Blue Islands finanziell am Ende - Betrieb eingestellt
25.11.2025 Quelle: UK CAA, Simple Flying
Zuletzt bestand die Flotte der Blue Islands aus fünf ATR 72-500/-600 wie der G-ISLO. Sie stiess im Mai 2022 aus Beständen der DAT Danish Air Transport zur Kanalinsel-Airline und stand bis zur Betriebseinstellung am 14.11.2025 im planmässigen Einsatz (Lukas Lusser, Zürich, 12.8.22).
Nach fast 20 Jahren unter diesem Namen hat die auf den britischen Kanalinseln beheimatete Blue Islands am 14. November 2025 ihren Betrieb einstellen müssen. Drei Tage später wurde bekannt, dass die Airline sich in Liquidation befindet. Das Betriebsende von Blue Islands ist ein weiterer herber Schlag für die regionalen Airlines in Grossbritannien, denn nur wenige Wochen zuvor musste schon Eastern Airways den Flugbetrieb endgültig einstellen. Für Blue Islands war die Situation in Konkurrenz mit Aurigny Air Services auf den Kanalinseln offenbar zu schwierig geworden.
oben: Auf dem Weg zur Piste 09 in Guernsey befindet sich die Britten-Norman BN-2 Islander G-XAXA von Blue Islands. Zwischen 1999 und 2011 waren insgesamt vier verschiedene Flugzeuge dieses Typs bei Blue Islands im Einsatz (Marco Dotti, Guernsey, 20.4.10).
unten: Blue Islands fügte die von Suckling Airways angemietete Dornier 328-110 G-BYHG im Oktober 2007 ihrer Flotte hinzu, um damit direkt von den Kanalinselns aus weiter entfernte Ziele in Europa bedienen zu können (Lukas Lusser, Zürich, 18.3.09).
1999 als Le Cocq's Airlink gegründet und zunächst mit Britten Norman BN-2 Islander tätig, trat die auf der Kanalinsel Jersey beheimatete Airline ab 2003 unter dem Namen Rockhopper, also Felsenhüpfer auf, bevor 2006 der endgültige Firmenname Blue Islands gewählt wurde. Sie führte zunächst Flüge zwischen den Inseln Alderney, Jersey und Guernsey sowie auf die Britische Insel nach Bournemouth/Hurn durch. Zunächst wurden verderbliche Lebensmittel wie Butter, Seafood und Fleisch der Jersey-Rinder transportiert, ab Februar 2002 wurde dann auch der Passagierbetrieb aufgenommen. Mit der Übernahme erster BAe Jetstream 31 im Jahr 2005 konzentrierte sich Blue Islands vollständig auf den Passagierverkehr, und sukzessive wurde ein Liniennetz zwischen den Inseln, zur Isle of Man und zu verschiedenen Destinationen im Süden des Vereinigten Königreichs aufgenommen.
Zuletzt betrieb Blue Islands eine Flotte von fünf ATR 72. Drei ATR 72-500 befinden sich mit Stand 25. November 2025 auf der Insel Jersey. Eine weitere ATR 72-500 sowie das jüngste Mitglied der Flotte, eine ATR 72-600, befinden sich auf der Insel Guernsey. In der Zeit von 2006 bis heute setzte Blue Islands zudem auch gemietete Dornier 328 (von ScotAirways) und Fokker 50 (von der niederländischen Denim Air) sowie eigene BAe Jetstream 32 und ATR 42 ein.
Die Jetstream 32 kamen zunächst ab 2006 von Jersey und Guernsey aus auf die Isle of Man zum Einsatz. Schon bald folgten auch Flüge nach Southampton auf dem britischen Festland sowie nach Beauvais, nördlich von Paris. Auch zwischen den Kanalinseln Jersey, Guernsey and Alderney war Blue Islands fleissig unterwegs, im Inselverkehr auch mit Britten-Norman Islander und Trislander.
Dank den grösseren und schnelleren ATR 42 und später ATR 72 wurde eine grössere Expansion in Richtung europäisches Festland möglich. So führte die Airline jahrelang auch Flüge in die Schweiz durch, vor allem nach Zürich, zeitweise aber auch nach Genf. Grosse europäische Drehscheiben wie Amsterdam oder Paris wurden von Blue Islands ebenfalls direkt mit den Kanalinseln verbunden.
oben: Während nur knapp zweier Monate setzte Blue Islands im April und Mai 2012 die von Denim Air angemietete Fokker 50 PH-JXK zu ihrer Flotte hinzu. Sie erhielt trotz der kurzen Mietdauer Blue Islands Aufschriften, behielt aber das Hecklogo ihrer vormaligen Betrieberin Fly Oristano aus Sardinien (Lukas Lusser, Zürich, 4.5.12).
unten: Auf dem riesigen Flughafen Paris Charles-de-Gaulle gehörte die ATR 42-320 G-ISLH zu den kleinsten Flugzeugen im täglichen Betrieb. Sie war bei Blue Islands von Juli 2013 bis Januar 2022 im Einsatz. Nach einem Stilllager in Jersey wurde sie im Mai 2022 nach Teesside verschoben, wo sie Ende 2023 verschrottet wurde (Joel Vogt, Paris-Charles de Gaulle, 29.10.14).
Als Hauptgrund für die Betriebseinstellung wurde die Überschuldung der Airline angeführt. So hatte Blue Islands alleine gegenüber dem Staat mehr als neun Millionen britische Pfund Schulden, die teilweise noch auf Darlehen aus der Covid-19-Zeit zurückgingen. Um gestrandete Passagiere nicht buchstäblich auf den Kanalinseln sitzen zu lassen, sprangen seit der Betriebseinstellung von Blue Islands Loganair und Aurigny Air Services ein.
Aurigny mietete dafür sogar eigens eine ATR 72-500 von Danish Air Transport (DAT) ein und stockte mit ihr sogleich die Verbindungen zwischen Jersey und Guernsey sowie zwischen Guernsey und Southampton auf, während Loganair am 16. November die Bedienung der Strecken Jersey - Bristol, Jersey - Exeter und Jersey - Southampton übernahm. Zugleich tritt Loganair als Konkurrentin zu Aurigny auch in den Markt zwischen den beiden Inseln Jersey und Guernsey ein. Loganair erhält gemäss Berichten in britischen Tagesmedien von der Regierung Jerseys zudem eine finanzielle Unterstützung in Höhe von 1,5 Millionen Pfund, um die Markteintrittskosten abzusichern.