Abschied der DC-8 bei Samaritan's Purse
11.03.2026 Dennis Deis / Sebastian Leuchter
Die DC-8-72CF N782SP, flankiert von ihrer Nachfolgerin bei Samaritan's Purse, der B767-381F N367SP an der Basis am Piedmont Triad International Airport in Greensboro (Dennis Deis, Greensboro, 20.11.25).
Samaritan’s Purse ist eine evangelische Hilfsorganisation mit Sitz in Boone (North Carolina). Seit 1975 befördert sie Ärzte und Hilfskräfte sowie große Mengen von Nahrungsmitteln, Medikamenten, Materialien für Unterkünfte, Decken und anderen Gütern mit Flugzeugen, um Opfern von Naturkatastrophen, Kriegen, Hungersnöten und anderen Notfällen zeitnah und effektiv zu helfen.
Seit 55 Jahren gibt es die Hilfsorganisation in den USA - der Auftrag, im Namen von Jesus Menschen in Not zu helfen und dabei zur Ausbreitung ihrer Auslegung des christlichen Glaubens beizutragen - sei die Initiative der Organisation seit ihrer Gründung im Jahre 1970. Weitere Niederlassungen gibt es in Australien, Deutschland, Großbritannien und achtzehn weiteren Ländern. Der deutschsprachige Verein existiert seit 1963, damals auch unter dem Namen „Geschenke der Hoffnung“ bekannt. Zu Samaritan’s Purse gehört er seit 2016. Seit Januar 2019 nennt sich der deutsche Partner Samaritan's Purse e.V. – Die barmherzigen Samariter - und ist damit offiziell ein Teil des internationalen Netzwerks. Mehr als fünftausend Menschen arbeiten weltweit für die Hilfsorganisation, achthundert davon allein am Hauptsitz in Boone. Präsident der Organisation ist seit 1979 Franklin Graham, der Sohn des Predigers Billy Graham (er verstarb 2018 im Alter von 100 Jahren). Die Gründung von Samaritan’s Purse erfolgte schon zuvor im Jahr 1970 durch den Evangelist und Journalist Robert „Bob“ Willard Pierce, der bereits 1950 World Vision gegründet hatte. Nach dem Vorbild des barmherzigen Samariters wollte man Menschen in Not und Verzweiflung helfen. 1973 lernten sich Pierce und Franklin Graham kennen und bereisten in der Folgezeit weltweit eine Vielzahl notleidender Regionen. 1977 wurde World Medical Mission, ein Kurzzeitprogramm für medizinische Hilfe, als Betätigungsfeld von Samaritan’s Purse etabliert. 1979, ein Jahr nach dem Tod von Pierce, wurde Graham Präsident und Chairman of the Board von Samaritan’s Purse. In den 80er Jahren organisierte Samaritan’s Purse internationale Hilfseinsätze unter anderem in Kenia, Honduras und Bangladesch. 1993 stieg die Organisation in das Projekt Operation Christmas Child ein, eine weihnachtliche Geschenkaktion, die ein walisischer Geschäftsmann 1990 ins Leben gerufen hatte. Die jährliche Sammlung von Päckchen findet seitdem unter dem Namen „Weihnachten im Schuhkarton“ auch in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Lichtenstein statt.
Um die Arbeit von Samaritan's Purse weltweit zu unterstützen, betreibt der firmeneigene Luftfahrtzweig mehr als zwanzig Flugzeuge, darunter drei Hubschrauber, die an strategischen Standorten stationiert sind. Die verschiedenen Flugzeuge werden speziell für laufende Hilfs- und Entwicklungsarbeiten in abgelegenen Gebieten eingesetzt und sind im Katastrophenfall kurzfristig und schnell einsatzbereit.
Das Samaritans Purse Airlift Response Center (SPARC) befindet sich am Flughafen Piedmont Triad International Airport in Greensboro, North Carolina. Seit 2016 hat die internationale, christliche Hilfsorganisation von dort aus über 5000 Tonnen Fracht auf 218 Flügen in 42 Länder geflogen. Die aktuelle Einrichtung wurde im November 2021 eröffnet. Das Reaktionszentrum bietet Wartungspersonal Platz für eine breite Palette von Wartungsarbeiten an der eigenen Flotte – unter anderen auch Triebwerkswechsel, was die Reaktionszeiten (24 Stunden) für Hilfseinsätze deutlich verkürzt.
Die Einrichtung beschäftigt 25 Vollzeitmitarbeiter, darunter Piloten, Flugingenieure, Lademeister, Wartungspersonal sowie 20 zusätzliche Teilzeit- und Bereitschaftskräfte. Das über 5.400 Quadratmeter große Reaktionszentrum umfasst einen 4.400 Quadratmeter großen Hangar mit einem kleinen Lager und rund 620 Quadratmeter Bürofläche. Der Firmenbetrieb konzentriert sich auf die Wartungseinrichtungen am Piedmont Triad International Airport sowie auf zusätzliche Hangaranlagen am Wilkes County Airport bei Wilkesboro. Dort errichtete der Bundesstaat North Carolina 2019 für 1,5 Millionen Dollar einen Rollweg, um den zweiten Hangar der Organisation bedienen zu können.
Nach dem letzten Einsatz der DC-8-72CF N782SP wird diese von verschiedenen Mitarbeitenden von Samaritan's Purse vor dem firmeneigenen Hangar am Piedmont Triad Airport in Greensboro mit einer Zeremonie verabschiedet - ein sehr emotionaler Moment für alle Anwesenden. Im Hangar zu sehen ist die Boeing 757-225PCF N783SP (Dennis Deis, Greensboro Piedmont Triad Intl., 21.11.25).
Samaritan’s Purse betreibt aktuell zwei größere Frachtflugzeuge – eine Boeing 757-200F und die größere Schwester, eine Boeing 767-300F. Diese ermöglichen es, innerhalb kürzester Zeit tonnenweise Hilfsgüter, darunter Feldlazarette, Material für Unterkünfte und Wasserfiltersysteme, an jeden Ort der Welt zu fliegen.
Die Flotte wurde Ende 2025 erneuert. Die Boeing 767-381F N367SP, die im Juli 2025 von Arizona in ihre neue Heimat Greensboro überführt wurde, ersetzte dabei die zuvor eingesetzte DC-8-72CF N782SP. Zusätzlich zur Boeing 767 verfügt Samaritan's Purse seit 2022 auch über die 1985 ursprünglich an Eastern Airlines ausgelieferte Boeing 757-225PCF (Precision Converted Freight) N783SP, um die Kapazitäten für die weltweite Lieferung dringend benötigter Hilfsgüter weiter zu erhöhen. Das Flugzeug kann bis zu dreißig Tonnen Fracht transportieren, der Frachtraum entspricht dem Platz von drei Sattelschleppern. Mit 15 verschiedenen Palettenpositionen bietet die 757 vielseitigen Laderaum.
Die Boeing 767-381F N367SP nach der Landung an ihrer neuen Heimbasis in Greensboro, North Carolina. Sie wurde im Februar 2006 vom Hersteller bereits als Frachter mit der Registration JA603F an ANA ausgeliefert, stand aber nur knappe fünf Jahre in Japan im Einsatz. Danach diente sie ab Februar 2011 13 Jahre lang bei Express Freighters Australia als VH-EFR (Dennis Deis, Greensboro Piedmont Triad Intl., 20.11.25).
Die bei Samaritan‘s Purse liebevoll genannte „Mighty DC-8“ trat nach zehn Jahren zuverlässigen Dienst ihren verdienten Ruhestand an und musste der Boeing 767 weichen. Der Achter wurde Mitte Dezember an seinen finalen Ruheort nach Lynchburg, Virginia überführt und dort offiziell ausgemustert und an die Liberty Universität übergeben, wo sie zukünftig der Nachwelt erhalten bleibt und den Studenten zur Verfügung gestellt wird. Seit ihrem Erstflug im Jahr 2016 nach Ecuador hat die McDonnell Douglas DC-8-72CF „N782SP“ über zweihundert Einsätze geflogen und dabei knapp 4000 Tonnen an Hilfsgütern transportiert. Der Vierstrahler ist eine der selteneren Kombiversionen, der im hinteren Teil des Rumpfes Platz für 32 Passagiere bietet. Für die Zukunft sucht man einen reinen Passagierjet, um Personal, Missionare, Crew oder auch Mechaniker in die Katastrophengebiete fliegen zu können. Nach der DC-8-Ausmusterung muss man vorerst auf Linienflugzeuge zurückgreifen, was sich negativ auf die Reaktionszeit einer wichtigen Missionen auswirken kann.
Zur Flotte gehören außerdem Hubschrauber (Bell 206), Propeller- und Leichtflugzeuge (Cessna 172/182E/208/408, CASA 212, Beechcraft 200/300, DHC-3) sowie eine DC-3 (in Kenia stationiert). Diese Flugressourcen ermöglichen es, Menschen in verarmten Dörfern Afrikas, isolierten Gemeinden Alaskas, abgelegenen Pazifikinseln und vielen anderen schwer erreichbaren Gebieten weltweit zu helfen. Wenn eine Katastrophe eintritt und die Menschen um Hilfe rufen, zählt jede Sekunde, deshalb ist die Luftfahrt seit langem ein unverzichtbares Instrument und fester Bestandteil für die Arbeit von Samaritan's Purse. Man ist dadurch darauf spezialisiert, weltweit schnell auf Notfälle zu reagieren und man dankt Gott für Ressourcen der Frachter, die diese Missionen erst möglich machen. Bei Bedarf chartert man größeres Fluggerät dazu, um Kapazitätsengpässe zu verhindern. So kam bei dem Erdbeben in Myanmar im Frühling 2025 eine 747-400F zum Einsatz, die hundert Tonnen Hilfsgüter von South Carolina nach Asien transportierte.
Die Douglas DC-8-72 N782SP war aufgrund ihrer Kombi-Ausstattung für die Zwecke von Samaritans Purse perfekt. Im hinteren Teil des Rumpfes bot sie Platz für 32 Passagiere, um Personal, Missionare, Crew oder auch Mechaniker in die Katastrophengebiete fliegen zu können (Bild oben), während im davor angelegten Frachtraum die benötigten Hilfsgüter transportiert wurden (Bild unten). Da die nun eingesetzten B757 und B767 als Vollfrachter konzipiert sind und das Personal daher mittels Linienflugzeuge in die Einsatzgebiete reisen muss, sucht Samaritans Purse zusätzlich einen Passagierjet für die eigene Flotte (Beide Bilder Dennis Deis, Greensboro Piedmont Triad Intl., 20./21.11.25)
Die Organisation ist spezialisiert auf Not-, Wiederaufbau- und medizinische Hilfe und setzt sich auch viel für Obdachlose und Frauen in Zwangsprostitution ein. Nach eigenen Angaben führt Samaritan’s Purse in mehr als hundert Ländern medizinische Einsätze und Katastrophenhilfe durch. In der Forbes-Rangliste der 100 größten amerikanischen Wohltätigkeitseinrichtungen erreichte Samaritan’s Purse 2017 Platz 22, der Charity Navigator bewertete die Organisation seit 2000 mit vier von vier Sternen.
Die Aufgabengebiete von Samaritan’s Purse sind sehr vielfältig. So besitzt die Organisation beispielsweise ein mobiles Krankenhaus, das innerhalb weniger Tage in Krisengebieten vor Ort sein kann. Auch die Bereiche Wasser, Sanitär und Hygiene sowie Ernährungssicherheit, Bildung und die Unterstützung religiös verfolgter Minderheiten stehen auf der Agenda des Vereins.
Wenn Naturkatastrophen Menschen unvorbereitet aus ihrem Leben werfen, ist man da, um zu helfen. Die Katastrophenhilfe ist durch die langjährige Erfahrung schnell, unkompliziert und professionell – dank der weltweiten Spenden ist es möglich, innerhalb kürzester Zeit Hilfsgüter und ausgebildete Katastrophenhelfer in die betroffenen Krisengebiete zu bringen, medizinische Hilfe zu leisten oder Wiederaufbau voranzutreiben. Man unterstützt Opfer von Krieg, Armut, Naturkatastrophen, Krankheit, Hunger oder religiöser Verfolgung ungeachtet ihrer Weltanschauung, religiöser Überzeugung, ethnischer Zugehörigkeit, ihres Geschlechts oder anderer Persönlichkeitsmerkmale.
Hauptaktivitäten und Hilfsaktionen:
Samaritan’s Purse gliedert seine Aktivitäten in sogenannte Ministry Projects (Werke im Sinne der Nächstenliebe und Barmherzigkeit) auf.
- US Disaster Relief, International Crisis Response und Crisis & Disaster Response - Hier werden Personal, Freiwillige und Ausrüstungen bereitgestellt, um auf Krisen und Katastrophen in den Vereinigten Staaten und weltweit zu reagieren.
- World Medical Mission - Seit 1977 wird medizinisches Personal unterstützt, um in Kurzzeiteinsätzen auf freiwilliger Basis medizinische Nothilfe zu leisten. Auch medizinisches Notfallequipment wird hier bereitgehalten.
- Operation Christmas Child (dt.: Weihnachten im Schuhkarton)
Seit 1993 organisiert dieses Werk jährlich die Sammlung und Verteilung von Weihnachtsgeschenken; nach eigenen Angaben wurden seither mehr als 157 Millionen Kinder in über 160 Ländern erreicht - Children’s Heart Projekt - Kinder aus Regionen ohne ausreichende medizinische Infrastruktur werden seit 1997 in fachlich geeigneten Krankenhäusern behandelt. Oft werden für diese Eingriffe Auslandsaufenthalte arrangiert.
- The Greatest Journey (dt.: Die größte Reise)
Diese Glaubenskurse, die sich an Kinder richten, existieren seit 2009. Sie sind ein Folgeangebot zur Operation Christmas Child. - Operation Heal Our Patriots - Das Projekt richtet sich seit 2012 an aktive oder ehemalige Angehörige der amerikanischen Streitkräfte sowie deren Ehefrauen. Samaritan’s Purse unterstützt sowohl die medizinische Versorgung von Kriegsverletzungen aus US-Militäreinsätzen als auch die soziale Wiedereingliederung der ehemaligen Militärangehörigen im Heimatland bis hin zur Hilfe für deren Ehen.
Im Zuge medizinischer und Katastrophenhilfe werden weltweit Einsätze durchgeführt. So war Samaritan’s Purse unter anderem tätig:
- in Uganda und Ruanda im Zuge des Völkermords in Ruanda,
- im Kosovo im Zusammenhang mit dem Kosovokrieg,
- in Afghanistan im Zuge des dortigen Krieges,
- im Irak nach dem Krieg,
- im Sudan, im Südsudan und in Darfur im Zuge des Darfur-Konflikts,
- in Haiti nach dem Erdbeben von 2010,
- in Japan nach dem Tsunami 2011,
- in Liberia im Zuge der Ebola-Epidemie,
- in Nepal nach dem Erdbeben von April 2015,
- auf Lesbos im Zuge der Flüchtlingskrise ab 2015,
- in der Karibik nach der Hurrikansaison 2017
- in Bangladesch im Zuge der medizinischen Nothilfe für geflüchtete Rohingya aus Myanmar,
- in Italien im Zuge der COVID-19-Pandemie,
- in Polen im Rahmen der humanitären Hilfe während des Krieges in der Ukraine nach der russischen Invasion 2022 (Lieferung eines Feldlazaretts).
Samaritan's Purse bietet zudem Ernährungsprogramme und -projekte an, um hungernden Menschen, insbesondere Kindern, weltweit zu helfen. Dies erfolgt durch die Bereitstellung von Mahlzeiten und die Förderung nachhaltiger Landwirtschaft sowie die Aufklärung über landwirtschaftliche Techniken. Durch Spenden können Mahlzeiten für hungernde Familien bereitgestellt werden, beispielsweise in Ländern wie Sri Lanka. Man bietet nährstoffreiche und verzehrfertige Ergänzungsnahrung (RUSF) an, um akute Mangelernährung zu bekämpfen, sowie Grundnahrungsmittel wie Reis, Bohnen, Soja und Mais. Samaritan's Purse nutzt MANA-Produkte für Ihre Einsätze, eine kalorienreiche und vitaminangereicherte Mischung aus Erdnüssen, Milchpulver, Zucker, Öl und Vitaminen, die etwa 535 Kilokalorien pro Packung liefern und zur Bekämpfung von Unterernährung entwickelt wurden. Eine Packung wird täglich zur Ergänzung einer unterernährten Person verwendet, eine Tonne ergibt etwa 10.000 Packungen.
Kooperationen
Samaritan’s Purse arbeitet auch häufig mit Organisationen der Vereinten Nationen zusammen. Hierzu gehören das Welternährungsprogramm (UNWFP), dem Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Auch mit der United States Agency for International Development (USAID) arbeitet Samaritan’s Purse zusammen.
Finanzen
Zum Ende des Jahres 2023 weist die Organisation eine Bilanzsumme von 1,826 Mrd. US-Dollar (USD) bei Erlösen von 1,237 Mrd. USD und Aufwendungen 1,052 Mrd. USD im abgelaufenen Jahr aus. Der verbleibende Jahresüberschuss wird mit 185 Mio. USD im geprüften Consolidated Financial Statements and Supplemental Schedule ausgewiesen.
Weitere Bilder des Besuchs von Dennis Deis und Sebastian Leuchter bei Samaritan's Purse, inkl. einer Mitfluggelegenheit, finden sich in der eigens angelegten Galerie.
Unten: Vor ihrem Rückflug zur Basis in North Carolina geniessen die DC-8-72CF N782SP und ihre Crew die Sonne Floridas am Flughafen von Daytona Beach (Dennis Deis, 21.11.25).