Alaska/Hawaiian Airlines 2026 nach Europa?

07.04.2025    Quelle: Simple Flying         

Ben Minicucci, der amtierende Geschäftsleiter der Alaska Airlines, stellte an einem Investorentag Pläne seiner Airline vor, im Sommerflugplan 2026 mehrere Strecken von Seattle nach Europa aufzunehmen. Er sprach dabei von bis zu fünf Destinationen, die derzeit von Seattle aus eine vielversprechende Nachfrage vermuten liessen, und nannte konkret bereits die Ziele London Heathrow, Paris-Charles de Gaulle und Rom Fiumicino, die Alaska Airlines non-stop mit der Metropole im Nordwesten der USA verbinden möchte.

Alaska Airlines selbst verfügt über keine geeigneten Flugzeuge für derartige Operationen, und selbst die Airbus A321neo, die sie durch die Fusion mit Virgin America Airlines «geerbt», inzwischen zugunsten der Boeing 737 MAX aber ausgeflottet hat, hätten bei weitem nicht die geeignete Reichweite, um nonstop sowohl über den Atlantik wie auch über den ganzen Kontinent zu fliegen.

Nach knapp einem Jahr Vorbereitung haben sich Alaska Airlines und Hawaiian Airlines 2024 formell zusammengeschlossen. Beide Marken bestehen auch nach der Fusion fort. Symbolträchtig für ihre zukünftige Ehe begegnen sich der lächelnde Inuk auf der inzwischen ausgeflotteten Alaska Airlines A321-253N N921VA und das verträumte Hula-Mädchen auf der Hawaiian Airlines A330-243 N360HA am Line-Up der Pisten 1R und 1L des San Francisco International Airport. Übrigens gehören beide Köpfe der Logos realen Personen: Es handelt sich bei ihnen gemäss unbestätigten Recherchen um den Rentier-Züchter Chester Seveck aus Kotzebue, Alaska sowie zweifelsfrei um Leina'ala Ann Teruya Drummond, Miss Hawaii 1964 (Lukas Lusser, San Francisco, 24.7.2019).

Am 18. September des vergangenen Jahres schloss Alaska jedoch die während eines knappen Jahres eingefädelte Fusion mit Hawaiian Airlines ab, deren Streckennetz von der US-Westküste nach Hawaii und weiter in den pazifischen Raum eine ideale Erweiterung des Alaska-Geschäftsfelds verspricht. Hawaiian Airlines, deren Marke vorerst erhalten bleibt, verfügt neben den als «Inselhüpfern» eingesetzten Boeing 717-200 über A321neo LR für Flüge zwischen Hawaii und der US-Westküste sowie über Airbus A330-200 und Boeing 787-9 für Langstreckenflüge.

Auf die beiden letztgenannten Muster will Alaska Airlines für den Aufbau eines eigenen Langstreckennetzes zurückgreifen. Schon im laufenden Jahr sollen sie für Alaska Airlines ab Seattle nach Seoul und Tokyo Narita fliegen. Bis im kommenden Sommer soll die bisher erst aus drei Einheiten bestehende Flotte von Boeing 787-9 ausgebaut werden, sodass sich die Möglichkeit eröffnet, die jetzt teilweise noch im Pazifik eingesetzten A330 vermehrt über den Atlantik einzusetzen. Zumindest hat Minicucci bestätigt, dass für die angedachten Europa-Flüge primär auf den A330-200 zugegriffen werden soll, wobei Flüge von der US-Westküste nach Europa das Muster doch nahe an sein Limit bringt.

Hawaiian-Bilder aus Europa lassen sich nur mit tiefem Graben im Archiv finden, und meist handelt es sich dabei um Truppenflüge im Auftrag des US Military Airlift Command. Im Sommer 1987 konnte man Hawaiian aber regelmässig in Zürich antreffen. Auf dem wöchentlichen US-Charterflug des Schweizer Reisebüros «Ferien-Service» kam durchgehend die DC-8-62H N8969U der IAL International Air Lease/Batchelor Air Group (Miami) zum Einsatz, die an Hawaiian Air vermietet war, wobei leider das unbemalte Ersatzruder das Hecklogo verunstaltete. Der Flug landete jeweils am Samstag-Abend aus Miami kommend am Flughafen Kloten. Nach einem Nightstop mit Crew-Rest führte er am Sonntag-Vormittag zurück (Lukas Lusser, Zürich, 28.6.1987).

Alaska Airlines ist längst mehr als bloss die regionale Airline Alaskas, die den 50. Staat der USA mit den sogenannten «Lower 48», also Kontinental-USA, verbindet. Bereits seit den späten 1980er Jahren hat sie ihr Geschäftsfeld massiv entlang der US-Westküste ausgeweitet. Später kamen Urlaubsflüge nach Mexiko und Hawaii sowie transkontinentale Verbindungen an die US-Ostküste hinzu. Mit dem Kauf der in San Francisco beheimateten Virgin America im Jahr 2016 wuchs das Streckennetz und die Flotte nochmals massiv an. Inzwischen verfügt Alaska Airlines über 325 Flugzeuge, zu denen nun weitere 74 Flugzeuge der Hawaiian Airlines hinzukommen, darunter die genannten A330, von denen sie 24 Stück als Passagierflugzeuge sowie weitere acht im Auftrag von Amazon Prime als Frachter betreibt, sowie die drei genannten Boeing 787-9.

Angesichts dieser eindrücklichen Zahlen kokettiert Alaska Airlines mittlerweile mit der Aussage, man sei zur vierten der drei grossen US-Airlines aufgestiegen. In der Tat schliesst Alaska Airlines mit ihren Ausbauplänen langsam zu den Netzwerk-Anbietern American Airlines, Delta Air Lines und United Airlines auf, auch wenn diese mit jeweils um die 1000 Flugzeugen (AA: 994, DL: 973, UA: 984) nochmals eine ganze Hausnummer grösser aufgestellt und insbesondere im Langstreckenbereich weitaus stärker etabliert sind.