Gnadenfrist für die MD-11 bei FedEx

26.03.2025    Quelle: Simple Flying         

Kurz nach dem Ende der Covid-19-Pandemie kündigte das Luftfrachtunternehmen Federal Express, oder kurz FedEx, die bevorstehende Ausmusterung ihrer in die Jahre gekommenen Dreistrahler des Typs MD-11F auf spätestens Jahresende 2028 an. Man werde die bald dreissigjährigen Veteranen durch wirtschaftlichere Zweistrahler wie noch neu gebauter Boeing 767-300F sowie Boeing 777F ersetzen.

Nun rückt das Unternehmen vom angekündigten Zeitplan ab, und dies sogar überraschend weit. Man werde die noch verbliebenen rund zwei Dutzend MD-11-Frachter um vier weitere Jahre im Dienst behalten und sie nun voraussichtlich erst zum Jahresende 2032 ausmustern.

Eine offizielle Begründung für den Entscheid gibt das Unternehmen, das zunächst seine Investoren über die geänderten Pläne informiert hatte, nicht bekannt. Nachdem aber bei der Zulassung der Boeing 777X, die später auch als Vollfrachter Boeing 777-8F erhältlich sein wird, wie auch beim angekündigten Airbus A350F Cargomodell massive Verzögerungen eingetreten respektive angekündigt worden sind, scheint es so, dass sich FedEx mit der längeren Einsatzdauer der MD-11F ein Zeitpolster bis zur Verfügbarkeit neuer Zweistrahler erkaufen will.

Allerdings hat sich FedEx bereits von mehr als der Hälfte ihrer MD-11-Flotte verabschiedet: Einst flogen 68 Einheiten des Typs auf den Interkontinental-Strecken der Airline, inzwischen sind laut den verschiedenen Flugzeugdatenbanken noch zwischen 23 und 26 Einheiten in der aktiven Flotte verblieben (je nach Quelle sind bis zu drei Einheiten derzeit «vorübergehend geparkt»), während der Rest bereits ab Mitte der 2010er-Jahre sukzessive ausgemustert und in Victorville (Kalifornien) abgestellt oder ausgeschlachtet wurde.

Die McDonnell Douglas MD-11F N523FE ist eine von gegenwärtig noch 25 aktiven Einheiten des bei Flugzeug-Enthusiasten beliebten Dreistrahlers in der Flotte der FedEx. Sie begann ihre Karriere als Passagierflugzeug bei Delta Air Lines, wo sie das Kennzeichen N808DE trug und gelegentlich auch auf der Verbindung Atlanta-Zürich zu erleben war. Zusammen mit acht weiteren Delta MD-11 kaufte FedEx 2004 die N808DE und baute sie nach zwei Jahren Einlagerung in Arizona 2006 zum Vollfrachter um (Lukas Lusser, Anchorage, 5.7.10).

FedEx hat sich in den Nuller-Jahren zum wahren Sammelbecken für die MD-11 entwickelt. Von den total 206 gebauten Jets gelangten mit 68 Stück somit rund ein Drittel im Laufe ihrer Karriere zum Expressfracht-Pionier Federal Express. Darunter befanden sich einerseits 22 direkt ab Werk gebaute Frachter, die gleich von Anfang an für FedEx flogen. Daneben nutzte das Unternehmen aber jeweils die Gelegenheit, ganze MD-11 Flotten oder zumindest grosse Teile davon von Vorbesitzern zu erwerben, wenn diese den Dreistrahler aus dem Passagierdienst nahmen. So fanden etwa grosse Teile der MD-11-Flotten von American Airlines, Delta Air Lines und auch von Swissair den Weg zu FedEx, der jeweils über einen Totalumbau zum Vollfrachter führte. Aber auch einige ehemalige China Airlines/Mandarin oder Garuda Indonesia MD-11 «landeten» bei FedEx.

Oben: Vor ihrem Umbau zum Frachter flog die McDonnell Douglas MD-11 N644FE der FedEx als HB-IWB bei Swissair im Passagierdienst, sowie für kurze Zeit auch noch bei deren Nachfolgerin Swiss International Air Lines. Bereits im September 2003 wurde sie jedoch an Varig in Brasilien abgegeben, und anschliessend 2004 für FedEx zum Frachter umgebaut. Bereits seit 2014 steht sie ausser Dienst und ist inzwischen aus dem FAA-Register gelöscht worden (Lukas Lusser, Anchorage, 27.6.13).

Unten: Bei der N601FE der FedEx handelt es sich nicht nur um die erste McDonnell Douglas MD-11F des Expressfracht-Giganten, sondern zugleich um den Prototypen der MD-11-Familie. Gebaut im November 1989 führte sie am 10. Januar 1990 den Ersflug einer MD-11 durch. Nach der Erprobung durch den Hersteller und der Musterzulassung durch die FAA wurde sie noch in der ursprünglichen Bemalung mit ausformuliertem Markennamen Federal Express an ihren Besitzer übergeben (Lukas Lusser, Fort Lauderdale, 19.11.92).

Erwähnenswert ist zudem, dass der Prototyp der MD-11, den der Hersteller McDonnell Douglas zunächst mit dem Kennzeichen N111MD für die Flugerprobung und Erlangung der Typenzulassung - bei der es sich um eine Erweiterung des bestehenden Zertifikates für die DC-10-30 handelte - einer der von FedEx bestellten Vollfrachter war. Nach Abschluss der Zulassungsflüge wurde dieses Flugzeug als N601FE an FedEx ausgeliefert, wo es gemäss der Unternehmenstradition auf den Vornamen eines Kindes eines Besatzungsmitglieds getauft wurde. «Jim» war anschliessend während fast 32 Jahren für FedEx in der Luft, von der Übergabe am 27. Juni 1991 bis zu ihrem letzten Überführungsflug nach Victorville am 1. Mai 2023.