werde und das Premium-Segment dabei weitgehend wegbrechen werde, weil bisherige Business-Kunden ihre Premium-Flugreisen weitgehend durch Online-Meetings ersetzen würden. Sie prognostizierten stattdessen, dass sich die verbleibende Nachfrage auf günstige Tickets für Urlaubsreisen konzentrieren werde. Nun, einmal mehr lagen die Wahrsager falsch, und darauf reagieren nun mit einiger Verzögerung immer mehr Airlines durch Investitionen in geräumigere Kabinen und zeitgemässe Premium-Produkte wie neue, individuell gestaltbare Business- und Firstclass-Interieurs und die Lancierung respektive Vergrösserung der Premium-Economy-Kabine.

Neben einem Ausbau der Premium-Klasse in ihren Boeing 787-10 will United die grösseren Jets auch als Mittel einsetzen, um die teilweise stark überlastete Infrastruktur an den US-Flughäfen optimaler auszunutzen. Oder weniger technisch formuliert sieht United Bedarf, den Zeiger wieder etwas vom Trend zu vielen Punkt-zu-Punkt-Flügen mit kleinerem Fluggerät zurückzudrehen und in Zukunft wieder vermehrt auf den Einsatz möglichst effizienter Grossflugzeuge an stark überlasteten Hubs zu setzen. Noch ist United mit dieser Ansicht eine Ausnahme, doch angesichts des weltweit wieder im Rekordtempo wachsenden Flugverkehrs, der global inzwischen das Niveau von vor der Covid-19-Pandemie offiziell überschritten hat, könnte der Ruf nach mehr Kapazität pro Flug insbesondere bei Airlines mit starker Ausrichtung auf grosse Hubs bald wieder vermehrt zu hören sein.

United will sich zudem mit der Boeing 787-10 auch für die bevorstehende Ausmusterung ihrer älteren Boeing 777-200 vorbereiten (364 Sitze), die derzeit noch einen bedeutenden Anteil an ihrem Langstreckengeschäft haben. Infolge zunehmender Wartungskosten und dem absehbaren Lebensende ihrer Triebwerke plant United, bis Ende 2027 alle noch verbliebenen Einheiten des Urmusters der Boeing 777 stillzulegen, deren älteste Einheiten dann 33 Jahre im Dienst von UAL gestanden haben werden.