London Heathrow stellt Masterplan für Ausbau mit dritter Piste vor

05.08.2025    Quelle: Head for Points         

Der Flughafen London Heathrow hat bei der englischen Regierung detaillierte Pläne für sein Ausbauvorhaben eingereicht und formell um politische Unterstützung des Vorhabens gebeten. Ein erster derartiger Entschluss des Britischen Unterhauses aus dem Jahr 2018 war gerichtlich angefochten worden, und Ende 2020 bestätigte der Supreme Court den Beschluss - just als alle Pläne wegen der Covid-19-Pandemie und dem folgenden Einbruch des internationalen Reiseverhaltens scheinbar zu reiner Makulatur wurden. Inzwischen hat sich der globale Flugreisemarkt bekanntlicherweise schneller als erwartet auf das Niveau vor der Pandemie erholt, und Heathrow erwartet im laufenden Jahr 2025 mit 84 Millionen Reisenden einen neuen Passagierrekord aufzustellen.

Der neue CEO des Flughafens London Heathrow, Thomas Woldbye, äusserte bereits Anfangs 2024 den Bedarf eines baldigen Ausbaus der bestehenden Infrastruktur und bestätigte im Grundsatz die Pläne von 2018. Er forderte aber erneut die Regierung um explizite politische Unterstützung für das Vorhaben auf, was Transportministerin Rachel Reeves inzwischen auch zugesagt hat.

Kernpunkt dieser Zusage ist, dass sich die Regierung hinter das Vorhaben des Baus einer dritten Piste stellt, die als «Infrastrukturprojekt von nationaler Bedeutung» eingestuft wurde. Der teilweise Um- und Neubau bestehender Terminals sowie eine massive Erweiterung des von British Airways und Partnern der One World Alliance genutzten Terminals 5 sind die zwei weiteren essentiellen Bausteine des Ausbauvorhabens, mit dem Heathrow seine jährliche Kapazität auf 150 Millionen Reisende steigern respektive beinahe verdoppeln will.

Eine Computer-generierte Ansicht des ausgebauten Flughafens Heathrow, Blick von Westen nach Osten. Links im Bild die vorgeschlagene neue, dritte Piste mit der Unterführung der Autobahn M25 unten im Bild, Mitte links das neue Terminal T5XN, Mitte rechts das neue Terminal T5XW, in der Mitte hinten das erneuerte und erweiterte Terminal 2 mit den drei neuen Midfield-Satelliten (Visualisierung Flughafen London Heathrow, August 2025).

Bau der dritten Piste

Für projektierte 21 Milliarden Pfund (22.6 Milliarden Franken) will Heathrow eine dritte Start- und Landebahn von 3'500 Metern Länge bauen. Sie soll nordwestlich des bestehenden Komplexes entstehen, just dort, wo sich heute die von vielen Flughafenhotels gesäumte Bath Road sowie der Motorway M25 befinden. Heathrow möchte das Vorhaben binnen einer Dekade verwirklichen, was als sehr optimistischer Zeitplan angesehen wird, da betroffene Anwohner und Gewerbebetriebe wohl nicht ohne juristischen Widerstand das Feld räumen werden.

Dennoch ist der Bau der neuen Piste gemäss der Flughafenbetreiberin unumgänglich, da das Vorhaben die einzige Möglichkeit darstellt, mit der Heathrow die Anzahl der Flugbewegungen steigern kann. Die praktisch über den gesamten Tag voll ausgenutzten beiden Parallelpisten der heutigen Anlage sind in der Lage, 480'000 Flugbewegungen jährlich abzuwickeln. Mit der dritten Piste will Heathrow die Kapazität für bis zu 756'000 jährliche Flugbewegungen schaffen. Skeptiker in Londons Umland, insbesondere im Süden, fürchten, dass dies in erster Linie dazu führen wird, dass zahlreiche Airlines ihre heutigen Flüge nach London Gatwick neu nach Heathrow verlegen werden, was kaum für mehr Konnektivität des Grossraums London, aber zu einer ungesunden Ballung des heute entflochtenen Verkehrsaufkommens in und rund um Heathrow führen könnte.

Der Hotelbesitzer Surinder Arora, dem diverse Flughafenhotels entlang der erwähnten Bath Road gehören, hat auf eigene Kosten einen Gegenvorschlag namens «Heathrow West» mit einer auf 2'800 Meter verkürzten Piste erarbeitet, die für weniger Geld zu haben wäre, jedoch längere Rollzeiten gelandeter Flugzeuge und betrieblich ungünstige Rollwege mit sich bringen würde. Der Flughafen Heathrow steht deshalb dem Gegenvorschlag mit Vorsicht gegenüber und will nur dann auf diesen oder ähnliche Alternativen eingehen, wenn sie bezüglich der betrieblichen Abläufe dem eigenen Vorschlag ebenbürtig oder sogar besser sind. Da das gegenwärtige Projekt des Flughafens lediglich die Enteignung und den Abbruch von rund 750 Liegenschaften erfordert, während «Heathrow West» wegen der Verlegung der kürzeren Piste weiter nach Osten und somit weg von der Bath Road und der M25 zusätzlich zu den genannten 750 Liegenschaften weitere 1'300 Grundstücke betreffen würde, sieht sich der Alternativvorschlag mit einer weiteren gewichtigen Hürde konfrontiert. Zudem bezieht sich die erwähnte Unterstützung durch die Regierung explizit auf den von Heathrow vorgeschlagenen Plan mit der 3'500 Meter langen Piste. Der Gegenvorschlag müsste erneut das gesamte Verfahren zum Erhalt politischer Unterstützung durchlaufen und wäre erneut juristisch angreifbar.

In der Übersicht hier die geplanten Neu- und Ausbauten der Terminalinfrastruktur, wie sie der Masterplan des Flughafens London-Heathrow vorsieht (Zeichnung Flughafen London Heathrow, August 2025).

Ausbau des Terminal 5 

Für weitere 12 Milliarden Pfund (12,89 Milliarden Franken) will Heathrow seinen bestehenden Terminal 5, der heute von British Airways und One-World-Partnern genutzt wird, um zwei neue, westlich und nördlich gelegene Terminals oder Mid-Field-Abfertigungsgebäude erweitern, die derzeit provisorisch als Terminals 5XW und 5XN bezeichnet werden. Sie sollen die Anzahl der Abstellpositionen am T5, gegenwärtig 53, im Minimum verdoppeln, je nach Aufteilung der Belegung durch Grossraum- oder Standardrumpf-Flugzeuge. Mit diesen Gebäuden soll das durch die dritte Piste wachsende Passagieraufkommen teilweise aufgefangen werden.

Umbau und Neubau bestehender Terminals

Als letzten Baustein des Vorhabens will Heathrow im Zentrum des Geländes die bestehenden Terminals 2 und 3, sowie das seit 2015 endgültig stillgelegte Terminal 1 durch einen radikalen Umbau besser organisieren und betrieblich optimieren. Das verlassene Terminal 1 sowie Terminal 3, der älteste noch in Betrieb stehende Bereich des Flughafens, sollen abgerissen werden, sobald ein neues, modernes Gepäcksystem für den Terminal 2 fertig gestellt ist und das Terminal 2 ausgebaut wurde. Lediglich die vier Standplätze für den Airbus A380, die dem Terminal 3 angegliedert sind, sollen erhalten werden, da sie an einem erst 2006 erstellten Dockbereich liegen, dem Pier 6. 

Das Terminal 2 soll erneuert und massiv erweitert werden. Hierfür würden neue Gebäude-Satelliten gebaut: T2C im Osten des Terminals 2 sowie T2B und T2D im Westen, da wo heute das Terminal 3 steht. Der Pier 6 mit den erwähnten vier A380-Gates käme dabei zwischen die beiden Satelliten im Westen zu liegen und würde wohl so erweitert, dass er daran anschliesst. Eine genaue Anzahl Gates, die bei diesem Umbau neu entstehen würden, ist noch nicht bekannt, doch müssen sie zumindest Ersatz bieten für die heutigen 28 Standplätze des Terminal 3 sowie Raum für das erwartete Passagierwachstum lassen. Es dürfte also auch beim T2 auf eine grobe Verdopplung seiner heutigen Kapazität hinauslaufen.

Die Modernisierung und Erweiterung des zentralen Terminalbereichs mit dem Abbruch der Terminals 1 und 3 und dem Ausbau sowie der Modernisierung des Terminal 2 ist dringend notwendig und dürfte unabhängig vom Fortschritt der Pläne der dritten Piste in Angriff genommen werden. Dennoch ist kaum damit zu rechnen, dass die Hauptarbeiten vor 2029/30 beginnen werden, da auch hier wieder Zusagen durch die Regierung und allfällige juristische Einwände abgewartet werden müssen. Auch Details der Finanzierung des Vorhabens, das teilweise durch höhere Gebühren für neu nach Heathrow ziehende Airlines gesichert werden soll, ist noch nicht in trockenen Tüchern. Dennoch will der Flughafen nun das Vorhaben in Schwung bringen, wie CEO Woldbye bei der Vorstellung der Ausbaupläne deutlich gemacht hat.