Edelweiss: Sommerprogramm sicher, Malediven und Namibia aufgestockt
25.04.2026 Quelle: Edelweiss Air
In der Luftfahrtbranche herrscht aufgrund der kriegerischen Auseindersetzung in Nahost und der Blockaden in der Strasse von Hormus zunehmend Unruhe bezüglich der mittel- bis längerfristigen Treibstoffversorgung. Vergleichsweise entspannt sieht dagegen Edelweiss Air derzeit der kommenden Sommersaison entgegen. Ein substantieller Teil des Treibstoffbedarfs ist gehedgt, also vorab abgesichert, und deshalb gilt als Motto derzeit: «Der Sommerflugplan findet statt», wie Edelweiss COO Patrick Heymann im nachstehenden Interview erklärt.
Anpassungen am Programm finden dennoch statt: Wie bereits kommuniziert, wurde die Bedienung der Ziele Denver und Seattle mit sofortiger Wirkung eingestellt. Diesen Entscheid traf Edelweiss sowohl angesichts der stark gestiegenen Treibstoffpreise wie auch aufgrund eines inzwischen spürbaren Rückgangs der touristischen Nachfrage für Flüge in die USA. Die für diese Flüge geplanten Jets werden dennoch nicht arbeitslos: Ebenso kurzfristig wie die beiden genannten Destinationen aus dem Programm gestrichen wurden hat Edelweiss entschieden, die sehr stark nachgefragten Direktverbindungen nach den Malediven - trotz der gegenwärtigen Nebensaison für dieses Ziel - auf zwei wöchentliche Flüge aufzustocken. Die Strecke Zürich - Malé wird ab Mitte Juli zusätzlich zum Freitags-Flug auch am Dienstag angeboten (Ankunft am Ziel und Rückflug jeweils am Folgetag), die Verbindung von Zürich nach Windhoek wird ab Mitte Juli auf drei wöchentliche Flüge ausgebaut und jeweils am Montag, Mittwoch (neu) und Freitag angeboten, mit Rückkehr nach ZRH am Folgetag. Zudem werden die Langstreckenflugzeuge des Musters Airbus A340 vermehrt auch auf Europaflügen eingesetzt, insbesondere auf die Balearen und nach Pristina, wo die Nachfrage jüngst ebenfalls stark angezogen hat.
Angesichts der rasant gestiegenen Treibstoffpreise prüft Edelweiss Air, ob sie die Ausflottung ihrer verbliebenen Airbus A340-313-Langstreckenjets beschleunigen kann. Ursprünglich war die Stilllegung des letzten Exemplars nach Abschluss der Auslieferung und Kabinenumbauten aller sechs Airbus A350-941 etwa Mitte 2027 vorgesehen. Mit der HB-JMD vorne und ihrer Schwester HB-JME im Hintergrund zeigen sich gleich zwei der momentan drei noch aktiven kultigen Vierstrahler am Line-Up zur Piste 32 (Lukas Lusser, Zürich, 16.4.26).
Anpassungen in der Flottenplanung
Nach bisherigem Planungsstand erwartet Edelweiss ihre beiden noch ausstehenden Airbus A350-900 Nummern fünf und sechs (HB-IHD und HB-IHE) zu Beginn des Jahres 2027. Sie sind gegenwärtig noch an Thai International vermietet und erhalten bereits vor der Übergabe an Edelweiss das neue Kabinenprodukt eingebaut. Sobald sie eingetroffen sind, beginnt der Kabinenumbau der vier bereits aktiven A350. Bisher war geplant, die letzte Einheit der gegenwärtig noch drei aktiven A340 nach Abschluss der A350-Kabinenumbauten Mitte 2027 auszuflotten. Aufgrund der stark gestiegenen Treibstoffpreise prüft Edelweiss nun aber, die A340 früher als geplant stillzulegen; ein Entscheid steht noch aus.
Die erste A320neo, die HB-JDB, steht inzwischen zuverlässig im Einsatz zu verschiedenen Destinationen. Da die soeben offiziell getaufte «Hoch Ybrig» momentan noch ein Einzelstück in der Flotte ist, wird sie im Mischbetrieb mit den A320ceo zu verschiedenen Urlaubsdestinationen eingesetzt. Sobald eine eigenständige Subflotte aufgebaut ist, werden die Neos hauptsächlich zu den Kanarischen Inseln, auf die Kapverden, nach Ägypten oder in den Norden Skandinaviens fliegen. Edelweiss sieht in dem Muster aber nicht nur einen um 15% sparsameren Ersatz für die teilweise bereits bald 30 Jahre alten Airbus A320ceo in der Flotte, sondern auch einen potentiellen neuen Mittelstreckenflieger, mit dem neue Märkte im Hohen Norden oder im südlichen Atlantik erschlossen werden können.
Vertreter der Ferienregion Hoch-Ybrig, des Regierungsrates des Kantons Schwyz sowie die Delegation der Edelweiss freuen sich über die neu getaufte A320-271N HB-JDB «Hoch-Ybrig». Rechtzeitig für den Taufakt konnte auch der kleine Orthographie-Fehler in der Schreibweise des Namens «ybrig» mit Minuskel, der sich beim Malen in England in Form eines kleinen «y» eingeschlichen hatte, korrigiert werden (Lukas Lusser, Zürich, 22.4.26).
Nachgefragt bei Edelweiss COO Patrick Heymann
«Sommerflugprogramm findet wie geplant statt»: Der Kommerzchef von Edelweiss, Patrick Heymann, gibt sich zuversichtlich, dass die Schweizer Ferienfluggesellschaft ihren Sommerferienflugplan trotz der herausfordernden geopolitischen Lage wie geplant fliegen kann. Derzeit gebe es in der Schweiz kein Treibstoffproblem, erwähnte er anlässlich der Taufe des ersten Edelweiss-Airbus A320neo auf den Namen «Hoch Ybrig» am 22. April.
Ersetzt die erste A320neo eine A320ceo bei Edelweiss?
Nein, die «Hoch Ybrig», unser erste A320 der neuen Generation, dient dem Ausbau der Kurz- und Mittelstreckenflotte. Unsere drei ältesten A320ceo, die HB-IHX, -IHY und -IHZ werden erst ab 2027 bis 2029 ausscheiden. Die weiteren fünf A320neo, welche wir von Austrian Airlines übernehmen, stossen ab Mitte 2027 zu uns. Insgesamt werden wir so die gesamte A320-Flotte um zwei Flugzeuge auf 18 erweitern. Unsere erste A320neo HB-JDB verfügt auch über elektrifizierte Sitze, so dass man etwa sein iPad oder iPhone aufladen kann.
Auf welchen Strecken kommt die A320neo zum Einsatz?
Aufgrund des um 15 Prozent tieferen Treibstoffverbrauchs gegenüber einer A320ceo fliegen wir die HB-JDB vornehmlich auf längeren Mitttelstrecken, so auf die Kanaren oder Kap Verden, also Flüge, die zwischen vier und fünf Stunden dauern. Die A320neo schliesst sich in den Roll-over unserer Flotte an. Nachdem wir auf der Langstrecke mit der A350 Flugzeuge der neusten Generation einsetzen, folgt diese Entwicklung nun auch auf der Kurzstrecke. Zudem gehen wir davon aus, dass die Kinderkrankheiten der A320neo überwunden sind und die Flugzeuge und ihre Triebwerke bei uns erwartungsgemäss funktionieren.
Wie schaut denn die Entwicklung der Langstreckenflotte aus?
Derzeit setzen wir vier A350 und drei A340 ein. Die letzte A340 sollte Mitte 2027 die Flotte verlassen. Wir prüfen jedoch, ob wir die A340 aufgrund der aktuellen Treibstoffpreise früher als geplant ausmustern. Diesen Sommer werden wir die A340 auch vermehrt auf Europaflügen mit grosser Nachfrage einsetzen, so etwa nach Spanien, auf die Balearen oder nach Pristina.
Weshalb wurden Seattle und Denver gestrichen?
Die Nachfrage in die USA hat sich aufgrund der geopolitischen Lage abgeschwächt. Nur die Streichung einzelner Flüge hat nicht die gewünschte Wirkung erzielt, deshalb haben wir uns entschieden, die Destinationen komplett zu streichen. Die dadurch gewonnenen Kapazitäten werden aber ab Juli für eine auf zweimal pro Woche aufgestockte Verbindung auf die Malediven und dreimal pro Woche nach Namibia gebraucht.
Im Winter 2026/27 sind Muskat und Salalah schon gestrichen, dauert die Nahost-Krise so lange?
Die Strecke nach Salalah hat sich erst im Aufbau befunden, nun ist die Nachfrage komplett eingebrochen, ebenso für Muskat. Das ist unglücklich, Salalah wäre eine sehr attraktive Destination, aber sie ist nun richtiggehend «weggefegt» worden.
Welche Destinationen sind denn nun mehr gefragt?
Die Nachfrage für die Malediven ist riesig, aber auch für die Seychellen, Mauritius oder Sri Lanka. Das sind alles Verbindungen, zu denen viele Passagiere bislang über die Golf-Hubs geflogen sind. Nun reisen sie mit uns im Direktflug dorthin. Deshalb fliegen wir auch über den Sommer auf die Malediven.
Die Reiselust ist also trotz des Iran-Krieges ungebrochen?
Ja, die Nachfrage nach Direktflügen hat enorm angezogen und das Buchungsverhalten ist kurzfristiger. Aber während den Ferienwochen oder über Pfingsten und Auffahrt ist die Nachfrage generell sehr gross. Da hat sich das frühzeitige Buchen gelohnt.
Wie sieht es aus mit Treibstoffzuschlägen?
Wir haben einen grossen Teil unseres Treibstoffbedarfs gehedgt, also abgesichert. Doch es geht nicht nur um den Ölpreis, sondern vielmehr um die Kapazitäten der Raffinerien, daher kommt der Preisanstieg. Auf der Langstrecke haben wir die «international surcharge» wegen den höheren Treibstoffpreisen punktuell angehoben. Auf den Kurzstrecken haben wir die Preise angepasst, aber da sprechen wir von einer Erhöhung von etwa zehn Franken pro Ticket.
Müssen jene Fluggäste, welchen ihren Flug bereits vor Beginn des Iran-Krieges gebucht haben, nun nachzahlen?
Nein, denn Frühbuchen lohnt sich, unsere Flüge sind 364 Tage vor Abflug buchbar. Die höheren Preise gelten nur für neue Buchungen.
Wie geht Edelweiss mit der Treibstoffknappheit um?
Das ist eine grosse Herausforderung. Wir sind in die Task-Force der Swiss und somit in jene der Lufthansa Group eingebunden und beobachten die Situation täglich. Im Moment herrscht in der Schweiz keine Treibstoffknappheit, auch keine Kerosinknappheit. Das ist die Basis unserer Planung. Stand heute werden alle unsere publizierten Flüge während den Sommerferien durchgeführt. Wenn es neue geopolitische Verwerfungen gibt, muss man die Situation aber neu anschauen.
Interview Hansjörg Bürgi und Lukas Lusser