Nach über 35 Jahren: Ab 2028 keine Delta Boeing 767-300 mehr nach Europa

06.10.2025    Quelle: Simple Flying         

Wohl kaum ein anderes Muster eines strahlgetriebenen Verkehrsflugzeugs dürfte solange bei einem Kunden im Dienst gestanden haben wie es die Boeing 767 der US-Fluglinie Delta Air Lines mittlerweile tun. Am 19. Februar 1982 stellte sie mit der Boeing 767-232 N101DA, notabene die sechste jemals gebaute Boeing 767, ihr erstes Exemplar in Dienst. Zwar sind die fünfzehn «kleinen» Boeing 767 der 200er Serie, die von Delta Air Lines nur im nordamerikanischen Streckennetz eingesetzt wurden, schon seit 2006 aus der Flotte ausgeschieden, doch betreibt sie derzeit weiterhin 37 Einheiten der Boeing 767-300ER und 21 Einheiten der längsten Version Boeing 767-400ER, die neben Delta nur noch von Continental Airlines, heute United Airlines, sowie der Regierung des Königreichs Bahrain erworben wurde.

Die Boeing 767-300ER - Rückgrat der Delta Transatlantik-Flotte

Die Langstreckenversion Boeing 767-300ER stiess ab 1990 zur Flotte der Delta Air Lines. Sie sollten auf den Nordatlantik-Strecken die alternden Lockheed L-1011 TriStar sowie die nicht zur restlichen Flotte passenden, aus der Fusion mit PanAm erworbenen Airbus A310-300 - ein ebenfalls für Transatlantikflüge geeignetes Muster - ersetzen. Insgesamt wuchs dabei die Flotte auf 68 Einheiten der mit dem Zusatz ER gekennzeichneten Langstreckenversion (plus 15 non-ER für Flüge innerhalb Nordamerikas) an und machte das Muster spätestens ab Mitte der 1990er Jahre während mehr als zwei Dekaden zum unangefochtenen Arbeitspferd auf den Nordatlantikstrecken.

Nun hat die US Airline angekündigt, dass sie die Boeing 767-300ER bis zum Beginn des Sommerflugplans 2028 aus dem internationalen Langstreckengeschäft abziehen will, wo Delta in den letzten Jahren verstärkt auf die - deutlich grösseren - Airbus A330-900neo und A350-900 setzt. Während weiterer zwei Jahre, bis zu einem noch zu bestimmenden Zeitpunkt im Jahr 2030, will Delta die verbleibenden Boeing 767-300ER noch im nordamerikanischen Markt weiternutzen. Die Gründe für die schrittweise Ablösung von der Boeing 767-300ER sind mannigfaltig, doch am meisten ins Gewicht fallen dürfte schlicht das Alter der Flugzeuge: Die ältesten der heute eingesetzten Jets wurden 1990 gebaut und sind somit nun seit 35 Jahren für denselben Betreiber im Dienst. Sie gehören dennoch zu den neueren Einheiten aus der einst 83 Einheiten umfassenden Boeing 767-300-Flotte des Unternehmens, im Einzelnen beschaffte sie ab 1986 24 Boeing 767-332 ohne ETOPS-Zulassung und erweiterte Reichweite für Transkontinentalflüge in Nordamerika sowie ab 1990 dann 59 Boeing 767-300ER (inklusive einiger gebraucht erworbener ex-Gulf Air Jets) für Langstreckenoperationen.

oben: Die Bedienung Zürichs durch Delta Air Lines geht auf die Übernahme der Pan Am-Transatlantikstrecken und -flotte am 1.11.91 zurück. Zunächst nutzte sie die von Pan Am erworbenen Airbus A310-300 auf der Verbindung, doch ab Mitte der 1990er Jahre kamen an ihrer Stelle die Boeing 767-300ER zum Einsatz, die Delta laufend neu ab Werk in Dienst stellte. Die 1992 gebaute N182DN, hier noch in der ursprünglichen "Wedge-Tail" Bemalung, die sie bei ihrer Auslieferung trug, ist seit Mitte November 1994 stillgelegt und in Victorville, Kalifornien, abgestellt (Lukas Lusser, Zürich, 25.7.96).

unten: In der zweiten Hälfte der 1990er Jahre modifizierte Delta Air Lines ihre klassische Bemalung mit einem roten Akzent und überarbeiteten Titeln, bei dem wieder der gesamte Name der Airline ausgeschrieben wurde. Die Boeing 767-3P6ER N153DL stiess 1997 gebraucht aus Beständen der Gulf Air zu Delta, die aufgrund einer Restrukturierung ihre Flotte verkleinerte und dabei sechs Jets des Musters an die US Airline veräusserte (Lukas Lusser, Zürich, 12.9.99).

Die Boeing 767-300ER nähern sich dem Ende ihrer Lebensdauer

Neben dem Alter machen Delta Air Lines exponentiell zunehmende Wartungskosten, eine abnehmende Zuverlässigkeit der alternden Flugzeuge und knapper sowie teurer werdende Ersatzteile zu schaffen. Aus diesen Gründen bereitet Delta deshalb das sogenannte Phase-Out der Boeing 767-300ER vor. Noch ist nicht klar, ob und womit die ausscheidenden Flugzeuge ersetzt werden sollen. Die Boeing 767-300 ist für die Langstrecke ein eher kleineres Modell, bei Delta sind in einer Vier-Klassen-Konfiguration insgesamt 216 Plätze vorhanden: 26 Delta One (Business), 18 Premium Select (Premium Economy mit exklusivem Serviceprodukt), 21 Comfort Plus (Economy mit zusätzlicher Beinfreiheit) und 151 Main Cabin (Economy). Das nächstgrössere, zukunftsgerichtete Modell, der Airbus A330-900neo, bietet bei Delta im Vergleich dazu bereits 281 Sitze (29 Delta One, 28 Premium Select, 56 Comfort Plus und 168 Main Cabin. 

Einzelne Branchenkenner spekulieren deshalb, ob sich Delta zu Anpassungen an den angebotenen Frequenzen oder Strecken genötigt fühlen wird, wenn die Boeing 767-300ER aus dem Transatlantik-Geschäft abgezogen wird, oder ob sie sich dafür eintscheidet, ein kleineres, langstreckentaugliches Flugzeug wie etwa die Boeing 787-8 (üblicherweise etwa 250 Sitze) oder den Airbus A321XLR anzuschaffen (maximal für 244 Passagiere konfigurierbar, bei Mehrklassenlayout aber nur etwa 175-190 Sitze). Als Übergangslösung verfügbar bleiben anscheinend immerhin noch die Boeing 767-400ER mit ihren 238 Sitzen (34 Delta One, 20 Premium Select, 28 Comfort Plus, 156 Main Cabin), die Delta «erst» zu Beginn der 2000er Jahre in Dienst gestellt hat und deren Ausmusterung derzeit noch kein Thema zu sein scheint.

oben: Die eher sparsam daherkommende Delta-Bemalung der Nullerjahre sollte eine im Wind wehende Flagge in den Nationalfarben der USA symbolisieren, wurde aber von verschiedenen Seiten kritisiert, weil das ikonische Logo des "Wedges", zu Deutsch Keil oder Ecke, nur noch klein auf dem Rumpf prangte. Böse Zungen sprachen beim Hecklogo schon auch mal davon, es erinnere eher an zerknüllte Bettlaken als an eine Flagge. Dieser Spott dürfte an den Insassen der Boeing 767-332ER N173DN, die von August 1990 bis August 2012 bei Delta im Dienst stand, bei der morgendlichen Landung wohl schadlos abgeperlt sein, dürfte sie doch nach einem langen Transatlantikflug ein baldiger Kontakt mit einem echten Bettlaken wesentlich mehr interessiert haben (Lukas Lusser, Zürich, 3.5.08).

unten: Von Dezember 2010 bis Februar 2020 trug die Boeing 767-332ER N175DZ der Delta Air Lines die Skyteam-Allianzfarben, ergänzt durch das gegenwärtige Logo und aktuellen Schriftsatz der Delta Air Lines-Marke. Sie fliegt auch heute noch auf Transatlantikdiensten der Delta, trägt allerdings wieder die regulären Farben (Lukas Lusser, Zürich, 23.12.2014).