Kommt es 2026 zu einer Auferstehung der Pan Am?

25.10.2025    Quelle: Aviation Week         

Pan American World Airways, kurz Pan Am, gilt zweifelsfrei als eine Ikone und Pionierin des Luftverkehrs. Mit ihren Flugbooten, der berühmten Boeing 314 Clipper, wagte sie den Aufbruch in den interkontinentalen Luftverkehr schon in den 1930er Jahren, bevor die rasche Entwicklung langstreckentauglicher landgestützter Propellerflugzeuge im Laufe des zweiten Weltkriegs den Durchbruch schaffte. Beim Eintritt ins Jet-Zeitalter war sie mit Erstbestellungen für die Boeing 707 und das Konkurrenzmuster DC-8-21 ebenso an vorderster Front dabei wie bei der Entwicklung des legendären Grossraumjets Boeing 747, der direkt auf Anforderungen der Pan Am nach einem solchen Grossflugzeug zurück geht. Zudem war Pan Am bis zur deutschen Wiedervereinigung eine der wenigen alliierten Fluglinien, die europaweite Linienflüge ab West-Berlin durchführen durfte.

Umso dramatischer wirkt vor diesem Hintergrund der Untergang der einst als Marktführer geltenden Pan Am in den 1980er und frühen 1990er Jahren. Als rein internationale Airline aufgestellt missriet ihr Versuch, durch den Aufkauf der verschuldeten National Airlines zu einem tragfähigen Inlandnetz zu kommen. Mit dem Bombenanschlag auf einen Pan Am-Jumbo Jet über dem schottischen Lockerbie am 21.12.88 und dem Ausbruch des ersten Golfkriegs anfangs 1991 geriet sie dermassen in Schieflage, dass Pan Am am 8.1.91 Gläubigerschutz nach Chapter 11 des US-Konkursrechts beantragen musste und eine Reorganisation in Angriff nahm, die aus der einst weltweit tätigen Airline einen regionalen Carrier entlang der US-Ostküste und in der Karibik machen sollte. Das Unterfangen misslang, und am 4.12.91 stellte Pan Am endgültig den Betrieb ein und ging in Liquidation.

Auf den innereuropäischen Strecken ab West-Berlin setzte Pan Am zunächst Jets der Bauart 727-100 ein. Diese wurden anfangs der 1980er Jahre durch aus den USA nach Europa transferierte Boeing 727-200 sowie zunächst nur in der Europa-Flotte anzutreffende Boeing 737-200 ersetzt. Die ehemalige Aloha Airlines Boeing 737-297 Adv. «Clipper Luftikus» erhielt bei Pan Am deshalb auch einen typischen Berliner Namen (Lukas Lusser, Zürich, 10.6.84).

Eine erste Wiederbelebung des Namens erfolgte ab 1993, nachdem die Investment-Firma Eclipse Holding die Namensrechte gekauft und Flüge zwischen Florida und der Karibik unter dem Pan Am-Namen lanciert hatte. Sie musste den Betrieb 1998 überschuldet wieder einstellen. Kurz danach erwarb die Guilford Transportation, Betreiberin einer gleichnamigen Bahngesellschaft, den Pan Am-Namen und gründete in Portsmouth, New Hampshire eine Charterairline dieses Namens, wobei wiederum Flüge zwischen Destinationen im Südosten der USA und der Karibik angeboten wurden. Zugleich änderte Guilford den Namen ihres Eisenbahnbetriebs in Pan Am Railways ab, und nutzte dafür auch das altbekannte Pan Am-Logo auf Lokomotiven und Güterwagen. Am 1.11.04 stellte auch diese dritte Reinkarnation der Pan Am ihren Betrieb ein.

oben: Die Pan Am Boeing 747-121(A) N748PA trug zwischen 1985 und 1989 einen Versuchsanstrich mit nach unten verschobenem Zierstreifen und neu gestalteten Aufschriften. Das Design wurde jedoch nicht weiterverfolgt, stattdessen kam es zum Neuauftritt mit weissem Rumpf und sogenannten Billboard-Titeln über die gesamte Höhe des Rumpfes (Lukas Lusser, Miami, 18.2.89).

unten: Pan Am sorgte mit der Bestellung von Airbus A300 und A310 anfangs der 1980-er Jahre für einiges Aufsehen, war sie doch zuvor eine fast unerschütterlich loyale Kundin des US-Flugzeugbauers Boeing. Während die A300B4-203 N210PA und ihre Schwestern vorab in die Karibik zum Einsatz kamen, wurden die A310 auch auf Transatlantikstrecken genutzt (Lukas Lusser, Miami, 21.2.89).

Kommt «Pan Am IV» ab 2026?

Nun soll also - wieder einmal - Pan Am als wiederbelebte Fluglinie an den Start gehen. Der gegenwärtige Inhaber des Namens, die Pan American Global Holdings aus Dubai, hat zusammen mit der Finanzierungs- und Beratungsfirma Avi8 Air Capital bei der FAA ein Gesuch für die Erteilung eines Luftfahrzeugbetreiber-Zertifikats (AOC) für ein gewerblich tätiges Unternehmen mit Namen Pan Am eingereicht (Zulassung gemäss FAR PArt 121). Zu diesem Zweck haben die beiden Partner seit Sommer 2025 einen Businessplan erarbeitet sowie die Finanzierung der Gründung aufgegleist. Nun müssen sie gegenüber dem Luftamt nachweisen, dass sie zusätzlich auch das benötigte qualifizierte Personal, das Fluggerät und dessen technische Wartung gewährleisten können. Gemäss verschiedenen Quellen soll - unter Vorbehalt der Erteilung des beantragten AOC - im Laufe des Jahres 2026 der Flugbetrieb starten, wofür angeblich Flugzeuge des Typs Airbus A320ceo oder A321ceo angeschafft werden sollen. 

Über dieses allgemeine Ziel hinaus halten sich die Initianten der Pan Am IV aber noch bedeckt. So sind weder Details zur angestrebten Flottengrösse, zu den Destinationen noch zu so elementaren Fragen wie der Art der Flüge bekannt: Weder weiss man derzeit, ob Flüge im Inland oder auf internationalen Strecken geplant sind, noch ist bekannt, ob es sich dabei um buchbare Linienflüge, um gewerbliche Chartereinsätze oder um Flüge im Dienste des Militärs oder anderer öffentlicher Auftraggeber handeln wird. Interessant ist in diesem Zusammenhang aber die Tatsache, dass Avi8 Air Capital bisher vorallem als Dienstleister hinter Airline-Gründungen wie Global Crossing (Charter- und ACMI-Einsätze mit A320/A321, Regierungsflüge etwa im Zusammenhang mit der Rückschaffung von Migranten) und der ebenfalls wiederbelebten Eastern Airlines (Frachtflüge, Militärcharter, ehemals Dynamic Air) in Erscheinung getreten ist