Swiss plant Flotten-Vereinheitlichung

06.03.2026    Quelle: Swiss International Air Lines         

Das Jahr 2025 beschreibt Swiss International Air Lines als Jahr der «Stabilität im Gegenwind», das von Gegensätzen geprägt war. Der Einflottung des Airbus A350 als neuem Flaggschiffs auf der Kurzstrecke und der Lancierung der Swiss Senses-Kabine steht ein markanter Ergebnis-Einbruch von 26.6%, ein Rückgang des Ertrags pro Passagier (Yield) und ein Anstieg der Kosten gegenüber, was sich teilweise auch aus der eintretenden Normalisierung des Angebots erklärt, das global zunächst nicht mit dem schnellen Nachfrage-Wachstum nach dem Ende der Covid-19-Pandemie mithalten konnte. Diese Effekte laufen nun aber aus, und zusätzlich war das für Swiss World Cargo wichtige Frachtgeschäft 2025 nach einem guten Start von grossen Unsicherheiten im globalen Handel geprägt. Nach einem markanten Einbruch ab dem 2. Quartal sorgte die Aussicht auf Abkommen mit der Trump-Administration über deren verhängte Zölle für eine gewisse Beruhigung, doch bleibt die Unsicherheit bestehen. Ähnliches zeigt sich im Passagiergeschäft mit den USA, wo einer stabilen Nachfrage in den Premiumsegmenten eine nicht bezifferte aber spürbare Volatilität im Economy-Segment gegenübersteht, die auch im laufenden Jahr weiter anhält, wie Heike Birlenbach, Chief Commercial Officer (CCO) der Swiss ausführte.

Mit der Inbetriebnahme des zweiten Airbus A350-941 HB-IFB kann Swiss ab Beginn des Sommerflugplans die Destinationen Seoul Incheon (3x/Woche) und Boston Logan (täglich) mit dem neuen Flugzeugmuster bedienen. Dazwischen führen die beiden A350 regelmässig auch innereuropäische Flüge zur Crew Familiarisation durch (Lukas Lusser, Zürich, 3.3.26).

Erfreulich entwickelte sich 2025 laut Jens Fehlinger, Chief Executive Officer (CEO) der Swiss, bezüglich der in den Vorjahren nicht immer befriedigenden Stabilität und Pünktlichkeit des Betriebs. So erreichte die Stabilität des Flugplans einen Wert von 98%, und die Pünktlichkeit konnte um ganze 4% auf 69.3% aller Flüge gesteigert werden, was Fehlinger als wesentlichen Schritt in die richtige Richtung, aber noch nicht am Ziel angekommen bezeichnet.

Die Resilienz des Betriebs ist immer noch ein Problemkind, denn schon kleine Störungen können sich spürbar auswirken, so dass Wetter, Streiks, EDV-Ausfälle oder vergleichbare Ereignisse zwischen den Tagen mit stabilem Betrieb für einzelne Tage mit gehäuften Problemen wie Flugstreichungen, Verspätungen aus vorhergehenden Flügen und verpassten Anschlüssen sorgen. Hier will Swiss 2026 ansetzen, um weitere betriebliche Verbesserungen zu erzielen. Inwiefern diesem Bestreben die aktuelle Situation im arabischen Raum entgegenwirkt, kann Oliver Buchholzer, Chief Operating Officer (COO) der Swiss, noch nicht abschätzen, da es für eine Auswertung der Lage noch zu früh ist und die Prioritäten gegenwärtig bei der Sicherheit der Mitarbeitenden, der Organisation der Rück- oder Weiterreise festsitzender Passagiere und der Planung alternativer Flugrouten zur Umgehung der Konfliktsgebiete liegt. Da die Nahost-Region ein wichtiger Markt insbesondere für Transitpassagiere ist, schmerzen Flugstreichungen und annullierte Reisepläne Swiss jedoch bereits, wie Birlenbach sagt.

Steigende Kosten drücken auf Ergebnis

In Zahlen präsentierte Dennis Weber, Chief Financial Officer (CFO) der Swiss, das Jahr 2025 folgendermassen: Swiss konnte die angebotenen Sitzkilometer um 1,5% auf run 32'039 Millionen steigern, woraus ein leicht gesunkener Sitzladefaktor von 83,3% (-0,8%) resultierte. Insgesamt wurden mit 18,1 Millionen Passagieren 0,6% mehr Fluggäste befördert als im Vorjahr. Aufgrund des um rund 3% gesunkenen Ertrags (Yield) sowie der gestiegenen Kosten resultierte ein operativer Ertrag von 5,5 Milliarden Franken (-2,6% zum Vorjahr), den die 9603 Mitarbeitenden (+1%) erzielten. Während stabile, günstige Treibstoffkosten sich auf das Ergebnis 2025 positiv auswirkten, drückten höhere Kosten bei Umweltauflagen (+78%), Flugsicherung (+6%), Catering (+6%) und Personal (+5%) auf das Ergebnis. Im Endeffekt weist Swiss für 2025 einen um 26,6% auf 502,2 Millionen Franken geschrumpften Gewinn vor Steuern (EBIT) aus.

Im Sommerflugplan 2026 muss Swiss ihre Kapazitäten wiederum mit HIlfe von Wet-Lease-Partnern erweitern. So wird Helvetic Airways mit bis zu 19 Flugzeugen wie der Embraer 195AR HB-JVJ für Swiss fliegen. Unsicher präsentiert sich dagegen die längerfristige Zukunft der Airbus A220-300 HB-JCB und ihrer Schwestern bei Swiss. Gerüchteweise sollen sie der neuen Strategie einer Einheitsflotte im Europaverkehr zum Opfer fallen (Lukas Lusser, Zürich, 3.3.26).

Kosteneinsparung durch Flottenvereinheitlichung

Als vielleicht wegweisendste Ankündigung der Bilanzpressekonferenz führte Oliver Buchholzer aus, dass zur Zeit intensive Planungen und Szenarien durchgeführt werden, um die Komplexität der Flotte durch eine Standardisierung auf weniger eingesetzte Flugzeugmuster zu verringern. Konkret plant Swiss, im Langstreckensegment anstelle der gegenwärtig drei Typen (A330-300, A350-900 und Boeing 777-300ER, die demnächst ausscheidenden A340-300 nicht mehr mitgezählt) in Zukunft nur noch zwei verschiedene Typenmuster einzusetzen. Noch radikaler setzt Swiss bei der Europaflotte an: Diese soll in Zukunft nur noch aus einer Typenfamilie bestehen, dies anstelle des gegenwärtigen Mixes aus Airbus A220-100/300 und der A320-Familie (gegenwärtig sowohl CEO wie NEO). Mit entsprechenden Fragen konfrontiert, wollte Buchholzer noch keine Angaben dazu machen, welches Muster ausscheiden wird, er bestätigte aber, dass noch im laufenden Jahr 2026 ein Entscheid hierzu bekannt gegeben werden solle, da gegenwärtig noch mehrere verschiedene Szenarien in vertiefter Prüfung und Berechnung seien. Eine Umsetzung der Flottenvereinheitlichung werde sich angesichts der Lieferfristen und gruppeninterner Verfügbarkeiten aber sowieso bis «tief in die kommende Dekade» hinziehen, so Buchholzer auf entsprechende Nachfragen.

Kommt das Ende für die Swiss A220?

Gegenwärtig bleibt es reine Spekulation, für welches Europa-Muster sich Swiss schliesslich entscheiden wird. Zu bedenken ist aber, dass die A320neo/A321neo grösser und neuer als die A220 sind und in Vergangenheit und Gegenwart auch (etwas) weniger Probleme bezüglich der Triebwerke machen. Unter diesem Gesichtspunkt scheinen die Ausführungen von Buchholzer den bereits seit einigen Wochen in Fachmedien kursierenden Gerüchten neue Nahrung zu geben, dass die Zukunft der A220 bei Swiss in Frage gestellt sei.

Falls dem so wäre, stellt sich aber eine auch politisch gefärbte Anschlussfrage: Welche Auswirkungen hätte eine Trennung von der A220 für den Swiss-Standort Genf? Dort wurde die Airline in Vergangenheit nicht müde zu betonen, dass einzig die A220 die notwendige Wirtschaftlichkeit und Grösse biete, um im hart umkämpften Flugreisemarkt der Romandie ein tragbares Angebot in Konkurrenz zu den Low-Cost-Airlines wie EasyJet anbieten zu können. 

Wie steht es um die Triebwerksproblematik und Neuauslieferungen?

Bekanntlich werden die neun Einheiten der kleineren Version A220-100 sowieso bereits zum Sommerflugplan 2026 - offiziell vorübergehend - stillgelegt, damit ihre Triebwerke für stillstehende Einheiten der grösseren Version A220-300 genutzt werden können (die Aggregate sind grundsätzlich baugleich und über die Leistungselektronik auf die unterschiedlichen Versionen eingestellt). Laut Buchholzer reichen die durch die Stilllegung der A220-100 verfügbaren zusätzlichen Triebwerke aber nicht aus, um alle 21 A220-300 wieder in die Luft zu bekommen. 

Etwas entspannt habe sich die Situation aber mittlerweile bei den Triebwerken der A320neo und A321neo, wo er angesichts der geplanten Wartungsfenster der Triebwerke damit rechnet, dass im Sommer 2026 idealerweise nur noch einzelne Einheiten zeitweise und für überblickbare Zeiträume am Boden bleiben müssen. Die grössere Herausforderung liegt laut Oliver Buchholzer mittlerweile darin, dass Swiss immer noch zuwenig Cockpitcrews für die A320-Familie und zu viele Piloten für den Airbus A220 im Bestand hat, was sich aus Gründen der Seniorität, Ausbildungsperioden und Schulungskapazitäten auch nicht einfach von heute auf morgen ändern lasse.

Weiterhin viele Wet-Leases

Angesichts der Triebwerksproblematik sieht sich Swiss aber weiterhin gezwungen, ihre Europaflotte durch den Einsatz von Flugzeugen ausgewählter Wet-Lease-Partner zu verstärken. Für die nachfragestarken Sommerferienzeit rechnet Swiss derzeit mit nicht weniger als 27 Flugzeugen, die im Wet-Lease für sie fliegen werden: 19 Embraer-Jets der Helvetic Airways und bis maximal acht Airbus A220-300 der Air Baltic sollen die Lücken in den eigenen Reihen schliessen. 

Flottenzugänge sollten zudem die Problematik der fehlenden Triebwerke und Flugzeuge im Laufe des Jahres etwas mildern. Für 2026 rechnet Swiss derzeit mit der Auslieferung von drei weiteren A350-900 sowie fünf Flugzeugen der A320neo-Familie. Die exakten Lieferdaten sind abhängig von der Triebwerksproduktion und den Lieferketten weiterer Zulieferer, etwa für Kabinenelemente.