Lufthansa: Jetzt ist fertig mit CityLine
16.04.2026 Quelle: Lufthansa
Nur einen Tag nachdem Lufthansa ihr neues Schaustück, das Konferenz und Besucherzentrum in ihrem neuen Hangar One am Frankfurter Flughafen mit viel Prominenz eröffnet hat, folgt für die Belegschaft ihrer Regionaltochter Lufthansa CityLine ein Ende mit Schrecken. Zwar hat Lufthansa schon seit Längerem kommuniziert, dass CityLine durch die neue Marke Lufthansa City Airlines ersetzt werden soll, deren Betriebs- und Lohnkosten tiefer sein werden als jene der CityLine. Während die Belegschaft sich noch mit einem Arbeitskampf für ihren Verbleib bei CityLine wehrt, hat Lufthansa am 16. April 2026 die sofortige Einstellung des Betriebs bei Lufthansa CityLine zum Abend des 18.4.26 verfügt. Die Belegschaft wird freigestellt und sieht sich Entlassungen gegenüber.
oben: Die 22 noch aktiven Bombardier CRJ-900ER der Lufthansa CityLine, hier die aktuell noch genutzte D-ACNA, sind nicht nur in die Jahre gekommen, sondern angesichts der Treibstoffpreise, die sich verdoppelt haben, laut Lufthansa nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben. Deshalb erfolgt ihre Ausserdienststellung zum 18.4.26 (Lukas Lusser, Zürich, 26.5.22).
unten: In jüngster Zeit wechselte das Erscheinungsbild der Lufthansa CityLine wieder zu dem ihrer Mutter. Lediglich kleine zusätzliche Aufschriften am Rumpf verweisen darauf, dass der Airbus A320-271N D-AIJJ von Lufthansa CityLine betrieben wird. Im Sommer 2025 wechselte er zur neuen Lufthansa City Airline, die nun die Nachfolge der CityLine antreten wird (Lukas Lusser, Zürich, 21.1.24).
Der drastische Schritt wird als notwendige sofortige Umsetzung der Unternehmensstrategie bezeichnet, der infolge der wegen des Irankonflikts rasant gestiegenen Treibstoffpreise und der Marktunsicherheit sowohl im USA-Geschäft wie auch im arabischen Raum die Airline zum sofortigen Handeln zwinge. Die 27 derzeit aktiv von CityLine noch betriebenen Flugzeuge werden «endgültig aus dem Programm genommen» (Zitat Lufthansa). Darunter befinden sich 22 Einheiten des Typs Canadair CRJ-900, die dem Ende ihres Einsatzalters nahe sind und gemäss Lufthansa nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden können. Zu den ebenfalls von CityLine betriebenen Airbus A319 (ex Austrian Airlines) und A321 äussert sich Lufthansa nicht explizit, so dass derzeit unklar ist, ob sie wieder in die Flotte der Mutter eingegliedert werden oder ebenfalls endgültig ausser Betrieb genommen werden.
Weitere Sparmassnahmen zum Ende des Sommerflugplans
Auf das Ende des Sommerflugplans bestätigt Lufthansa die endgültige Ausflottung der verbliebenen Airbus A340-600 sowie die Stilllegung von zwei ihrer Boeing 747-400, wobei bei letzteren der exakte Wortlaut der Pressemeldung «ab Oktober über den kommenden Winter stillgelegt» ein Türchen für die nochmalige Aktivierung der beiden Jumbo Jets offenzulassen scheint, möglicherweise als Option bei erneuten Lieferverzögerungen bei den sehnlich erwarteten Boeing 777-9. Das geplante Angebot im Winterflugplan soll zusätzlich im Umfang von fünf Flugzeugen auf der Kurz- und Mittelstrecke abgesenkt werden. Die Leisure-Tochter Discover Airlines soll zudem vorzeitig neun weitere Airbus A350-900 erhalten, um die Betriebskosten zu senken. Last but not least will Lufthansa auch die Verwaltungskosten durch Stellenkürzungen im administrativen Bereich senken.
oben: Als die zukünftige Lufthansa CityLine noch DLT hiess, brachte sie mit dem raschen Wachstum der Zubringerflüge unter LH-Flugnummern die Embraer 120RT Brasilia an den europäischen Himmel. Die D-CEMD wurde im Mai 1987 ausgeliefert und im September 1990 an den Hersteller retourniert (Lukas Lusser, München Riem, 6.6.87).
unten: Zunächst nutzte Lufthansa CityLine einen eigenständigen Auftritt mit entsprechenden Aufschriften und eigenem Logo, das ihre Fokker 50 wie die D-AFKY bei der Auslieferung ab Werk erhielten (Lukas Lusser, Zürich, 13.5.92).
CityLine: Eine Marke mit Tradition verschwindet
Lufthansa CityLine ist kein neuzeitliches Spinn-Off für Feederflüge, sondern blickt auf eine lange Geschichte zurück. Sie basiert auf der 1958 durch Jan Janssen and Martin Decker in Emden gegründete OLT Ostfriesische Lufttaxi, die sich 1974 in DLT umbenannte. Schrittweise stieg Lufthansa ab Mitte der 1980er Jahre bei DLT ein, indem sie Anteile an deren Aktienkapital erwarb und DLT zunehmend mit Zubringerflügen unter LH-Flugnummern als Zubringerpartner ab Regionalairports ausbaute. Seit 1988 flog DLT ausschliesslich für Lufthansa, und seit März 1992 nennt sie sich Lufthansa CityLine. Zunächst trat sie unter diesem Namen und mit eigenständigem Logo auf, später folgten abwechselnde Phasen, in denen sie entweder unter der Marke der Mutter Lufthansa, als Team Lufthansa oder als Lufthansa Regional flog. Seit Ende der 2010er Jahre sind die Flugzeuge von Lufthansa CityLine wieder unter der Marke der Mutter mit kleinen «operated by Lufthansa CityLine»-Stickern oder in Star Alliance-Farben mit ebensolchen Stickern unterwegs.
Die Flotte entwickelte sich dabei von Shorts 330 und HS.748 Turboprops über Embraer 120RT Brasilia, Fokker 50, Avro RJ85, Canadair RJ aller Versionen bis hin zu Flugzeugen der Airbus A320-Familie, so etwa die aus den Beständen der Austrian Airlines übernommenen Airbus A319 oder zeitweise sogar Airbus A320neo der Konzernmutter. Zeitweise betrieb Lufthansa CityLine sogar einige Airbus A340-300 in Zweiklassenkonfiguration, die sie für die Konzernmutter auf Langstrecken mit rein touristischem Publikum einsetzte.
unten: Eine gestalterische Ausnahme zeigt die mit dem gepunkteten Lufthansa Regional-Heck der 2000er Jahre und CityLine-Aufschriften fliegende Embraer 190LR D-AECD bei ihrer morgendlichen Landung am Flughafen Kloten (Lukas Lusser, Zürich, 5.6.10).