Rückblick auf den «Bündelitag» 1993

19.07.2025             

Das Szenario wiederholt sich mit absoluter Regelmässigkeit Jahr für Jahr: Ab Ende Juni beginnen regional gestaffelt in den Schweizer Kantonen, den Deutschen Bundesländern oder in den Französischen Regionen die heiss ersehnten «grossen Ferien», auch profan als Sommerferien oder Sommerurlaub bekannt. Die anschwellende Reisewelle zeigt sich auch regelmässig an den Flughäfen Mitteleuropas, wo der Urlaubsverkehr während der Sommerzeit seinem jährlichen Peak entgegenströmt. Noch bis kurz nach dem Jahrtausendwechsel profitierten von der Nachfrage nach Urlaubsreisen vor allem die althergebrachten Chartergesellschaften, teils unabhängige Dienstleister für Reisebüros, teils Tochterunternehmen etablierter nationaler Linienfluggesellschaften. Für ihr saisonales Angebot mieteten sie nicht selten Flugzeuge hinzu, die gerade anderswo nicht gebraucht wurden, oder im Extremfall hob eine solche Gesellschaft nur gerade einen Sommer lang überhaupt ab, bevor sie wieder vom Markt verschwand.

 

Als der grosse «Wachstumsschub» bei Turkish Airlines erst ganz am Anfang steht, überrascht der Nationalcarrier vom Bosporus mit einem schnellen und zielstrebigen Aufbau seiner Präsenz am EuroAirport Basel/Mulhouse/Freiburg, der damals von Legacy-Carriern dritter Staaten zumeist noch links liegengelassen wird. Am frühen Nachmittag des Bündelitages 1993 landet die Boeing 737-4Y0 TC-JDY auf dem noch jungen Linienflug aus Istanbul (Lukas Lusser, Basel EuroAirport, 3.7.93).

Dieser Vielfalt, die auch Luftfahrtenthusiasten stets gespannt auf den Beginn der Sommerferienzeit warten liess, haben ab den 2000er-Jahren die aufkommenden Low-Cost-Airlines - egal ob in orange, blau/gelb, grau/weiss oder blau/violett unterwegs (um keine Schuldigen beim Namen zu nennen) - weitgehend den Garaus gemacht. In Westeuropa sind zahlreiche traditionelle Charteranbieter sang- und klanglos verschwunden, sei es in England mit Air 2000, Caledonian Airways, Dan-Air London, Monarch, MyTravel, Orion, TEA UK oder Thomas Cook Airlines, Spanien mit Air Sur, Aviaco, Canafrica, Centennial Airlines, Futura, Hispania, Iberworld, Meridiana, Oasis, Spanair oder Viva Air, Deutschland mit Aero Lloyd, Germania, Hamburg International, LTS, LTU oder XL Airways oder in der Schweiz mit Aero Jet, Air City, ASA Air Starline, Balair, Belair, CTA, Hello oder TEA Switzerland, um nur einige der Namen aus den 1990er Jahren zu nennen.

oben: Als wohl elegantestes Flugzeug der Transalsace mietet die Charterairline aus Mulhouse für die Sommerferien 1993 die McDonnell Douglas MD-83 EI-CGI von GPA Guiness Peat Aviation an. Sie ist zuvor während nur gerade zwei Wochen bei der US-Charterairline Key Air im Dienst gestanden, bevor diese in Konkurs gegangen ist, und trägt noch deren volle Bemalung. Das Logo mit dem Sonnengesicht der einstigen National Airlines hat Key Air erst wenige Monate zuvor aus der Konkursmasse der National Airlines-Käuferin Pan Am erworben (Lukas Lusser, Basel EuroAirport, 3.7.93).

unten: Das Allschwiler Reisebüro African Safari Club betreibt mit der in Kenya registrierten African Safari Airways regelmässige Urlaubsflüge ab Deutschland und der Schweiz nach Mombasa. Um im Rahmen von Kreuzfahrtzubringern und Urlaubsflügen auch Passagiercharter in Drittländer durchführen zu können, hat sie in der Schweiz die Tochter ASA Air Starline mit eigenem AOC gegründet und mit der HB-IBF eine ihrer beiden DC-8-63 ins Schweizer Register verschoben (Lukas Lusser, Basel EuroAirport, 3.7.93).

Passend zur Sommerferienzeit haben wir Ihnen als Flashback aus den 1990ern einen Querschnitt durch den «Bündelitag 1993», dem Samstag 3. Juli 1993, mit seinem Flugverkehr am EuroAirport Basel/Mulhouse/Freiburg zusammengestellt, vom exotischen Alitalia-Frachter im Sublease aus Swaziland bis zum doppelten THY Turkish Airlines Kurs aus Istanbul. Viel Spass beim Stöbern und Erinnern für alle, die damals schon in die Ferien geflogen sind...