Erste kommerziell genutzte A220 wird zerlegt

11.04.2025    Quelle: Simple Flying         

Für ihre Regionaltochter Egypt Air Express übernahm der ägyptische Nationalcarrier ab Herbst 2019 zwölf Airbus Canada A220-300 (bis zur Übernahme des Programms durch Airbus als Bombardier CS300 bezeichnet). Bald schon zeigten sich Probleme mit einer viel zu schnellen Abnutzung der Brennkammern der Pratt&Whitney PW1521-3G Triebwerke, die in der heissen und sandigen Wüstenluft bereits nach weniger als zwei Betriebsjahren auftraten. Mit demselben Problem ist derzeit dem Vernehmen nach auch Iraqi Airways betroffen, deren fünf A220-300 gemäss Flugverfolgungsdiensten seit Beginn des Jahres 2025 ebenfalls am Boden blieben. Im Falle von Egypt Air musste die Airline von den total 24 Triebwerken im Laufe der Zeit 15 Stück wegen zu hohen Verschleisses demontieren und in eine langdauernde Reparatur geben. Dies bewog die Airline dazu, auf Herbst 2023 die gesamte neu erworbene A220-Flotte stillzulegen und zum Verkauf anzubieten.

Als Käufer fand sich das Leasingunternehmen Azorra Aviation, das drei der A220 bei Breeze in den USA sowie eine weitere Einheit bei Cyprus Airways unterbringen konnte. Auch für die SU-GFA, die als vierte A220 Ende Oktober 2019 zu Egypt Air stiess, fand sich ein Käufer, doch ist dieser nicht am Betrieb des Flugzeugs interessiert, sondern an seinen Einzelteilen. Delta Air Lines, die selbst 31 A220-300 und 41 kürzere A220-100 betreibt, leidet wie alle Nutzer des Flugzeugmodells an einem chronischen Mangel an Ersatz-Triebwerken, da sie auch bei Verwendung in gemässigtem Klima wartungsaufwendig sind und es deswegen immer wieder zu längeren Ausfällen von A220 kommt. Somit wird die für den Einsatz auf den Egypt Air-Kursen nach Tel Aviv ganz in weiss gehaltene SU-GFA, Baunummer 55061, als erste A220 abgebrochen, die von einen kommerziellen Kunden genutzt wurde.

Da die zum Abbruch verurteilte SU-GFA im Hinblick auf einen Einsatz auf Egypt Air-Rotationen nach Israel unauffällig ganz in Weiss und ohne Aufschriften betrieben wurde, sei hier ihre Schwester SU-GEZ in vollen Egypt Air-Farben gezeigt, die inzwischen durch Azorra Aviation an Breeze Airways weiter vermittelt werden konnte (Dietmar Schreiber, Wien, 11.4.25).

Die Präzisierung «erste kommerziell genutzte A220» ist hier unbedingt zu beachten. Einzelne Kanäle haben davon gesprochen, dass die SU-GFA die erste Bombardier CSeries respektive Airbus Canada A220 überhaupt sei, die abgebrochen wird, was jedoch so nicht stimmt. Von den sechs Prototypen der CS100 wurden die Einheiten 50001, 50004, 50005 und 50006 bereits ab 2020 abgebrochen. Auch die ersten beiden Flugzeuge der Serienproduktion, die Baunummern 50007 und 50008, existieren seit Längerem nicht mehr. Sie waren für Braathens Regional bestimmt, wurden von ihrem Kunden aber nicht übernommen und haben deshalb das Werk in Montreal nie verlassen. Sie wurden mittlerweile zerlegt, da sie im Laufe ihrer Parkperiode Schaden genommen hatten. Das gleiche Schicksal dürfte der einst von Swiss als zehnte CS100 / A220-100 bestellten Baunummer 50019 drohen, deren Order Swiss im Rahmen einer entsprechenden Klausel gegen eine 21. A220-300 getauscht hat. Auch diese CS100, die zur HB-JBJ hätte werden sollen, hat das Werk in Montreal nie verlassen, sondern wurde als Rohbau ausserhalb der Montagehalle geparkt, wo sie seither auf verlorenem Posten steht.

Der sechste Prototyp der Bombardier CS100 wurde vom Hersteller während dreier Wochen ab Zürich auf sogenannten Streckenerprobungsflügen eingesetzt, bei denen das Flugzeug ohne Passagiere, aber nach realem Flugplan und mit simuliertem Handling an den Landeorten typische Einsatztage absolvierte. 2020 wurde die C-FFCO, die nie an einen Kunden ausgeliefert wurde, auf der McConnell Air Force Base abgebrochen (Lukas Lusser, Zürich, 9.3.16).

Auch wenn Swiss draufsteht, handelt es sich bei der Bombardier CS100 C-GWXZ um einen der Prototypen des Herstellers, genauer gesagt um das Testflugzeug Nummer 5, wie der Zusatz «FTV5» (für Flight Test Vehicle 5) unter der grossen Bombardier-Aufschrift verrät. Ihr kam die Ehre zu, als allererstes Flugzeug der Bombardier CSeries (respektive der heutigen A220) einen Flug mit richtigen Passagieren und nicht bloss Mitarbeitern des Herstellers an Bord durchgeführt zu haben, als sie am 3. Juni 2016 eine Delegation von Airlinechefs von einem IATA-Meeting in Dublin zu einem Star Alliance-Anlass nach Zürich flog. Wie ihre Schwester in Werksfarben wurde die C-GWXZ bereits 2020 abgebrochen (Lukas Lusser, Zürich, 3.6.16).