Fünf Boeing 777 landen auf verschlungenen Wegen im Iran
28.07.2025 Quelle: ch-aviation
Wie Recherchen von «ch-aviation» nachzeichnen, sind fünf Boeing 777 mit Zwischenstationen bei einer US-Firma, einem Wartungsunternehmen in China, einem neuen Besitzer in Hong Kong und einem angeblichen Airline-Start-Up auf Madagaskar unter Umgehung des bestehenden Handelsembargos nach Iran exportiert worden.
Die fünf involvierten Boeing 777 standen bis zum Ausbruch der Covid-19-Pandemie bei NokScoot in Thailand im Dienst. Mit den weltweiten Groundings im Luftverkehr während der Pandemie stellte NokScoot, die mit sieben Boeing 777-200 aus Singapore-Airlines-Beständen ab Bangkok-Don Mueang internationale Strecken bediente, ihren Betrieb ein. Singapore Airlines, die via ihre Low-Cost-Tochter Scoot an der NokScoot beteiligt war, traf deshalb den Entscheid, NokScoot aufzulösen und nahm die Boeing 777 zurück. Sie wurden zunächst in Alice Springs, Australien, geparkt und fünf der Boeing 777 wurden anschliessend an Ion Aviation Llc. in Florida veräussert, die sie ins US-Register umschreiben liess. Zwischen Oktober 2023 und März 2024 wurden die Flugzeuge zu Wartungszwecken und angeblich zur Vorbereitung auf einen neuen Kunden nach Lanzhou in China überstellt. Ende März 2024 wurden sie aus dem US-Register gelöscht und an einen Besitzer in Hong Kong transferiert. Hier verliert sich zeitweise die Spur der fünf Flugzeuge, aber mindestens in einem Fall wurde eine Boeing 777 (5R-RIJ) von Lanzhou nach Jakarta-Soekarna Hatta überführt, wo sie von Ende Mai 2025 bis Anfang Juli 2025 geparkt wurde.
Als neuer Betreiber der fünf Jets trat eine Neugründung auf der Insel Madagaskar auf: Das Unternehmen namens UDAAN Aviation wollte damit angeblich internationale Linienflüge ab Madagaskar starten und liess hierfür die fünf Boeing 777 am 17. Januar 2025 mit einer befristeten, drei Monate gültigen Betriebsbewilligung ins Register Madagaskars eintragen:
1. Boeing 777-212ER cn 28522/337 ex HS-XBB NokScoot, via N99005 Ion Aviation Llc, zu 5R-HER UDAAN Aviation
2. Boeing 777-212ER cn 28527/372 ex HS-XBD NokScoot, via N99004 Ion Aviation Llc, zu 5R-IJA UDAAN Aviation
3. Boeing 777-212ER cn 30866/343 ex HS-XBC NokScoot, via N99003 Ion Aviation Llc, zu 5R-ISA UDAAN Aviation
4. Boeing 777-212ER cn 32334/409 ex HS-XBE NokScoot, via N99002 Ion Aviation Llc, zu 5R-RIS UDAAN Aviation
5. Boeing 777-212ER cn 33369/448 ex HS-XBF NokScoot, via N99001 Ion Aviation Llc, zu 5R-RIJ UDAAN Aviation.
Im März 2017 flog die Boeing 777-212ER HS-XBB der NokScoot noch regelmässige Low-Cost-Liniendienste zu Zielen in Südostasien und nach Japan. Die ursprünglich für Singapore Airlines gebaute Triple Seven gelangte nun Mitte Juli 2025 unter dem temporären madagasischen Kennzeichen 5R-HER auf verschlungenen und abenteuerlichen Wegen in den Iran, wo sie mutmasslich zur Flotte von Mahan Air stossen soll (Lukas Lusser, Bangkok Don Mueang, 8.3.17).
Die provisorische Bewilligung sollte die Überführung der Flugzeuge nach Kenya erlauben, wo gemäss UDAAN Aviation - von der ausser dem Namen und dem vagen Vorhaben, ab Madagaskar in den Linienbetrieb einzusteigen, nichts Weiteres bekannt ist - weitere Wartungsarbeiten an den Flugzeugen hätten vorgenommen werden sollen. Diese auf drei Monate befristete Bewilligung lief gemäss dem Luftamt Madagaskars am 12. April 2025 ab, anschliessend hätten keine Flüge unter den oben aufgeführten 5R-Kennzeichen durchgeführt werden dürfen. Offenbar fälschte aber eine der involvierten Parteien - mutmasslich UDAAN Aviation selbst - die Papiere und änderte das Ablaufdatum auf den 12. Juli 2025 ab. Unmittelbar um diesen Stichtag wurden die Flugzeuge eins ums andere über den Flughafen Siem Reap New Angkor in Kambodscha in den Iran überflogen, zumindest in einem Fall mit teilweise eingeschaltetem Transponder, was es erlaubte, den Flug der 5R-HER nach Mashad nachzuvollziehen. Je zwei weitere Boeing 777 sollen gemäss iranischen Quellen an den Flughäfen von Chah Bahar und Zahedan eingetroffen sein. Dass die fünf Jets bei ihrer Ankunft anscheinend nicht in Teheran, sondern an drei regionalen Airports geparkt wurden, legt die Vermutung nahe, dass den Iran eine gewisse Sorge vor Vergeltungsmassnahmen umtreibt.
Auch iranische Medien bestätigen den erfolgreichen Kauf und Import der ersten jemals vom Iran genutzten Boeing 777, die demnächst auch ins iranische Register eingetragen werden sollen. Der Kauf sei demnach auch nicht illegal, aber «auf unsere einzigartige Weise» abgewickelt worden sein. Über den zukünftigen Betreiber gibt es keine gesicherte Angabe, doch gehen die Quellen übereinstimmend davon aus, dass Mahan Air die fünf Flugzeuge nutzen dürfte, um damit einige ihrer sieben älteren Airbus A340-200 und A340-300 zu ersetzen resp. diese an weitere iranische Gesellschaften veräussern zu können.