Gibraltar plant eigenes Luftfahrzeugregister für BizJets
22.08.2025 Quelle: ch-aviation
In Zusammenarbeit mit der auf derartige Vorhaben spezialisierten US Gesellschaft «Aviation Registry Group» will die Lokalregierung des britischen Überseegebietes Gibraltar ein eigenes Luftfahrzeugregister schaffen, das Betreiber von Privatjets und Geschäftsreiseflugzeugen mit Verschwiegenheit und steuergünstigen Konditionen ansprechen soll. Vorgesehen ist, hierfür die neue Länderkennung VP-G zu schaffen. Das lokale Verwaltungsorgan Department of Civil Aviation, dem bislang hauptsächlich Aufgaben rund um den Betrieb des Flughafens Gibraltar oblagen, wurde bereits durch die neu geschaffene GCAA Gibraltar Civil Aviation Authority ersetzt.
Zu Beginn des Jahres 2026 wird das britische Verkehrsministerium das Vorhaben einer abschliessenden Prüfung unterziehen. Die Verantwortlichen hoffen, dass das neue Register just während der Durchführung der EBACE 2026, der jährlich in Genf stattfindenden Messe für die Geschäftliche Luftfahrt und die Privatluftfahrt, werbewirksam eröffnet werden kann. Bei potentiellen Kunden für die neue Dienstleistung wird anscheinend bereits für die neue Dienstleistung geworben. Hier dürfte sich die Partnerschaft mit der «Aviation Registry Group» als vorteilshaft erweisen, hat diese doch in den letzten Jahren bereits das neue nationale Register von San Marino (T7-) lanciert sowie dasjenige von Aruba (P4-) als «Hafen» für grosse VVIP-Privatjets aus aller Welt neu positioniert.
Gibraltar wird nicht das erste britische Überseegebiet mit einem eigenen Luftfahrzeugregister sein, weshalb keine Vorbehalte des Verkehrsministeriums erwartet werden. Bereits die Überseegebiete Bermuda (VP-B und VQ-B, 145 grössere Flugzeuge) und die Cayman Inseln (VP-C und VQ-C, 215 Flugzeuge) sowie die Besitzungen der Krone (Crown Dependencies) Guernsey (2-, 157 eingetragene Flugzeuge) sowie Isle of Man (M-, 205 Flugzeuge) haben ähnliche Vorhaben umgesetzt. Hinzu kommen ausserdem die Falkland Inseln (VP-F) und die Turks and Caicos Inseln (VQ-T), deren Register aber ausschliesslich von kommerziellen lokalen Betreibern genutzt werden.
Bisher wurden alle Flugzeuge, die von Betreibern im britischen Überseegebiet Gibraltar betrieben wurden, im nationalen Luftfahrtregister Grossbritanniens eingetragen. Dies galt auch für die bis 2008 aktive GB Airways - GB steht dabei für Gibraltar, und nicht etwa für Great Britain - deren Boeing 737-236 Adv. auf ihrem winterlichen Skicharter von London-Gatwick nach Genf das britische Kennzeichen G-BGDB trägt. Da sich das neue Register Gibraltars analog zu den Vorbildern Isle of Man und Guernsey an private Nutzer richtet, ist anzunehmen, dass allenfalls ab Gibraltar tätige kommerzielle Betreiber weiterhin im britischen Register angesiedelt würden, so wie das auch auf den beiden erwähnten Inseln gehandhabt wird (Lukas Lusser, Genf, 14.3.93).