SmartLynx Airlines am Ende - über 30 Flugzeuge gegroundet
27.11.2025
Mit fast 240 Millionen Euro Schulden bei mehr als 800 Gläubigern hat SmartLynx Airlines den Betrieb Anfang November 2025 einstellen müssen. Seit dem 24. November 2025 befindet sich die lettische Airline in Liquidation, während die Schwestergesellschaften in Malta und Estland weiter bestehen bleiben sollen. Allerdings befinden sich auch die in Malta und Estland registrierten Maschinen derzeit alle am Boden. SmartLynx Airlines gehört zur Avia Solutions Group mit Sitz in Dublin, welche weltweit im Bereich der Charterfliegerei tätig ist.
Der Niedergang von SmartLynx Airlines hatte sich schon länger abgezeichnet. Die Airline verlor schon im Laufe des Jahres 2024 mehrere wertvolle ACMI-Aufträge, in deren Rahmen sie zahlreiche Flugzeuge unter anderem an Condor, TUI oder auch AnadoluJet (heute AJet) vermietet hatte. Immer wieder war von sehr tiefen Standards in der Kabine oder auch bei den Löhnen des Personals die Rede, was bei den Passagieren sowie bei der Belegschaft diverser westeuropäischer Airlines auf wenig Gegenliebe stiess.
oben: So ist man sich die Flugzeuge von SmartLynx gewohnt - der Airbus A320-232 ES-SAY des estnischen Ablegers SmartLynx Airlines Estonia war auf einem Subcharter-Einsatz für TUI Airways UK in Manchester zu sehen (Joel Vogt, Manchester, 6.5.22).
unten: Wie viele europäische Konkurrenten hat sich auch EasyJet bei Flottenengpässen beim lettischen ACMI-Spezialisten Smartlynx Airlines bedient. Während des Sommerflugplans 2022 kam der A320-232 YL-LDD in der üblichen europäischen ACMI-schneeweissen Bemalungsvariante auf dem Streckennetz des Lowcosters zum Einsatz. Immerhin erhielt er im hinteren Rumpfsegment kleine EasyJet-Zusatzaufkleber (Francesco Frasa, Zürich, 28.4.22).
In der Summe betrieben die SmartLynx Airlines in Lettland, Estland und Malta zuletzt knapp über 30 Flugzeuge, die meisten davon Airbus A320 und A321. Eine einzelne Boeing 737-8 MAX kehrte erst im September 2025 von ihrem mietweisen Einsatz bei AJet zurück und ist bereits für die Übergabe an die britische Ascend Airways vorgesehen. Der Grossteil der Flotte befindet sich auf diversen Flughäfen in Europa abgestellt, während zwei an Air Peace vermiete Airbus A320 in Lagos gestrandet sind, einer davon erst noch mit einem Triebwerkschaden. Ein weiterer A320 befindet sich in Ho-Chi-Minh-City.
Gegründet wurde die Airline im Jahr 1992 als LatCharter. 1993 nahm sie den Flugbetrieb mit Tupolev Tu-134 auf. Später stiessen mehrere Yakovlev Yak-42 sowie 2003 ein erster Airbus A320 zur Flotte. Seit 2008 ist die Airline als SmartLynx bekannt, was sich auch in einer gefälligen Lackierung äussert. Leider waren Flugzeuge in voller Lackierung von SmartLynx nur selten zu sehen. Oftmals erhielten die vermieteten Flugzeuge nur hastig angebrachte Titel und Logos der jeweiligen Airline. Nur zu oft waren die Flieger bei SmartLynx hingegen ganz in Weiss unterwegs.
Die Tupolev 134B-3 YL-LBG der LatCharter gehörte mit Baujahr 1980 zu den jüngsten Einheiten der sowjetischen Kurzstreckenjets. Zunächst noch an die Aeroflot-Division in Riga ausgeliefert und als CCCP-65699 eingetragen, flog sie nach dem Zerfall der Sovjetunion zunächst für die Nachfolgegesellschaft Latavio, bevor sie im April 1994 zu Latcharter stiess (Lukas Lusser, Wien, 22.4.00).
oben: Zu den Kunden von LatCharter und später SmartLynx zählte auch Israir, die mit zwei Airbus A320 ab 2007 ihre Boeing 757-200 ersetzte. Regelmässig waren somit der Airbus A320-211 YL-LCB und auch die YL-LCA in München zu sehen, wo er hier gerade auf der Piste 08R aufsetzt (Joel Vogt, München, 9.2.08).
unten: Im Sommer 2006 hiess SmartLynx noch LatCharter, war aber dennoch bereits im ACMI-Geschäft zu Hause. Der Airbus A320-211 YL-BCB flog damals im Auftrag von Hellas Jet Charterflüge von Griechenland unter anderem nach Basel-Mulhouse, wo er sich im Anflug auf die damalige Piste 34 befand. Nach etlichen weiteren Stationen unter anderem in Polen, Armenien und der Ukraine ist der A320 im August 2025 via Sohar (Oman) in Teheran gelandet, als D6-LAL auf den Komoren registriert (Joel Vogt, Basel-EAP, 15.7.06).