Bruchlandung einer Air ACT Boeing 747 in HKG - erste gesicherte Fakten

21.10.2025    Quelle: Aviation Safety Network         

Kurz vor vier Uhr morgens setzte die aus Dubai World Central kommende Boeing 747-481 (BDSF) der türkischen Air ACT Cargo auf der Piste 07L des Hongkonger Flughafens Chep Lap Kok auf. Sie befand sich auf dem planmässigen Flug EK9788 der Emirates Sky Cargo, für die Air ACT den Fracht-Jumbo im ACMI-Verhältnis betrieb, wie es dem üblichen Geschäftsgebaren des Unternehmens mit Sitz in Istanbul entspricht. 

Etwa 4000 Fuss (1'200 Meter) nach dem Aufsetzen geriet das Flugzeug nach links von der Piste ab, durchbrach den Flughafenzaun und rutschte über die aus massiven, aufgeschichteten Felsblöcken erbaute Böschung des auf einer künstlichen Insel befindlichen Flughafens in die zum Perlfluss-Delta gehörenden Bucht. Dabei zerbrach es in zwei Teile.

Während sich die vierköpfige Besatzung retten konnte, kamen beim Unfall zwei Sicherheitsbeamte des Flughafens ums Leben. Sie befanden sich in einem Patroullien-Fahrzeug, das ausserhalb des Sicherheitszauns das Gelände kontrollierte, als es vom Jumbo Jet erfasst und mit ins Meer gerissen wurde. Nachdem in ersten Berichten die Rede davon war, dass der Frachter bei der Landung auf der Piste mit dem fraglichen Fahrzeug kollidiert sei, wurde diese Meldung kurze Zeit später von offizieller Seite korrigiert und festgehalten, dass sich die Kollision mit dem Fahrzeug erst unmittelbar vor dem Abrutschen des Flugzeugs über die Böschung definitiv ausserhalb des umzäunten Betriebsgeländes ereignet habe.

Die Boeing 747-481 (BDSF) TC-ACF der Air ACT Cargo wurde seit ihrem Umbau zum Frachter in der ersten Jahreshälfte 2011 ab Juni des Jahres durch die türkische Wet-Lease-Spezialistin für verschiedene Kunden betrieben, hier etwa auf einem Frachtflug der Turkish Airlines nach Kloten (Lukas Lusser, Zürich, 13.2.21).

Gemäss den Daten der einschlägigen Flugverfolgungsdienste sowie auch den offiziellen Mitteilungen der Behörden verlief der knapp siebenstündige Flug der TC-ACF bis zum Aufsetzen normal, und auch seitens der Besatzung wurde keinerlei Problem gemeldet. Der Jumbo Jet setzte innerhalb des dafür vorgesehenen Pistenabschnitts auf und hatte dabei eine angemessene Geschwindigkeit von rund 135 Knoten. Er war zum Zeitpunkt des Unfalls gemäss Angaben der Betreiberin unbeladen, was auch die Newsbilder des aufgebrochenen Rumpfes und der Unfallstelle belegen, wo ausser dem Wrack keine Ladung oder Container auszumachen sind. Somit kann ausgeschlossen werden, dass der Unfall gewichtsbedingte Ursachen gehabt haben könnte. 

Gemäss der Betreiberin des Flughafens funktionierte die Beleuchtung der Piste und der auf ihrer rechten Seite gelegenen Abrollwege normal, und das Wetter war zum Zeitpunkt des Unfalls grundsätzlich gut mit nur wenigen, tiefliegenden Wolken. Auch habe der zuständige Lotse die korrekten Informationen zum Verlassen der Piste bereits übermittelt gehabt. Dennoch verliess der Frachter rund 1200 Meter nach dem Aufsetzen mit immer noch rund 90 Knoten die Piste in einer langsam enger werdenden Bahn auf der dem Meer zugewandten Seite. Die letzten übermittelten Daten zeigen ein Heading von 120° bei einer Geschwindigkeit von noch 20 Knoten (circa 36 km/h) an, bevor die Aufzeichnung abbricht. Der Jumbo kam schliesslich um beinahe 180° zur Landegrichtung gedreht, mit hinter den Tragflächen abgerissener Hecksektion und schweren Schäden an der Nase direkt neben der Böschung im Wasser zu liegen. Noch ist unklar, ob die ungewöhnlich wirkenden Schäden bei der Berührung mit den Steinen der Kaimauer unterhalb des Cockpits entstanden sind oder auf ein zuvor aufgetretenes Problem bei der Landung zurückzuführen sind.

Derzeit versuchen die zuständigen Untersuchungsorgane, die Flugdatenschreiber des Unglücksflugzeugs zu bergen, da die Umstände, die zum Verlassen der Piste und dem Sturz in Meer geführt haben, weiterhin rätselhaft sind.