Hawaiian Airlines verliert eigenes AOC zum Sommerflugplan 2026
25.10.2025 Quelle: Routes Online
Im Dezember 2023 gab Alaska Airlines ihre Absicht bekannt, Hawaiian Airlines zu übernehmen und auf diese Weise ihre Präsenz im Pazifik auszubauen sowie zu einer Langstrecken-Airline zu werden. Im Laufe des Sommers 2024 stimmten sowohl die Aktionäre der beiden Gesellschaften wie auch die Wettbewerbsbehörden dem Vorhaben zu, und am 18. September 2024 kam es zur formellen Fusion der beiden Airlines. Im Grundsatz erklärte Alaska dabei ihre Absicht, die im Januar 1929 als Inter Island Airways gegründete Hawaiian Airlines weiterhin unter ihrer eigenen Marke auftreten zu lassen, die Netzwerke aber aufeinander abzustimmen und somit zur viertgrössten Airline unter den drei grossen US-Linienfluggesellschaften zu werden, wie es der Alaska-CEO Ben Minicucci damals ironisch formulierte.
Inzwischen schälen sich aber immer mehr Punkte heraus, bei denen sich die Gewichte zugunsten der Alaska Airlines verschieben. So wird Alaska Airlines in Zukunft unter ihrem eigenen Namen ein interkontinentales Streckennetz ab Seattle/Tacoma aufbauen, für welches die Boeing 787-9 der Hawaiian Airlines zur Alaska-Flotte wechseln und ab Sommer 2026 unter deren Marke betrieben werden.
Im Oktober 2025 hat Alaska Airlines bekannt gegeben, dass Hawaiian Airlines ebenfalls auf Anfang Sommerflugplan 2026 ihr eigenes Luftfahrzeugbetreiber-Zertifikat (AOC Aircraft Operator Certificate) zurückgeben wird, das sie seit ihrer Gründung vor 96 Jahren besitzt. Damit verliert sie ihren Status als eigenständiges Luftfahrtsunternehmen auch im rechtlichen Sinne und wird zu einer reinen Marke unter dem Betreiber-Zertifikat der Alaska Airlines. Mit diesem Schritt ist auch der Verlust der IATA- und ICAO Codes und Buchungsnummern verbunden: Das traditionelle Kürzel HA wird somit nach fast einem Jahrhundert aus den Flugplänen verschwinden, was bei den Bewohnern der Inselgruppe im Pazifik gemischte Gefühle hinterlässt: Dank der häufigen und bezahlbaren «Inselhüpfer-Dienste» zwischen den Flughäfen Honolulu (HNL) auf O'ahu, Kahului (OGG) auf Maui, Hilo (ITO) und Kona (KOA) auf Big Island sowie Lihu'e (LIH) auf Kaua'i mit insgesamt rund 140 täglichen Flügen nutzen zahlreiche Einwohner die Dienste der Hawaiian Airlines in etwa ebenso häufig wie andernorts der Stadtbewohner ein öffentliches Verkehrsmittel.
oben: Die rund zwei Dutzend Airbus A330-200 der Hawaiian Airlines, hier die A330-243 N380HA, sollen weiterhin regelmässig auf den Verbindungen zwischen Hawaii und dem US-Festland sowie auf den Routen nach Asien anzutreffen sein, während die in Ablieferung befindlichen Boeing 787-9 bald alle unter der Marke Alaska Airlines an die US-Ostküste sowie über den Atlantik fliegen werden (Lukas Lusser, San Francisco,23.7.19).
unten: Die aus Beständen der japanischen ANA All Nippon Airways erworbene Lockheed L-1011 TriStar 1 N763BE und weitere sieben Schwestermaschinen erlaubten es Hawaiian Airlines, ab Mitte der 1980er Jahre erstmals eigene Flüge zwischen Hawaii und der US Westküste anzubieten. Nach dem ersten Ziel Los Angeles International baute sie mit dem Muster auch Verbindungen nach Las Vegas, Portland, San Francisco und Seattle/Tacoma auf, die zunächst von Honolulu (O'ahu) sowie später auch von Kahului (Maui) aus angeboten wurden (Lukas Lusser, Seattle/Tacoma, 10.9.1989).
Hawaiian Airlines - Seit 1941 eine Marke
Die ursprüngliche Inter Island Airways war als Tochtergesellschaft der Inter Island Steam Navigation Company gegründet worden, um deren Geschäftsgebiet mit Fähr- und Frachtschiffen auf den aufkommenden Lufttransport auszuweiten. Seit dem 1. Oktober 1941 - also kurz vor dem japanischen Angriff auf Pearl Harbour, der zum Eintritt der USA in den zweiten Weltkrieg führte - trat sie unter dem Namen Hawaiian Airlines oder gelegentlich auch verkürzt Hawaiian Air auf. Zunächst konzentrierte sich Hawaiian Airlines auf den Verkehr zwischen den wichtigsten Inseln der pazifischen Inselgruppe. Hierfür nutzte sie ab 1941 bis 1968 Douglas DC-3, ab 1952 bis 1974 ergänzt durch Convair 440 respektive auf Rolls-Royce Propellerturbinen umgerüstete Convair 640. Den Eintritt ins Jet-Zeitalter wagte Hawaiian 1966 mit dem Kauf ihrer ersten McDonnell Douglas DC-9-10. Dem ikonischen Zweistrahler aus Long Beach blieb sie auf den kurzen Inselhüpfer-Flügen in der Folge bis zum heutigen Tag treu, wenn die Flotte auch mehrmals erneuert wurde: Bereits ab 1968 kamen längere DC-9-32 zum Einsatz, die 1975 durch die nochmals gestreckte DC-9-51 ersetzt wurden. Diese blieben bei Hawaiian bis 2001 im Dienst, bis sie durch Boeing 717-200 ersetzt wurden, die immer noch in Betrieb sind. Bei diesem Muster handelt es sich trotz des neuen Namens um eine Weiterentwicklung aus der DC-9-Familie, die noch von McDonnell Douglas unter der Bezeichung MD-95 lanciert und bei der Fusion mit der Boeing Aircraft Co. in Boeing 717-200 umbenannt wurde (nicht zu verwechseln mit der vierstrahligen Boeing 717-100 von 1956, besser bekannt unter ihrer militärischen Bezeichnung KC-135).
Ab den frühen 1980er Jahren expandierte Hawaiian Airlines über die Inselgruppe hinaus. Mit DC-8 der Super Sixty-Familie führte sie zunächst Charterflüge im Pazifik sowie später auch weltweit im Auftrag des Military Airlift Command durch. Ab 1985 nahm Hawaiian die ersten Flüge zwischen der US-Westküste und ihren Heimatinseln auf, wofür sie zunächst zwei Lockheed L-1011 TriStar 1 aus Beständen der ANA All Nippon Airways nutzte. Sie wurden in den 1990er Jahren durch DC-10-10 ersetzt, die Hawaiian von American Airlines übernehmen konnte und weiterhin in einer an die Vorbesitzerin erinnernden silbernen Grundbemalung einsetzte.
oben: Die McDonnell Douglas DC-10-10 N128AA der Hawaiian Airlines kann ihre Herkunft aus Beständen der American Airlines nicht verleugnen: Nicht nur das unveränderte Kennzeichen und der weiterhin silbern polierte Rumpf erinnern eindeutig an die Vorbesitzerin, sondern auch die unterhalb der Kabinenstreifen noch deutlich erkennbare Aufschrift «Luxury Liner» geht auf AA zurück (Lukas Lusser, Las Vegas, 19.3.00).
unten: Die Boeing 767-33A/ER N580HA gehörte zu einer Flotte von 18 Einheiten des Musters, mit denen Hawaiian Airlines zwischen 2001 und 2019 primär Verbindungen zwischen der Inselgruppe und der US-Westküste unterhielt (Lukas Lusser, Los Angeles International, 4.12.05).
Während Hawaiian bei beiden obengenannten Grossraum-Mustern jeweils Versionen mit «nur» transkontinentaler Reichweite betrieb, die gerade für Ziele wie Las Vegas, Los Angeles, San Francisco oder Seattle ausreichte, beschaffte sie sich dann ab 2001 in Form der Boeing 767-300ER Jets mit ausreichend Reichweite für weiter entfernte Ziele im Nordwesten der Pazifikküste sowie für Flüge über den Pazifik nach Asien. Allerdings musste sie 2003 Gläubigerschutz unter dem Chapter 11 des US-Konkursrechts suchen, nachdem sich die ambitionierten Ausbauschritte der Hawaiian Airlines mit einer infolge der Anschläge vom 11. September 2001 eingebrochenen Nachfrage nach Flugreisen überschnitten. Nach erfolgter Reorganisation baute sie ab 2005 internationale Flüge nach Manila, Tokyo-Haneda, Osaka und Seoul-Incheon auf. Die Boeing 767-300ER wurden dabei schrittweise durch Airbus A330-200 ersetzt, während das Streckennetz nun mit Flügen nach New York-JFK auch bis zur US-Ostküste ausgedehnt wurde.
Und wie geht es nun wohl weiter?
Die weiteren Pläne von Hawaiian für die laufende Dekade der 2020-er Jahre sahen den Ausbau der Flotte mit Boeing 787-9 für Langstrecken sowie Airbus A321neo LR für die Erschliessung zusätzlicher Strecken und Ziele zwischen der Inselgruppe und der US-Westküste vor. Mit der Übernahme von Hawaiian durch Alaska Airlines haben sich diese Ziele jedoch verschoben: Zwar soll Hawaiian als Marke weiterhin im Pazifik sowie für die Flüge zu Zielen auf dem US-Festland weiterbestehen, doch setzt Alaska alle Karten gegenwärtig auf das Vorhaben, von ihrem Hub in Seattle/Tacoma aus zur interkontinentalen Fluglinie heranzuwachsen, die sowohl Ziele in Europa (unter eigenem Namen mit den Boeing 787-9 ex Hawaiian) sowie in Asien (unter der Hawaiian-Marke mit deren Airbus A330-200) ansteuert. Für den trotz des Zusammenschlusses von Alaska und Hawaiian immer noch nur mittelgrossen Carrier stellt dies einen hohen Einsatz dar, und dementsprechend kann noch keine Prognose gewagt werden, wie die beiden Marken mittelfristig positioniert sein werden, und welche Marke in welchem Markt überleben wird.
unten: Im dichten Kurzstreckenverkehr zwischen den Inseln des Archipels setzt Hawaiian Airlines eine Flotte aus Boeing 717-22A ein, darunter auch die N480HA. Die meist nur zwischen 30 und 45 Minuten kurzen Flüge führen dazu, dass die «Inselhüpfer» der Airline nicht sehr viele Flugstunden, dafür aber umso mehr Flugzyklen ansammeln und die Wartung dementsprechend intensiv und teuer ist (Lukas Lusser, Honolulu, 3.12.03).