Air Botswana abhängig von massiver Staatshilfe

22.08.2025    Quelle: ch-aviation         

Seit dem Finanzjahr 2019/20 hat die Regierung der Republik Botswana, die nördlich von Südafrika und westlich von Zimbabwe am Rande der Kalahari-Wüste liegt, über 64 Millionen US Dollar in ihre Nationalairline Air Botswana gesteckt, deren finanzielle und betriebliche Lage sich dennoch immer weiter verschlechtert. Da diese Investitionen nicht im regulären Staatsbudget ausgewiesen wurden, sondern aus Entwicklungs-Fonds geschöpft wurden und erst auf Anfrage eines Abgeordneten offengelegt wurden, regt sich nun zunehmende Unruhe wegen des Vorgehens der Regierung, und auch der Druck auf die Airline steigt, Zahlen zur Geschäftsentwicklung und Investitionen in die Flotte offenzulegen.

Air Botswana ist eigentlich gesetzlich verpflichtet, eigenwirtschaftlich zu agieren. Dennoch erhielt sie ohne entsprechende politische Verankerung im staatlichen Budget in den vergangenen Jahren immer wieder Mittel, wie «ch-aviation» zusammenfasst: 

  • 2018/19 waren es «nur» umgerechnet 1,2 Millionen US-Dollar für den Kauf einer gebrauchten Embraer 170 und zweier ATR 72-600 im Rahmen einer Flottenerneuerung,
  • 2020/21 folgten zur Abfederung der Auswirkungen der Covid-19-Pandemie umgerechnet 8,2 Millionen Dollar,
  • 2021/22 wurden Pandemiebedingte Zahlungen über umgerechnet 5,4 Millionen Dollar ausgerichtet,
  • 2022/23 schoss die Regierung umgerechnet 4,1 Millionen Dollar zur Schuldendeckung sowie 2,3 Millionen für Wartungsarbeiten ein,
  • 2023/24 stiegen die Beiträge aus staatlichen Quellen massiv an, indem umgerechnet 6,1 Millionen US Dollar für Wartung, 6,2 Millionen US Dollar zur Deckung des Betriebsdefizits sowie weitere 10,6 Millionen für einen erneuten Flottenumbau geleistet wurden,
  • 2024/25 waren es total bereits umgerechnet 18.1 Millionen US Dollar, die der Staat für Flugzeugkäufe (13,9 Mio.), Triebwerkswartung (2,6 Mio.) und zur Deckung der Löhne der Angestellten bis März 2025 (1,4 Mio.) leistete.
  • 2025/26, also im laufenden Fiskaljahr, richtete die Regierung Botswanas bereits wieder umgerechnet 1,5 Millionen US Dollar für Löhne und anstehende Investitionen in die Flotte aus, obwohl Air Botswana selbst gegenüber «ch-aviation» angab, aus dem Budget 2025/26 keine staatlichen Mittel zu benötigen.

Trotz dieser in der Summe für eine Airline und eine Wirtschaft von der Grösse Botswanas nicht unerheblichen Zuschüsse von umgerechnet rund 63,5 Millionen US Dollar seit 2019 befindet sich Air Botswana nach Aussagen des Transportministers Botswanas, David Tshere, nicht in ruhigen finanziellen Gewässern, sondern in einer finanziell weiterhin angespannten Lage. Die Schuld gibt er der sich nur träge entwickelnden Wirtschaftslage im Land, die zu einem Nachfragerückgang seitens der Passagiere geführt habe. Zudem habe auch das Land einen Sparkurs einschlagen müssen, weshalb weniger Mittel für geschäftliche und behördliche Flugreisen zur Verfügung stehe, was unvermeidlicherweise zu einem deutlichen Einbruch der Erlöse aus dem Ticketverkauf der Air Botswana geführt habe. 

Im Februar 2020 wurde die ATR 42-500 A2-ABN der Air Botswana nach 20 Jahren Einsatzdauer stillgelegt und zum Verkauf ausgeschrieben. Bislang steht sie aber weiterhin geparkt an ihrer ehemaligen Operationsbasis Gabarone (Lukas Lusser, Johannesburg, 3.5.17).

Für Unruhe sorgt aber auch die Flottenentwicklung. Mit den erwähnten Beträgen für Flugzeugkäufe erwarb Air Botswana im Jahr 2024 eine gebrauchte Embraer 175 (A2-ABE, ex FlyBE G-FBJB) sowie zwei Embraer RJ-145LI (V5-ABQ, ex PK-OKE Airfast Indonesia und V5-ABW, ex PK-OMG Airfast Indonesia). Die Embraer 175 verblieb aber nach dem Kauf für über acht Monate in Gabarone, der Hauptstadt Botswanas, am Boden. Offiziell kam es wegen fehlender behördlicher Dokumente zu dieser langen Standzeit, Medien und Politiker in Botswana äusserten aber auch Kritik, dass man für teures Geld ein möglicherweise gar nicht betriebsfähiges Flugzeug ins Land geholt habe. Die beiden angeschafften Embraer RJ-145 sind dagegen rasch in den Einsatz gelangt, werden aber nicht vom Käufer Air Botswana betrieben, sondern wurden direkt an die in Namibia beheimatete Wet-Lease- und Charterspezialistin Westair Aviation weitergereicht, die zuvor bereits sechs typengleiche Flugzeuge in Eigenregie betrieben hat. Die beiden ERJ-145 fliegen deshalb unter dem AOC der Westjet Aviation im Rahmen eines ACMI-Vertrags für Air Botswana.

Zur Flotte der Air Botswana gehören des Weiteren zwei ATR 72-600 (A2-ABK und A2-ABL, werksneu), die 2018/19 mit den erwähnten staatlichen Mitteln angeschafft wurden, sowie eine Embraer 170LR (A2-ABM, ex N734A Aramco), die derzeit aber inaktiv ist, da sie nach 15'000 geleisteten Flugstunden zu einer grösseren Wartung fällig ist. Diese würde umgerechnet 4 Millionen US Dollar kosten, was sich Air Botswana nach eigenen Angaben derzeit schlicht nicht leisten könne. Ausserdem besitzt Air Botswana immer noch eine ihrer durch die grösseren ATR 72 ersetzten ATR 42-500: Die 1996 gebaute und im Jahr 2000 gebraucht von Continental Express erworbene A2-ABN flog am 11. Februar 2020 letztmals den kommerziellen Kurs BP206 von Johannesburg-O.R. Tambo nach Gabarone und ist seitdem am Airport der Hauptstadt abgestellt, wo sie bisher erfolglos auf einen Käufer wartet.

Air Botswana will zu den Angaben von «ch-aviation» erst Stellung nehmen, wenn eine von einem unabhängigen Auditor geprüfte Rechnung vorliege.