Rega und Swiss Helicopters stellen Airbus H125 Simulator vor

10.04.2025             

Um das Handling von Störungen und ungewohnte Betriebsabläufe zu üben, haben die Schweizer Rettungsflugwacht Rega und Swiss Helicopters, der grösste zivile Helikopterbetreiber der Schweiz, gemeinsam beschlossen, einen Full Motion-Simulator für das weitverbreitete Helikoptermodell Airbus Helicopters H125 (früher als Aerospatiale AS350 Ecureuil bekannt) anzuschaffen. Sie teilten sich die Anschaffungskosten von rund 14 Millionen Franken ebenso wie die Zeiten zur Nutzung des Geräts. Der Simulator, der von der Firma Reiser in Deutschland gebaut und eingerichtet wurde, steht im Schulungszentrum der LAT Lufthansa Aviation Training Schweiz in Glattbrugg.

Der neue Simulator soll nicht für die Grundausbildung der Piloten genutzt werden, wie Swiss Helicopters CEO Rolf Heuberger betont. Diese geschehe nach wie vor besser auf dem echten Fluggerät. Für das Einüben des korrekten Verhaltens bei Störungen, wenn möglich noch unter dem Stress eines komplexen Einsatzes in schlecht einsehbarem Gelände sei der Simulator aber das absolut perfekte Instrument. Ähnlich sieht es auch Mario Agostini, Chefpilot bei der Rega. Da man seit 2013 Simulatoren zur Ausbildung nutze und auch die Flughelfer in die Trainingslektionen eingebunden sind, habe sich der Simulator auch für das Einüben des Crew Management unter herausfordernden Situationen bestens bewährt.

Im Gebäude der LAT Lufthansa Aviation Training Schweiz steht der Full Motion-Simulator der Rega für die Airbus H125 und H145 Helikoptermodelle. Während zum Zeitpunkt der Aufnahme das Cockpit-Modul des H125 in den Simulator eingesetzt ist, wartet unter der hellgrauen Plane knapp am unteren Bildrand das Roll-On, Roll-Off Cockpit für die Ausbildung am H145 (alle Bilder: Lukas Lusser, Glattbrugg, 10.4.25).

Der H125-Simulator der Firma Reiser aus Deutschland besticht durch ein hochdetailliertes Umgebungsmodell, das wortwörtlich jedes einzelne Gebäude der Schweiz nachbildet. Es basiert einerseits auf den 1:10'000 Karten und dem Geländemodell von Swiss Topo sowie von den für alle Bauwerke in der Schweiz als Vektordaten zugänglichen Gebäudeinformationen. Dank diesen Rohdaten kann der Simulator buchstäblich jeden Heustall an seinem tatsächlichen Standort wiedergeben. Bei den Gebäuden rund um die Flugplätze und typischen Einsatzorte wie etwa Spitäler sind diese Gebäude mit fotorealistischen Texturen des realen Bauwerks versehen, bei allen anderen Bauten und Geländemerkmalen fügt das Programm eine Auswahl an generischen Texturen ein.

Das Ergebnis dieses Aufwandes, der allein etwa fünf bis sechs TeraByte an Daten beinhaltet, ist beeindruckend, zumal der Hersteller grosse Sorgfalt darauf gelegt hat, dass die Geländestrukturen je nach Fortschritt des Fluges abschnittsweise geladen werden, ohne dass der Simulator dabei jemals unter die geforderte Rate von 60fps (also 60 Bild-Aktualisierungen pro Sekunde) fällt. Somit geschieht das Nachladen, ohne dass davon etwas zu merken wäre.

oben: Der simulierte Anflug auf die Rega-Basis am Flughafen Bern-Belp zeigt in Bildmitte die mit den realen Texturen überzogenen Flughafengebäude des Belpmoos. Die Häuser und Gewerbebauten der Gemeinde Belp im Hintergrund sind bei genauerem Hinsehen «nur» mit einer Auswahl generischer Oberflächentexturen wiedergegeben. Dennoch erstaunt die Tiefe und Detailgenauigkeit des Terrains, das mit 60 Bildern pro Sekunde aus den zugrunde liegenden topografischen Modelle und Vektordaten aller Gebäude errechnet wird. Dank dieser hohen Bildaktualisierungsrate ist das mit 1/30 Sekunde belichtete Kamerabild deutlich weniger scharf als es das Auge der Piloten im Simulator wahrnimmt.

unten: Auch Aussenlandungen sind im H125-Simulator möglich, wegen der fehlenden Schärfentiefe der Landschaftsprojektion jedoch auch für geübte Piloten eine Herausforderung. Die hohe Dichte an Landschaftsdetails, bis hin zu den Baumkronen, die sich im Downwash der Rotoren zu beugen beginnen, erlaubt aber eine ausreichende visuelle Orientierung, um den Helikopter auf dem hellen Feld voraus «entschieden» zu Boden zu setzen.

Der neue Simulator ist als ein sogenannter RoRo-Simulator gebaut, was für Roll-On, Roll-Off steht. Das H125 Cockpit kann innerhalb von rund vier Arbeitsstunden durch ein H145 Cockpit der neuen REGA-Rettungshelikopter getauscht werden - Plug and Play im Massstab 1:1, sozusagen. Rega CEO Ernst Kohler schränkt hier aber ein, dass dieser Austausch nur wenige Male im Jahr passieren wird, da man die Trainingssessionen zwischen den Betreibern und ihren Helikoptertypen in zusammenhängenden Blöcken plant, um das Gerät möglichst gut auszunutzen und den Aufwand für die Checks und Nachkalibrierung nach einem solchen Plattformtausch zu minimieren.

Die Rega und Swiss Helicopters wollen darüber hinaus den Simulator auch für andere Helikopterbetreiber in der Schweiz öffnen. Uber die LAT Schweiz können sie diesen bedarfsweise buchen, sobald er voraussichtlich Ende April voll zertifiziert sein wird - Preis auf Anfrage.