Ein Besucher aus der Vergangenheit am EAP
30.01.2026
Zwischen 1987 und 1992 baute der US-Flugzeughersteller McDonnell Douglas 76 Einheiten der auf der erfolgreichen MD-80 basierenden MD-87, ursprünglich noch als DC-9-87 bezeichnet. Mit ihrem verkürzten Rumpf und der daraus resultierenden grösseren Reichweite sollte sie speziell längere Strecken ohne Abstriche in der Zuladung absolvieren können und so etwa für Urlaubsflüge zwischen Europa und Nordafrika oder den Kanaren sowie für Linienflüge zwischen Skandinavien und Südeuropa attraktiv sein. Unter den Bestellern des Modells fanden sich demzufolge denn auch bekannte Namen wie Iberia (mit 24 Stück zugleich die grösste Bestellerin), SAS Scandinavian Airlines (18 Stück), Finnair (3 Stück), Transwede (2 Stück), Austrian Airlines (5 Stück), CTA (4 Stück) und Aero Lloyd (4 Stück). Ausserhalb Europas war der Erfolg überblickbar: In Japan übernahm JAS Japan Air System insgesamt acht Stück und in den USA betrieb Midway Airlines ebenfalls acht Stück.
Viele dieser Jets fanden nach der Ausmusterung bei ihren ursprünglichen Bestellern weitere Betreiber, so etwa bei Aeromexico, Great American Airways, Reno Air und nach deren Übernahme American Airlines, Spanair, Spirit Airlines, Venus Air oder wurden umgerüstet als Privatjets weiter betrieben. Heute jedoch sind nur noch elf MD-87 weltweit als aktiv in den Registern verzeichnet: Drei stehen noch als Verkehrsflugzeuge im Iran im Dienst, sechs wurden zu Löschflugzeugen umgebaut und werden heute durch Erickson Air Tanker in Madras, Oregon betrieben, und zwei sind noch als VIP-Flugzeug unterwegs. Eine MD-87 der letztgenannten Kategorie besuchte als unerwarteter Gast im Umfeld des World Economic Forum 2026 den Basler EuroAirport. Die 1989 gebaute MD-87 mit der Baunummer 49767 trägt heute das Kennzeichen N721MN und steht seit 2024 für die Investmentfirma Bernstein Equity Partners/AllianceBernstein aus Nashville, Tennessee und deren CEO Seth P. Bernstein im Einsatz.
Bei der Ankunft am EuroAirport demonstriert die als Privatjet für Bernstein Equity Partners eingesetzte MD-87 N721MN bei perfekten Bedingungen eine Landung wie aus dem Lehrbuch - bei ihrem Abflug vier Tage danach zeigte sich dann das Wetter wesentlich trüber. Ihr Alter von mittlerweile doch schon über 36 Jahren sieht man dem gepflegten Oldie aus dem Hause McDonnell Douglas nicht an (Christian Brechbühl, Basel, 19.1.26).
Ein Blick in die Vorgeschichte des Flugzeugs zeigt einige frühere Berührungspunkte zur Region. Gebaut wurde die MD-87 ursprünglich als D-ALLI für die deutsche Urlaubsairline Aero Lloyd, wo sie ab dem 5. Mai 1989 bis zur Betriebseinstellung infolge Insolvenz am 16. Oktober 2003 im Einsatz stand. Nach einigen Monaten der Inaktivität wurde sie im November 2005 vom Golden Nugget Casino in Las Vegas erworben und zum exklusiven Firmenflugzeug umgerüstet. Wie in der Branche üblich, nutzte das Golden Nugget die nunmehr als Privatjet unter dem Kennzeichen N721EW fliegende MD-87 dazu, sogenannte «High Rollers» auf Kosten des Hauses einzufliegen, also regelmässige Kunden des Casinos, die bei ihren Besuchen mit sehr hohen Einsätzen spielen, unbestätigten Beobachtern der Szene gemäss je nach Casino mit einem Minimaleinsatz von 150'000 bis 300'000 Dollar.
oben: In ihren Anfangszeiten flog die MD-87 als D-ALLI bei Aero Lloyd Feriengäste an europäische Warmwasserziele. Ein Subcharter für Jet Alsace brachte das damals erst fünf Jahre alte Flugzeug im Sommer 1993 ausnahmsweise an den EuroAirport, wo sein Bild zufälligerweise am selben Ort entstand wie die aktuelle Aufnahme des WEF 2026 (Lukas Lusser, Basel, 19.6.93).
unten: Nach ihrem Kauf durch das Golden Nugget Casino erhielt die MD-87 N721EW nicht nur ein neues Interieur, sondern auch ein diskretes äusseres Erscheinungsbild (Lukas Lusser, Phoenix, 24.3.97).
Nach dem Erwerb des Golden Nugget durch die MGM Mirage Casino-Gruppe im Frühjahr 2001 wechselte ihr Kennzeichen zu N721MM, während die Aufgabe der MD-87 unverändert blieb. im Jahr 2005 wurde sie wohl aus steuerrechtlichen Gründen als VP-CNI an die Corporate Aviation Holding auf den Cayman-Inseln überschrieben, flog aber weiterhin im Auftrag von MGM Mirage. Im April 2020 schliesslich wurde sie an die ebenfalls auf den Cayman-Inseln ansässige Augusta Aviation veräussert und weltweit als Privatjet vermarktet. Unter dem neuen Kennzeichen VP-CAA besuchte sie auf einem Privatflug an einem späten Dezemberabend 2021 einmal auch Zürich. Im September 2023 wurde sie von Augusta Aviation ausser Dienst gestellt und rund ein Jahr später von der Treuhänderin BD MD-87 Llc. aus Longwood, Florida, im Auftrag der Bernstein Equity Partners erworben.
unten: Der Flug für die AllianceBernstein an das World Economic Forum 2026 war nicht der erste Besuch im Rahmen eines WEF, der die MD-87 in die Schweiz geführt hat. Bereits 2009 stattete sie als VP-CNI von Corporate Aviation Holding für MGM Mirage betrieben dem Flughafen Zürich einen Besuch ab (Lukas Lusser, Zürich, 29.1.09).