Boeing schliesst Reparatur an 122 Boeing 787 ab
07.03.2025 Quelle: Seattle Times
Das Boeing 787-Programm stand schon in seinen frühen Jahren alles andere als unter einem guten Stern. Probleme mit neuen Werkstoffen, insbesondere den Kunststoff-Rumpfelementen, unerwartete Komplikationen mit dem Ersatz aller hydraulischen Systeme durch elektrische, darunter mehrere Brände beschädigter Batterien infolge zu hoher Stromflüsse beim Schnell-Laden, sowie Qualitätsmängel im Produktionsprozess sorgten in der Geschichte der Boeing 787 wiederholt für negative Schlagzeilen und lange Verzögerungen.
Ein weiteres Problem zeigte sich im Jahr 2020, als mit dem Beginn der Covid-Pandemie die Luftfahrtbranche sowieso schon in ihre bisher grösste Krise schlitterte. Damals entdeckte der US-Flugzeugbauer Boeing an werksneuen Flugzeugen kleinste Lücken an den Stellen, an denen einzelne Rumpfsegmente seines Dreamliners zusammengefügt waren. Die Lücken waren zwar nicht grösser als ein Blatt Papier dick ist und stellten nach den Erkenntnissen der Fachleute auch keine unmittelbare Gefährdung der Sicherheit der Flugzeuge dar. Sie überschritten aber dennoch die zulässigen Toleranzen und führten dazu, dass die betroffenen Flugzeuge gegroundet und repariert werden mussten, um teure periodische Kontrollen und das Entstehen späterer struktureller Schäden von Anfang an ausschliessen zu können.
Nach einer genauen Untersuchung der zu jenem Zeitpunkt bereits gebauten knapp 1'000 Boeing 787 stellte sich heraus, dass 122 neuere und teilweise sogar noch nicht einmal fertiggestellte Einheiten des Musters betroffen waren.
Repartur in der «Schattenfabrik»
In Absprache mit Luftfahrtbehörden und Kunden entwickelte Boeing ein aufwendiges Reparaturprogramm. Im Boeing-Werk in Everett, WA, wurde eine sogenannte «Schattenfabrik» eingerichtet, in der die betroffenen Sektionen der bereits gebauten Flugzeuge nochmals sorgfältig demontiert und durch das Einfügen dünnster Fiberglas-Folien an den betroffenen Stellen repariert wurden.
Das Programm erforderte rund fünf Jahre Arbeit, band während dieser Zeit mehrere 100 andernorts dringend benötigte, hochqualifizierte Mitarbeiter und belastete den Flugzeugbauer auch finanziell stark - genaue Zahlen nennt Boeing hierbei nicht.
Nun konnte Boeing am 28. Februar 2025 endlich mitteilen, dass die Arbeiten am letzten der betroffenen Flugzeuge abgeschlossen werden konnten, konkret an einer Boeing 787-10, die zunächst der Hersteller selbst als Werksflugzeug «EcoDemonstrator» nutzte und die nun an TAAG Angola Airlines gehen wird.
Das Boeing 787-Programm hatte schon früh mit Verzögerungen und Schwierigkeiten zu kämpfen. So etwa wiesen die Testflugzeuge, hier die N787ZA (heute EY-001 der Regierung Tadjikistans), ebenso wie die ersten Serienflugzeuge wegen der nachträglichen Änderungen ein deutlich erhöhtes Leergewicht auf (Boeing Company, Seattle Boeing Field, 6.12.06).
Mehrere Baustellen binden Kräfte
Gemäss der CEO der Boeing Zivilflugzeugsparte, Stephanie Pope, werden Ingenieure und Mechaniker, die bisher an den Reparaturen der Boeing 787 Dreamliner gearbeitet haben, so schnell als möglich zurück in den Produktionsprozess versetzt, primär um das ebenfalls arg in Verzug geratene Boeing 777X-Programm zu beschleunigen.
Während das Zulassungsverfahren der Boeing 777-9X immer noch läuft, parken in Everett bereits die ersten Einheiten der Serienproduktion auf Rollwegen und ungenutzten Flächen. Auch sie müssen später ggf. noch an Vorgaben aus dem Zulassungsprozess angepasst werden, bevor abschliessende Arbeiten und die Übergabe an die Kunden erfolgen können.
Derzeit erwartet Pope, dass die noch nicht ausgelieferten, nun aber reparierten Boeing 787 bis spätestens Ende 2026 den Kunden übergeben werden können. Diese weitere Verzögerung ergibt sich daraus, dass einige Kunden ihre Verträge anpassen wollten, so dass eine erhebliche Anzahl der betroffenen Boeing 787 nun an einen anderen Abnehmer als ursprünglich vorgesehen ausgeliefert und zuvor nach dessen Spezifikaitonen umgerüstet werden müssen, wobei Lieferkettenprobleme insbesondere bei der Kabinenausstattung hierbei für Unsicherheit sorgen.
Ebenfalls noch im Laufe des Jahres 2025 erhofft sich Boeing, seine zweite «Schattenfabrik» schliessen zu können, die in Renton Nachrüstungen und Anpassungen an den nach dem Grounding des Musters noch nicht ausgelieferten Flugzeugen der Boeing 737 MAX-Familien vornimmt. Hier warten zur Zeit etwa 55 Einheiten auf ihre Übergabe an den Besteller.