Nachlese zum WEF 2025

29.01.2025             

Alle Jahre wieder findet in der zweiten Januarhälfte in Davos das WEF World Economic Forum statt, dass jeweils eine grosse Zahl leitender Wirtschaftsvertreter und hochrangige Regierungsdelegationen anreisen lässt. Ein grosser Teil dieses Verkehrs wird über den Flughafen Zürich abgewickelt, was wiederum eine Vielzahl von Flugzeugfotografen und Zaungästen von nah und fern anzieht.

Bezüglich neuer oder seltener Besucher kamen die Aviatikfreunde am WEF 2025 zweifelsfrei auf ihre Rechnung, wie unsere Leser auch in unserer Galerie zum WEF 2025 nachlesen können. Fotografisch zeigte sich die Ausgabe 2025 aber eher von der trüben und herausfordernden Seite: Von Sonntag bis Dienstag prägte eine kalte Phase mit zähem und teilweise sehr dichtem Bodennebel die Tage mit zahlreichen Anreisen. Der Bodennebel erschwerte dabei auch den Fotografen auf den Nachtrundfahrten am Vorfeld ihre Aufgabe. Am Mittwoch stellte sich dann anstelle des Nebels eine regnerische Phase ein. Der Donnerstag zeigte sich zwar immer noch bedeckt, aber endlich nebel- und regenfrei, aber erst am Freitag, dem letzten Veranstaltungstag, und am Samstag, an dem noch einige letzte Abreisen geplant waren, zeigte sich endlich auch die Sonne.

Beim Start zum Rückflug nach Tel Aviv passiert die soeben enteiste Boeing 767-338ER 4X-ISR der israelischen Regierung den Linienflug der heimatlichen El Al (Lukas Lusser, Zürich, 22.1.25).

Zu den Highlights des WEF 2025 gehörten gleich einige Erstbesucher: So reiste der israelische Präsident mit der Boeing 767-338ER 4X-ISR der Regierung Israels an. Das ehemalige Qantas-Flugzeug mit Baujahr 2000 wurde während mehrerer Jahre aufwendig für seine neue Aufgabe umgerüstet und auch mit Systemen zur Selbstverteidigung ausgestattet. Die hohen Kosten für die Umrüstung sorgten in Israel für heftige politische Diskussionen, und zeitweise war sogar in Frage gestellt, ob das Flugzeug je seine neue Rolle übernehmen würde. Nachdem die 2016 gestarteten Arbeiten endlich abgeschlossen wurden, stellte die IAF Israel Air Force als Betreiberin die VIP-Boeing 767 Mitte 2023 doch noch in Dienst.

Nicht weniger Interesse weckte bei den Fotografen und Zuschauern auch die auffällige, dunkelblaue Boeing 777-200LR der Regierung Aserbaidschans, die gegenüber der Zuschauerterrasse parkiert war. Das in den Farben der Azerbaijan Airlines gehaltene Flugzeug hat die bisherige A340-642 der Regierung ersetzt. Bei den Fotografen sorgte der Zweistrahler dagegen für Frust, blockierte das mitgebrachte Sicherheitspersonal, dass den VIP-Flieger rund um die Uhr bewachte, doch nachdrücklich das Fotografieren der Boeing 777 während der Vorfeld-Touren.

Auch die Boeing 737-9JA/ER BBJ3 der Regierung der Demokratischen Republik Kongo (ehemals Zaïre), die interessanterweise unter einem Kennzeichen des Kleinstaates San Marino fliegt, lockte viele Fotografen an. Bei der Anreise der Delegation war das am P6 geparkte Flugzeug im Nebel bestenfalls schemenhaft auszumachen, doch bei der Abreise zwei Tage später herrschten am selben Ort deutlich bessere Bedingungen, und ein entsprechend grosser Aufmarsch an Spottern.

Einen weiteren Erstbesuch bescherte Vietnam Airlines dem Zürcher Flughafen mit einer ihrer neuen, langen Boeing 787-10. Die erst sechs Monate alte VN-A878 brachte eine offizielle Delegation vietnamesischer WEF-Besucher mit einem vorgängigen Zwischenstopp in Prag am späten Montag-Abend nach Zürich, blieb während zweier Tage auf den neuen Whiskey-Plätzen geparkt und erfreute dann am Mittwoch Nachmittag zahlreiche Zaungäste, als sie zum Boarding für den Rückflug an der Besucherterrasse vorbei auf einen Charley-Standplatz geschleppt wurde. Vietnam Airlines besitzt nur fünf Exemplare der längsten Boeing 787-Version und setzt diese primär zu Zielen in Asien ein. An europäischen Airports ist sie dagegen meist mit den kleineren Boeing 787-9 oder dem Airbus A350 zu Gast.

oben: Das vom dichten Nebel verursachte Streulicht taucht die Boeing 787-10 VN-A878 der Vietnam Airlines in eine beinahe mystische Umgebung, erforderte von den Fotografen auf den Nachttouren aber ihr ganzes Können (Raphael Joggi, Zürich, 21.1.25).

unten: Einer der wenigen sonnigen Momente begleitete den Abflug der Gulfstream 650 9K-GGC der Regierung Kuwaits (Karl Freund, Zürich, 24.1.25).

Neben den erwähnten Premieren besuchten wiederum zahlreiche bekannte Regierungs-Flugzeuge und Business-Jets Zürich und die umliegenden, zum Parken der Jets genutzten Flugplätze Altenrhein, Basel, Genf, Mailand, Strassburg oder Stuttgart. Auffallend war die gegenüber dem Vorjahr gestiegene Anzahl neuester Jets wie der Bombardier Global 7500 oder der Gulfstream 600 und nun auch 700, die teilweise aus eher seltenen Herkunftsländern wie Bahrain, Botswana, Indien, Kasachstan oder Libyen stammten.

Nicht weniger interessant waren auch die zu beobachtenden diversen Boeing BBJs und Airbus ACJs der Regierungen von Armenien, Deutschland, Dubai, Irak, Malaysia, den Niederlanden oder Qatar, die die Palette der anwesenden VIP-Flieger abrundeten.

Fazit: Das WEF 2025 war aus aviatischer Sicht ein guter Jahrgang, wettermässig dagegen deutlich auf der enttäuschenden respektive herausfordernden Seite.