FAA verlangt Inspektionen an Boeing 717-Fahrwerken

12.12.2025    Quelle: Simple Flying         

Am 28. Juni 2023 musste eine Delta Boeing 717-200 in Charlotte, North Carolina, eine Notlandung durchführen, weil sich das Bugfahrwerk weder hydraulisch noch manuell ausfahren liess. Bei der anschliessenden Untersuchung des Zwischenfalls stellte sich heraus, dass am Befestigunspunkt des Fahrwerks ein Ermüdungsbruch aufgetreten war, der auf Werkzeugspuren und Kratzer zurückzuführen war, die bei früheren Arbeiten entstanden waren und sich im Laufe der vielen folgenden Flugzyklen ausgeweitet hatten. Das in seinem Grunddesign auf die McDonnell Douglas DC-9 zurückzuführende Flugzeugmuster, ursprünglich als MD-95 lanciert und im Verlauf der Fusion von McDonnell Douglas mit Boeing in Boeing 717-200 umbenannt, steht derzeit noch mit kanpp 100 aktiven Einheiten bei Delta Air Lines und Hawaiian Airlines im Einsatz, wobei sich durch die naturgemäss kurzen Flüge zahlreiche Zyklen ansammeln. Die betroffene Boeing 717-2BD N955AT der Delta Air Lines hatte zum Zeitpunkt des Zwischenfalls total 41'000 Flugzyklen absolviert.

Insgesamt 80 Boeing 717-200 stehen derzeit bei Delta Air Lines im Einsatz, wobei sie hauptsächlich an der US Ostküste und im Mittleren Westen eingesetzt werden. Betrieben werden sie ab den Basen Atlanta Hartsfield International Airport, Detroit Metropolitan Wayne County Airport, und Minneapolis-St. Paul International Airport. Sie stiessen wie die Boeing 717-2BD N893AT bei der Übernahme von AirTran durch Delta Air Lines zur Flotte (Lukas Lusser, San Francisco, 23.7.19).

Die Erkenntnisse des Zwischenfalls von 2023 haben die Federal Aviation Administration (FAA) dazu veranlasst, eine Air Worthiness Directive (AD) herauszugeben, in der nun häufige, regelmässige Inspektionen des fraglichen Befestigungsmechanismus mittels Messung von Kriechströmen und Ultraschall angeordnet werden. Das FAA geht davon aus, dass das Problem auch bei anderen Flugzeugen des Typs auftreten könnte, insbesondere da die Boeing 717-200 bei Delta Air Lines und mehr noch bei Hawaiian Airlines teilweise bereits seit durchschnittlich 25 Jahren im Dienst steht und zahlreiche Zyklen absolviert hat. Als Beispiel sei die Boeing 717-22A N481HA «Alauahio» genannt, die im Juli 2001 an Hawaiian ausgeliefert wurde. Nach Ausbruch der Pandemie nahm Hawaiian sie als erste ihrer 20 Boeing 717 anfangs August 2020 ausser Betrieb und brach sie inzwischen ab. Sie hatte in den knapp 20 Dienstjahren bei gesamthaft 28'600 Flugstunden total 66'200 Zyklen (1 Start und 1 Landung = 1 Zyklus) absolviert. 

Die vom FAA nun erlassene AD tritt am 2 Januar 2026 in Kraft. Das Luftamt schätzt, dass einer der geforderten Inspektionszyklen jeweils Kosten in Höhe von rund 50'000 US Dollar verursachen dürfte. Die Pflicht zur Durchführung der Inspektionen fällt jedoch dahin, wenn der Befestigungsmechanismus des Bugfahrwerks durch ein neues Bauteil ersetzt wird, was pro Flugzeug Kosten von rund 20'000 Dollar verursachen würde. Bei geschätzten jährlichen Unterhaltskosten von rund 2,5 Millionen Dollar pro Flugzeug erscheinen diese Kosten zwar gering, doch belasten sie in der Summe die Betreiber doch spürbar. Beide Airlines haben sich bisher nicht zu einem Datum geäussert, bis zu welchem sie das Muster ersetzen wollen, und insbesondere für den Markt der hawaiianischen Inselhüpfer-Flüge hat sich Hawaiian noch für kein passendes modernes Muster entschieden.

Durch die vielen kurzen Flugzyklen - inklusive dem damit verbundenen Handling am Boden - sind insbesondere die Fahrwerke der Hawaiian Airlines Boeing 717 einer starken Beanspruchung ausgesetzt. Typischerweise sind die Flüge zwischen den Inseln des Archipels, die die Boeing 717-22A N478HA und ihre heute noch 18 Schwestern durchführen, nur zwischen 20 und 30 Minuten lang (Lukas Lusser, Kahului/Maui, 7.12.03).