Swiss im ersten Halbjahr 2026 drei Prozent schwächer als im Vorjahr

04.08.2026    Quelle: Swiss International Air Lines         

Swiss International Air Lines hat im ersten Halbjahr 2026 ein operatives Ergebnis (Adjusted EBIT) von 189,3 Millionen Schweizer Franken erwirtschaftet. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht dies einem Rückgang von 3,0 Prozent (1. Halbjahr 2025: 195,1 Millionen Schweizer Franken). Die operativen Erträge beliefen sich auf insgesamt 2,77 Milliarden Schweizer Franken und lagen damit 3,2 Prozent über dem Vorjahreswert (1. Halbjahr 2025: 2,69 Milliarden Schweizer Franken). Belastet wurde das Ergebnis insbesondere durch deutlich höhere Treibstoffkosten seit dem Ausbruch des Irankriegs, die insbesondere im zweiten Quartal durchgeschlagen und trotz Hedging (Absicherung der Treibstoffpreise über Optionen) auf das Anderthalbfache des Vorjahrs gestiegen sind - ohne Absicherung hätten sich die Ausgaben für Treibstoff wohl verdoppelt, sagt Dennis Weber, CFO von Swiss. 

Erfreulich ist: Die Nachfrage blieb stark, insbesondere in den Premiumklassen und auf Flügen zwischen Europa und Asien sowie Europa und Nordamerika. Während sich über dem Atlantik die Nachfrage Reisender ab der Schweiz auf dem seit Amtsantritt der Trump-Administration niedrigeren Niveau stabilisiert hat, ist die Nachfrage von Reisenden aus Nordamerika in die Schweiz weiterhin sehr hoch. Da die US-Fluglinien ihre Treibstoffkosten üblicherweise zudem nicht absichern und deshalb massive Tarifaufschläge durchführen mussten, konnte auch die Swiss nachziehen und ihren Yield (Ertrag pro Passagier) auf dem Nordatlantik steigern. 

Neben dieser erfreulichen Effekte auf der Einnahmenseite setzte Swiss gleichzeitig gezielte Effizienz- und Einsparmassnahmen um und konnte so den Ergebnisrückgang begrenzen. Ziel ist es, dies im laufenden Jahr als Übergangsmassnahme umzusetzen, um im Sommer 2027 wieder auf einen Wachstumspfad einzuschwenken.

Anspruchsvolles Umfeld mit starkem Kostendruck

Dennis Weber ordnet die Zahlen ein: «Wir haben die ausserordentlichen Herausforderungen, mit denen wir in den vergangenen Monaten konfrontiert waren, gut gemeistert. Die deutlich gestiegenen Treibstoffkosten haben unser Ergebnis trotz der bestehenden Absicherungen spürbar belastet. In den Monaten April bis Juni belief sich der Anstieg der Treibstoffkosten auf rund 50 Prozent. Treibstoff ist unsere grösste einzelne Kostenposition. Entscheidend ist aber: Die Spar- und Effizienzmassnahmen, die wir frühzeitig eingeleitet haben, zeigen bereits Wirkung und helfen uns, die hohen Kerosinpreise zumindest teilweise zu kompensieren. Ohne sie wäre der Ergebnisrückgang stärker ausgefallen.»

Weber ergänzt: «Die Entwicklung der Treibstoffpreise können wir nicht beeinflussen. Umso wichtiger ist es, dass wir überall dort konsequent auf unsere Kosten achten, wo wir nicht allein Marktentwicklungen ausgesetzt sind.» 

Und sie fliegen (doch) immer noch: Die im Herbst für Frühjahr 2026 angekündigte Stilllegung der sieben verbliebenen Airbus A220-100 (ehemals Bombardier CS100) der Swiss wird nun vom Chief Financial Officer der Swiss, Dennis Weber, auf Ende 2027 angekündigt, wobei er zugleich andeutet, dass dieses Datum noch nicht feststeht und weiter angepasst werden könnte. Während die HB-JBB und HB-JBG die Flotte definitiv verlassen haben, fliegt etwa die HB-JBI vorerst weiter für Swiss (Lukas Lusser, Genf, 21.3.26).

Wartungsengpässe und Flottenentwicklung

Zusätzlich belasteten weiterhin hohe Wartungskosten das Ergebnis. Dazu trugen zum Beispiel die bekannten Triebwerksprobleme bei Teilen der Kurzstreckenflotte bei. Als Folge dieser Probleme hat Swiss zwei ihrer Airbus Canada A220-100 endgültig ausgeflottet. Die HB-JBB «Canton de Genève» steht seit dem 15. April am Flughafen von Toulouse Francazal, die HB-JBG wurde sogar bereits am 14.11.2024 nach Maastricht überflogen und abgestellt. Von den 27 verbliebenen A220 sind drei weitere aktuell wegen eines Mangels an einsetzbaren Triebwerken abgestellt. Die Situation bei den A320 der Neo-Familie fluktuiert, mit jeweils rund drei bis vier geparkten Flugzeugen, die wegen fehlender Kapazitäten zur Wartung der Triebwerke am Boden bleiben müssen. Zwar erhält Swiss für diese Ausfälle Kompensationszahlungen der Hersteller, jedoch decken diese nicht den gesamten Schaden ab, der durch das Fehlen der Flugzeuge und ihr untätiges Parken am Boden entsteht.

Interessantes lässt sich zwischen den Zeilen zur Flottenplanung lesen. Zunächst gibt Dennis Weber an, dass die Swiss die Anzahl ihrer Wetlease-Flugzeuge, die aktuell durch Air Baltic und Helvetic gestellt und im Auftrag der Swiss geflogen werden, im Sommer 2027 von aktuell rund 26 Einheiten auf 20 Flugzeuge reduzieren will. Der Abbau würde in erster Linie den ACMI-Partner Air Baltic treffen, während Helvetic weiterhin als primärer Wetlease-Partner der Swiss agieren soll. Zugleich scheint die im Herbst 2025 für den Sommerflugplan 2026 in Aussicht gestellte Stilllegung aller Airbus Canada A220-100 fürs Erste vom Tisch zu sein. Auf eine Frage nach der Flottenkonsolidierung auf ein Typenmuster im Europaverkehr meinte Weber, allein die aktuelle Flottengrösse von noch 28 A220 beider Versionen lasse den Schluss zu, dass es noch «viele Jahre» dauern dürfte, bis die A220, welche die Komplexität der Europa-Flotte erhöhe, komplett aus der Swiss-Flotte verschwunden sei, und auch die Stilllegung der A220-100 per Ende 2027 - man beachte: ein neues Datum! - sei «alles andere als in Stein gemeisselt». Diese Aussagen laden zur Interpretation an, dass eine Vereinheitlichung der Europaflotte wie erwartet auf das Muster A320neo/A321neo hinauslaufen dürfte, der Zeitplan für die Umsetzung aber noch flexibel betrachtet und eher im mittelfristigen denn im kurzfristigen Rahmen angesiedelt zu sein scheint.

Insbesondere auf den Strecken nach Asien hat Swiss vom de-facto-Grounding der drei grossen Golfcarrier in den ersten Monaten des Irankriegs profitiert. So ist etwa der kurzfristig eingeführte, zweite Delhi-Kurs, der täglich mit einem Airbus A330-343 wie der HB-JHH durchgeführt wird, auf sehr grosse Kundenresonanz gestossen, insbesondere auch im ertragsstarken Premium-Segment der First- und Business-Class. Ebenso rechnet sich derzeit das Nordatlantik-Programm, da Swiss im Windschatten der Tariferhöhungen der US-Konkurrenz ihre Tarife ebenfalls anpassen, aber dank erfolgreichem Hedging der Rohölpreise die Erträge steigern konnte (Lukas Lusser, Zürich, 22.4.26).

Leichtes Passagierwachstum bei höherer Auslastung

Positiv beeinflusst wurde das Ergebnis des ersten Halbjahrs 2026 durch eine anhaltend starke Nachfrage und höhere Durchschnittserlöse. Weber erklärt: «Im ersten Halbjahr konnten wir uns über eine erfreuliche Entwicklung bei den Durchschnittserlösen und der Auslastung freuen. Besonders unsere Premiumangebote auf der Langstrecke waren weiterhin stark gefragt und haben unser Ergebnis gestützt. Die starke Nachfrage und eine strikte Kostendisziplin waren jedoch nicht genug, um die Auswirkungen der hohen Treibstoffpreise zu kompensieren.»

Insbesondere zu Beginn des zweiten Quartals spielte Swiss auf einzelnen Märkten auch eine besondere Marktsituation in die Karten. Da einzelne Golf-Carrier ihr Angebot vorübergehend reduziert hatten, entschieden sich mehr Reisende für alternative Verbindungen. Dies führte zeitweise zu einer zusätzlichen Nachfrage bei Swiss, vor allem auf den Strecken nach Asien. Mit der Rückkehr der entsprechenden Kapazitäten nahm dieser Rückenwind im Verlauf des Quartals jedoch wieder ab.

Im ersten Halbjahr 2026 beförderte Swiss insgesamt rund 8,5 Millionen Passagiere und damit 0,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der durchgeführten Flüge sank um 4,1 Prozent auf über 67 400. Die angebotenen Sitzkilometer (ASK) gingen um 0,8 Prozent zurück. Gleichzeitig stiegen die verkauften Sitzkilometer (RPK) um 1,9 Prozent. Der Sitzladefaktor (SLF) verbesserte sich um 2,2 Prozentpunkte.

Weber sagt: «Die Reiselust unserer Kundinnen und Kunden ist ungebrochen. Obwohl wir unser Angebot leicht verringert haben, konnten wir mehr Sitze verkaufen und unsere Flugzeuge noch besser auslasten. Das zeigt, dass viele Menschen Swiss bewusst als ihre Airline wählen und uns ihr Vertrauen schenken.»

Im ersten Halbjahr 2026 konnte Swiss ihre operative Leistung trotz anspruchsvoller Rahmenbedingungen auf Vorjahresniveau halten. Hohe geopolitische Unsicherheiten sowie eine Häufung von Extremwettersituationen beeinflussten den Flugbetrieb und wirkten sich auf die operative Performance aus. Die Pünktlichkeit lag mit 72,4 Prozent auf dem Niveau des Vorjahres, während die Stabilität des Flugbetriebs mit 96,7 Prozent leicht unter dem Vorjahreswert von 97,3 Prozent lag.

Kosten gesenkt und Ressourcenengpässe reduziert

Swiss sieht erste Erfolge der bereits vor Monaten eingeleiteten Kostensparmassnahmen. Die Entwicklung der beeinflussbaren Kosten bestätigt den eingeschlagenen Kurs und lässt erwarten, dass sich dieser Trend im weiteren Jahresverlauf fortsetzt. «Die ersten Fortschritte sind sichtbar, bis zu einer nachhaltigen Verbesserung der Profitabilität liegt jedoch noch eine Wegstrecke vor uns», erklärt Weber.

Auch bei der Bereederungssituation zeigen sich Fortschritte. Während man zu Jahresbeginn noch mit einem Rückgang der angebotenen Kapazität gerechnet hatte, geht Swiss inzwischen davon aus, das Angebot im Gesamtjahr gegenüber 2025 stabil halten zu können. Möglich wird dies unter anderem durch den gezielten Einsatz von Wetlease-Partnern sowie zusätzliche Massnahmen im Pilotentraining.

Situation in Genf

Angepsrochen auf die Ertragssituation in Genf, wo die Konzernmutter Lufthansa anscheinend auf Fortschritte drängt, sagt Dennis Weber, dass die Swiss mit dem Ergebnis der einzigen Langstrecke, dem täglichen Flug nach New York-JFK, sehr zufrieden sei, da dieser besonders im Premiumsegment stark vom Markt angenommen wurde. Anders sei die Lage auf der Kurzstrecke, wo ein gewinnbringender Betrieb schwierig zu erreichen sei. Man arbeite aber derzeit mit Zuversicht darauf hin, dass Ergebnis für das Jahr 2026 stabil zu halten.

Kostendisziplin und Premiumanspruch bleiben gleichermassen zentral

Jens Fehlinger, CEO von Swiss, sagt: «Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass Swiss auch in schwierigen Zeiten zuverlässig unterwegs ist. Gerade wenn die Welt unsicherer wird, ist es wichtig, dass Menschen und Unternehmen sich auf gute Flugverbindungen verlassen können. Wir sorgen dafür, dass die Schweiz zuverlässig mit Europa und der Welt verbunden bleibt. Diese Verantwortung nehmen wir jeden Tag wahr.»

Mit Blick auf das Gesamtjahr geht Swiss davon aus, dass die eingeleiteten Massnahmen ihre Wirkung weiter entfalten werden. Gleichzeitig bleibt das Marktumfeld anspruchsvoll. Die Entwicklung der Treibstoffkosten, geopolitische Unsicherheiten und ein kurzfristiges Buchungsverhalten sorgen weiterhin für hohe Volatilität. 2026 betrachtet Swiss bewusst als Übergangsjahr. Ziel bleibt es, die strukturellen Voraussetzungen für erneutes Wachstum und eine nachhaltige Verbesserung der Profitabilität ab 2027 zu schaffen.

Fehlinger betont abschliessend: «Entscheidend ist, dass wir unsere Verbesserungen konsequent weiterführen und gleichzeitig das bieten, was unsere Gäste von Swiss erwarten. Wir müssen effizienter arbeiten, unsere Kostenstrukturen nachhaltig verbessern und unsere Mittel gezielt dort einsetzen, wo sie den grössten Nutzen schaffen. Gleichzeitig investieren wir weiter in unsere Produkte, unseren Service und ein verlässliches Reiseerlebnis. Die positiven Rückmeldungen unserer Kundinnen und Kunden zeigen, dass dieser Weg richtig ist. Diesen Kurs setzen wir konsequent fort. So schaffen wir die Grundlage, um ab 2027 wieder nachhaltig und profitabel wachsen zu können.»