Southwest Airlines beendet Freigepäck-Strategie
15.03.2025 Quelle: Flightaware
Southwest Airlines hat vor bald sechzig Jahren das Geschäftsmodell des Low-Cost-Carriers buchstäblich erfunden, dem inzwischen weltweit immer mehr sogenannte Budget-Airlines folgen. Fokussierung der Flotte auf nur ein Flugzeugmodell, dichte Punkt-zu-Punkt-Verbindungen, effiziente Nutzung des Fluggeräts dank kurzer Bodenzeiten, einfache Buchungs- und Boarding-Abläufe und ein auf das Wesentliche reduzierter Service waren lange eine Erfolgsgarantie für Southwest.
Mit dem Einstieg des als aggressiv auftretenden institutionellen Investors «Elliott Investment Management» bei Southwest, der inzwischen über 10% des am Markt gehandelten Aktienkapitals der Airline kontrolliert, hat sich der Wind entgegen den Wünschen des Southwest-Managements gedreht. Durch seine Anteile übt Elliot Druck auf das Unternehmen aus und drängt auf einen Umbau des Angebots hin zu mehr Profit und weniger Kosten. So kündigte Southwest im Februar 2025 erstmals eine Massen-Entlassung von über 1'600 Mitarbeitenden an, und durch eine Medien- und Onlinekampagne versuchte Elliot auch, den bisherigen Southwest-CEO Bob Jordan und sein Team durch eigene Leute zu ersetzen. Dies scheiterte bisher aber am Widerstand des Southwest-Verwaltungsrates, der der bisherigen Crew vertraut.
Ausserdem führte Southwest auf Druck von Elliot anstelle der bisherigen freien Sitzwahl beim Boarding eine Sitzvergabe beim Check-In mit (kostenpflichtiger) Möglichkeit zur Sitzreservation ein, anstelle der bisherigen einfachen Tarifstruktur wurde ein Business Select-Tarif eingeführt, der zusätzliche Leistungen einschliesst, und es wurden sogenannte «Red-Eyes» eingeführt, also transkontinentale Inland-Flüge über Nacht.
Nun führt der Druck von Elliot hin zu mehr Rentabilität dazu, dass Southwest sein Angebot weiter umbaut. Jüngstes Opfer dieses Machtkampfs wird die bisherige, sehr beliebte Freigepäck-Politik des Low-Costers, die nicht nur in der Low-Cost-Branche, sondern auch im Vergleich mit den US-Netzwerkairlines seinesgleichen sucht. Bisher kann jeder Southwest-Passagier zwei Koffer zu 23 Kilogramm Gewicht ohne Aufpreis einchecken, was Southwest damit begründet hat, dass es das Boarding vereinfacht, wenn Passagiere ihre sperrigen Güter aufgeben statt alles in die Kabine mitschleppen. Nun gilt dieses Angbot aber nur noch für Flüge bis und mit 27.5.25. Anschliessend wird das Aufgabe-Gepäck für alle Passagiere kostenpflichtig, ausser für Status-Mitgliedern in Southwests Vielfliegerprogramm «Rapid Rewards», sogenannte A-List Preferred Members, sowie für Passagiere, die den Business-Select-Tarif buchen.
Mit diesen Schritten entfernt sich Southwest Airlines, die sich weniger schnell als andere Airlines von den Folgen der Pandemie und dem Rückgang des geschäftlichen Reiseverkehrs erholt hat, zunehmend von ihrem seit fast sechzig Jahren gepflegten Geschäftsmodell. Dieses verfolgte stets eine ausgewogene Mischung von Effizienz und Kundenfreundlichkeit, doch nun nähert sich Southwest rasant dem Standard-Angebot ihrer Konkurrenten an - ob Elliot so zu mehr Rendite kommt, muss sich erst einmal zeigen.
Die für einen Low-Cost-Carrier aussergewöhnlich grosszügige Freigepäck-Politik bei Southwest war bisher ein fester Bestandteil Strategie. Zeitweise bewarb das Unternehmen sein Angebot sogar mit entsprechenden Klebern auf der rechten Rumpfseite, die mit dem Slogan «Free Bags Fly Here» darauf hinwies, dass bisher jedem Passagier zwei Gratisgepäckstücke zustanden (Lukas Lusser, Las Vegas, 14.5.14).