American Airlines: Pech und Pannen mit dem Dreamliner

07.02.2025    Quelle: Flightaware         

American Airlines wird von den Liefer-Verzögerungen beim Flugzeugherstller Boeing, der wegen Qualitätsmängeln unter genauer Beobachtung der US Luftaufsichtsbehörde FAA steht, in ihrem Flugprogramm für den Sommer 2025 spürbar getroffen. Mangels rechtzeitiger Lieferung bestellter Boeing 787-9 muss sie in der attraktiven Reisezeit des Frühsommers vorübergehend mehrere Strecken einstellen.

So wird AA voraussichtlich von Mai bis und mit Juli die Strecke von Miami International nach Paris-Charles de Gaulle aussetzen, im Juli zudem ebenso die Verbindung von New York-JFK nach Madrid Barajas. Während des Monats Juni streicht sie schliesslich auch die Verbindung von Dallas/Ft- Worth nach Frankfurt.

Die gegenwärtig vom «Dreamliner» zum «Pechvogel» mutierte Boeing 787-8 N819AN der American Airlines ist grundsätzlich ein regelässiger Gast am Flughafen Zürich, wird doch der Kurs AA92/93 von Philadelphia an die Limmat regelmässig von Boeing 787-8 durchgeführt (Lukas Lusser, Zürich, 9.5.20).

Als ob dies der schlechten Neuigkeiten nicht genug wäre, wird eine der älteren seit Boeing 787-8 von einer regelrechten Pannenserie verfolgt. Betroffen ist die 2017 gebaute N819AN - mit Baunummer 40537/546 ein Exemplar mitten aus der Serienproduktion, also keine der frühen sogenannten «Terrible Teens» - die innerhalb von nur 25 Tagen fünf Mal einen Flug wegen hydraulischer Probleme unplanmässig abbrechen musste und 19 Tage aus technischen Gründen am Boden verbrachte. Auch der Flug AA93 von Zürich nach Philadelphia war jüngst von einem dieser Vorfälle betroffen.

Begonnen hatte die ungewöhnlich gehäufte Serie von Vorfällen am 7. Januar 2025 mit einer Fehlfunktion der Landeklappen über Amsterdam, die eine Rückkehr des Fluges AA209 (Amsterdam-Philadelphia) an den Ausgangsort erforderte. Nachdem das Flugzeug am 10.1. als Leerflug AA9603 nach Philadelphia überführt werden konnte, ging bereits der nächste Einsatz erneut nicht nach Plan: Der abendliche Flug AA722 nach Dublin musste gleichentags wegen Problemen mit der Hydraulik rund eine Stunde und zwanzig Minuten nach dem Start wieder nach Philadelphia zurückkehren.

Am 13.1. flog die N819AN dann von Philadelphia nach Barcelona (AA792) - und der geplante Rückflug AA793 fiel bereits wieder aus. Am 19.1. sollte sie dann als Leerflug AA9781 von Barcelona nach Philadelphia zurückfliegen, doch reichte es nur für eine kurze Platzrunde im Hinterland von Barcelona, wo der Dreamliner nach einer halben Stunde Flug erneut landete. Am 23.1. gelang dann ein knapp elfstündiger Überführungsflug von Barcelona an den American Airlines Hub Dallas/Ft. Worth (AA9781), wo das Flugzeug für eine Woche in der Obhut der dortigen Technik verblieb. Am 30.1. wurde sie zurück nach Philadelphia überstellt, von wo aus sie am 30./31.1, eine erreignislose Rotation nach Madrid Barajas und zurück absolvierte. Am 1.2.25 stand dann der Kurs AA92/AA93 von Philadelphia nach Zürich und zurück auf dem Program, doch diese Rotation stand bereits wieder unter einem schlechten Stern: Gleich nach dem Start in Zürich zum Rückflug über den Atlantik kam es erneut zu einem Fehler am Antrieb Landeklappen, der die Besatzung zum Umkehren zwang. Ohne zuvor Treibstoff abzulassen, musste sie mit dem Dreamliner über dem Landegewicht auf Piste 16 aufsetzen, was ohne weitere Probleme gelang. Bis zum 5.2. verblieb der «Pechvogel» auf den Whiskey-Standplätzen in Zürich, bevor er als Leerflug AA9782 nach Philadelphia zurückkehrte, wo das Flugzeug, mit Stand Verfassung dieser Zeilen am 7.2., nun erneut am Boden steht.

Eine derartige Häufng technischer Probleme sind bei einem modernen Flugzeug eine erwähnenswerte Seltenheit, insbesondere da es sich nicht um Nebensächlichkeiten handelt, sondern um kritische Elemente der Flugtüchtigkeit des Jets: Eine hydraulische Fehlfunktion, insbesondere eine assymetrische Konfiguration der Landeklappen, würde die Steuerbarkeit massiv beinträchtigen und unter ungünstigen Umständen sogar dazu führen, dass das Flugzeug nicht mehr zu kontrollieren wäre.

Mit entsprechend grossem Aufwand sucht die Technik nach den Ursachen der wiederholten Probleme, wie sich auch an den teilweise langen Bodenzeiten nach den jeweiligen Vorfällen zeigt. Umso bemerkenswerter scheint, dass die Ursache(n) sich bisher hartnäckig einer Diagnose entzogen haben oder - mit Sicherheit wissen das nur die zuständigen Wartungstechniker - aber nach erfolgreicher Reparatur das Problem innerhalb sehr kurzer Zeit erneut auftreten lassen.